06.09.2006

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Investmentstrategie

Gut abgefedert

von Robert Hirmer, Jutta Reuffer, Dirk Wohleb

Iran-Konflikt, Ölpreis, Konjunktur - der Börsenherbst droht holprig zu werden. Mit Bonus-, Teilschutz- und Discountzertifikaten dämpfen Anleger Kursschwankungen und senken das Verlustrisiko - ohne auf Gewinnchancen zu verzichten.

Wer lange Strecken fährt, weiß den Komfort guter Stoßdämpfer zu schätzen. Doch weitaus wichtiger als die Bequemlichkeit ist die Sicherheitsfunktion dieser elastischen Elemente: Sie gewährleisten nicht nur, dass die Räder Straßenunebenheiten abfedern, sondern auch, dass diese den Bodenkontakt halten. Andernfalls könnte es bei unebener Wegstrecke und plötzlichen Richtungswechseln zum Crash kommen.

Auch an der Börse waren Anleger lange Zeit in einer komfortablen Situation. Kontinuierlich strebten die Märkte in den vergangenen drei Jahren nach oben. Jetzt deutet sich eine Wende an: „Wir sind weit weg von der Euphorie des ersten Halbjahres“, sagt Wolfgang Sawazki, Chefanalyst von Sal. Oppenheim. „Das Währungsumfeld, die Rohstoffpreise, geopolitische Spannungen und die Abkühlung der US-Wirtschaft deuten auf unruhige Börsenzeiten hin.“ Damit eine mögliche Trendwende nicht im finanziellen Schleudertrauma endet, sollten Privatanleger ihr Depot krisenfest aufstellen. „Zertifikate ermöglichen eine taktische Reaktion auf das unsichere Marktumfeld“, sagt Dieter Lendle vom Deutschen Derivate Institut. Mit Produkten wie Bonus-, Teilschutz- und Discountzertifikaten federn Privatanleger im Börsenherbst ihr Depot ab und fahren komfortabel ins neue Jahr.

Bremsspuren. Der weltweite Konjunkturaufschwung verlor zuletzt an Fahrt: „Das kräftige Wachstum der Wirtschaft von 2004 bis Mitte dieses Jahres setzt sich im verminderten Tempo von rund drei Prozent fort“, so Chefvolkswirt Eberhardt Unger von der Frankfurter Fairesearch. Dabei bieten die einzelnen Regionen sehr unterschiedliche Perspektiven: Während die USA – schon weit im Konjunkturzyklus fortgeschritten – starke Bremsspuren aufweisen, stehen Asien und vor allem Europa deutlich besser da: „Auf dem Kontinent finden wir eine erfreuliche Ausgangssituation vor“, sagt Michael Heise, Chefvolkswirt von Allianz und -Dresdner Bank. „Sollte sich das Wachstum in den USA stark abkühlen, beeinflusst das die europäische Wirtschaft deutlich weniger als Asien.“

In Deutschland steht der gerade erst erwachten Konjunktur allerdings eine Bewährungsprobe bevor. Neben lahmender Inlandsnachfrage und starkem Euro droht die geplante Mehrwertsteueranhebung, eine Wachstumsdelle zu verursachen. Prompt stürzte im August der Konjunkturindex des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) auf den niedrigsten Stand seit Juni 2001. „Der Aufschwung kommt im ersten Halbjahr 2007 zwar ins Stocken“, ist Experte Heise überzeugt, „aber mittelfristig geht es weiter nach oben.“ Das sieht Goldman-Sachs-Volkwirt Dirk Schumacher ähnlich: „Die deutsche Wirtschaft kommt nicht ohne Schrammen durch diese schwierige Phase“, sagt er. „Doch grundsätzlich stehen inländische Unternehmen so gut wie lange nicht mehr da. Restrukturierungen und mehr Kapitalmarktorientierung führen langfristig zu einer positiven Gewinnentwicklung.“

Schlaglöcher. Globale Risiken werden Deutschland und die Weltwirtschaft aber in Atem halten. Das kann zu starken Kursschwankungen an den Börsen führen. Der Konflikt im Libanon, der Atomstreit mit dem Iran oder die Raketentests Nordkoreas zählen zu den größten geopolitischen Gefahren. Der ohnehin hohe Ölpreis reagiert sensibel aus eine Verschärfung der Lage, zudem dauert bis Spätherbst die Hurrikansaison in den USA an. Beschädigen Stürme Ölplattformen, klettert der Preis des Rohstoffes weiter. „Erfolgt der Anstieg mit großer Geschwindigkeit, können sich Unternehmen kaum darauf einstellen, und es verhagelt ihnen weltweit die Gewinne“, so Heise. Eine erneute Kursrally schließen die Experten daher aus. Oppenheim-Analyst Sawazki rechnet zum Jahresende beim Dax mit 6000 Punkten. Den Euro Stoxx sieht er bei 3900 Zählern.

Angesichts der schwierigen Gemengelage können Anleger mit Zertifikaten punkten: Die Alleskönner bieten für jede Börsensituation das passende Produkt. Entsprechend wächst der Markt seit Jahren rasant. Im ersten Halbjahr 2006 erhöhte sich das Volumen um rund 15 Prozent auf knapp 97 Milliarden Euro. Und immer noch sind die Anlagevehikel in deutschen Portfolios unterrepräsentiert: „Depots können zu 100 Prozent aus Derivaten bestehen und hoch diversifiziert sein“, so Experte Lendle. „Schätzungen gehen davon aus, dass nur etwa sechs Prozent der Deutschen Zertifikate besitzen. Damit besteht noch großer Nachholbedarf.“

Sicherheitsausstattung. Die ersten Schritte zur Risikoreduzierung haben Anleger bereits vorgenommen. Nach der Korrektur vom Mai dieses Jahres begannen sie mit dem Umbau ihrer Depots zugunsten sicherheitsorientierter Papiere. So legte im Juli der Marktanteil von Discountprodukten an allen Anlagezertifikaten um die Hälfte auf 30 Prozent zu. Grund: Die Attraktivität der Papiere steigt mit der größeren Schwankungsbreite der Basiswerte. Sie bieten dann höhere Rabatte und Renditen.

Gefragt sind auch die erst seit dem Jahr 2003 erhältlichen Bonuspapiere. Wie Discounter sichern sie in Seitwärts- und Abwärtsphasen Gewinne bis zu einer vorher festgelegten Untergrenze. Gleichzeitig ermöglichen sie aber die volle Partizipation bei Kurssteigerungen zum Laufzeitende. Mit einer Gewinnsicherung warten sogenannte Lock-in-Papiere auf. Sie verfügen über Kursstufen, die – einmal erreicht – dem Anleger sicher sind, auch wenn das Papier bis zum Laufzeitende wieder unter den Ausgabepreis fällt.

Anleger können mit diesen Zertifikatvarianten Verluste zwar nicht vollständig verhindern. Allerdings erleiden sie nicht bei jedem Börsenschlagloch direkt einen Depotcrash.

Unsichere Zeiten: Nach der Börsenrally drohen Kursturbulenzen

 

Die dreijährige Börsenrally geht in eine unruhige Phase über. In den nächsten Monaten tendieren die Märkte unter größeren Schwankungen seitwärts, so die Einschätzung vieler Analysten.


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Quelle: FMH-Finanzberatung
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Quelle: Smarthouse Media, SIX Telekurs
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