Mit spitzem Bleistift rechnen die Bankstrategen an ihren Kursprognosen.
Mit spitzem Bleistift rechnen die Bankstrategen an ihren Kursprognosen.
Foto: interTopics

Aktienmärkte

Maue Prognosen für den Dax

von Jochen Mörsch

Alle Jahre wieder ... sagen Bankstrategen den Stand von Dax und Co. in zwölf Monaten voraus. Was die Experten für das Börsenjahr 2009 erwarten. Und wie sie in den vergangenen Jahren abschnitten.

Behalten die Analysten in den Frankfurter Glaspalästen Recht, steht Anlegern ein deutlich besseres Börsenjahr bevor als 2008. Im Schnitt erwarten die Banker, dass der Dax zur Jahresmitte zwar nur bei gut 4700 Punkten liegt. Ende Dezember soll der Index aber bei rund 5350 Zählern notieren – immerhin ein Plus von elf Prozent im Vergleich zum Jahresschlusskurs 2008.

Allerdings reichen die Prognosen derzeit so weit auseinander wie selten zuvor. Zwischen der niedrigsten und der höchsten Schätzung liegen 2600 Punkte. Am pessimistischsten ist Carsten Klude: Der Aktienstratege des Bankhauses M.M. Warburg erwartet bis zum Jahresende einen Dax-Rückgang um 25 Prozent auf 3600 Punkte – die Optimisten der Helaba sagen dagegen einen Kursgewinn von 29 Prozent auf 6200 Zähler voraus. Ähnlich positiv wie für den Dax sind die Banker im Durchschnitt auch für den Euro Stoxx 50 gestimmt. Für Europas Leitindex sagen sie ein Plus von zwölf Prozent auf gut 2750 Punkte voraus. Und der Dow Jones soll um 11,6 Prozent auf knapp 9900 Punkte zulegen.

Allerdings sind die Prognosen mit einiger Vorsicht zu genießen: In ihren Ende 2007 vorgelegten Ausblicken sahen die Strategen den Dax auf Jahressicht im Schnitt bei 8641 Punkten. Tatsächlich notierte der Leitindex gerade einmal bei 4810 Zählern – satte 44 Prozent niedriger. Am weitesten von der tatsächlichen Entwicklung entfernt waren die Düsseldorfer WGZ-Bank und der Fondsanbieter Cominvest, die den Dax Ende 2008 auf 10.250 und 10.000 Punkte schätzten. Hintergrund: Die Experten der Häuser erwarteten, dass sich die Gewinne der Unternehmen in einer kräftig wachsenden Weltwirtschaft günstig entwickeln. Unicredit zählte mit seiner Prognose von 7900 noch zu den größten Pessimisten.

Es kam bekanntlich anders: Den Notverkauf von Bear Stearns Mitte März an JP Morgan und die Pleite von Lehman Brothers im September sah ebenso keiner der Analysten voraus wie die anhaltenden Probleme bei der Handelbarkeit von Wertpapieren mit schlechter Bonität, die schwächelnde Weltwirtschaft oder die Betrügereien des US-Brokers Bernard Madoff. Allerdings kommen solche Fehleinschätzungen immer wieder vor. Bei den fallenden Kursen der Jahre 2001 und 2002 lagen die Schätzungen im Durchschnitt mehr als 50 Prozent neben der Realität. Besser lief es in Zeiten steigender Aktienkurse. Im Börsenjahr 2003 gewann das deutsche Bluechip-Barometer 37 Prozent hinzu, wobei die Auguren nur 2,3 Prozent daneben lagen. Im Folgejahr schafften sie mit einer minimalen Abweichung von 0,4 Prozent sogar fast eine Punktlandung. Damals stieg der Dax um gut sieben Prozent.

Und was bedeutet das für die aktuellen Einschätzungen? In Zeiten der anhaltenden Finanzkrise gleichen viele Kursziele eher Kaffeesatzleserei als fundierten Prognosen. Kaum widersprochen werden aber kann den Einschätzungen der Analysten von LBBW und Weberbank, wonach Anleger in diesem Jahr "Nerven wie Drahtseile brauchen".

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