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08.09.2011
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Was wenige in Fülle besitzen, haben viele kaum: Vermögen ist ungerecht verteilt
Was wenige in Fülle besitzen, haben viele kaum: Vermögen ist ungerecht verteilt
Foto: reuters
Investor-Artikel

Großzügige Großverdiener

Wieso Deutschland eine neue Vermögenskultur braucht

von Knut Bergmann

Die Distanz zwischen Reich und Arm wächst. Der Ruf nach höheren Steuern für Wohlhabende greift jedoch zu kurz. Unser Land braucht ein stärkeres Eintreten für das Gemeinwohl. Mein Knut Bergmann vom Thinktank Stiftung Neue Verantwortung.

"Hört endlich auf, die Superreichen zu verhätscheln", fordert US-Investorenlegende Warren Buffett, einer der reichsten Menschen der Welt. "Besteuert uns!", verlangt eine Initiative von französischen Managern, und auch hierzulande können sich einige prominente Großverdiener vorstellen, mehr Steuern zu zahlen. Offenkundig hegen selbst wohlhabende Menschen Zweifel an einer gerechten Verteilung der Lasten, die den Staatshaushalten in jüngster Zeit vor allem infolge der Finanzkrise aufgebürdet wurden.

Dass es nicht gerecht ist, die Gewinne vor allem von Banken zu privatisieren, Verluste hingegen zu sozialisieren, kritisiert mittlerweile sogar das konservative Feuilleton. Hinzu kommt die wachsende Distanz zwischen Reich und Arm: Während die Realeinkommen seit Mitte der 90er-Jahre stagnierten, konnten an der Spitze der Einkommenspyramide deutliche Zuwächse erzielt werden.

Die daraus resultierende Wahrnehmung mangelnder sozialer Gerechtigkeit gefährdet das Fundament unserer Demokratie, weil die Wirtschafts- und Sozialordnung zunehmend auf Ablehnung stößt. Dazu trägt auch bei, dass die Debatte fast ausschließlich fiskalisch geführt wird. Die Frage, wie sich Menschen sonst in unser Gemeinwesen einbringen können, bleibt außen vor. So fühlen sich immer weniger Menschen verantwortlich für das Gelingen der "öffentlichen Sache", der Republik. Die Einsicht, dass es Vermögen jenseits von Materiellem gibt, könnte Abhilfe leisten.

Unser Land profitierte, wenn nicht allein monetäre Umsteuerung als Heilmittel sozialen Friedens betrachtet würde, sondern sich jeder Mensch verpflichtet fühlte, am Gemeinwesen mitzutun - mit bürgerschaftlichem oder mäzenatischem Engagement. Jeder kann etwas tun; Vermögen ist nicht nur Geld, sondern genauso Zeit, Ideen, Engagement. Und andere daran teilhaben zu lassen liegt im wohlverstandenen Eigeninteresse eines jeden. Nicht nur, weil geben glücklich macht, wie die Verhaltensökonomie nachgewiesen hat. Vielmehr existieren auch ökonomische Gründe: Wenn etwa diejenigen, die morgen als Hochqualifizierte dringend benötigt werden, heute in prekären Verhältnissen aufwachsen und als Bildungsverlierer aus dem System gedrängt werden, hat das eines Tages negative Folgen für das große Ganze. Kümmern wir uns also - als Bürgerstifter, in der Nachbarschaftshilfe oder als Bildungspate.

 
Ein Superreicher übt Verzicht: Warren Buffett will mehr von seinem Vermögen abgeben

Es ist eben nicht nur Geld, um das es geht. Allerdings sind viele Menschen finanziell wohlhabend, ohne dass sie sich reich fühlten. Wer weiß schon, dass man mit einem Einkommen von "nur" 126.000 Euro zum einkommensstärksten Prozent der steuerzahlenden Bevölkerung gehört? Zu den Top Ten zählt man schon mit knapp 67.000 Euro. Bezieht man Pensionsanwartschaft und Beihilfeberechtigung ein, sind selbst vermeintlich einfache Oberstudienräte Gutverdiener. Reich sind nicht immer nur die anderen.


Was die Leser sagen

Friedrich Knispel
16.10.2011 | 11:21
Es wird schlimm ...

der Grund, warum wir nicht schon lange einen Bürgerkrieg haben, ist wohl darin zu suchen, dass man die arbeitende Mittelschicht so derart unter Stress setzt, dass sie keine Zeit hat, sich einmal Gedanken darüber zu machen, was eigentlich gerade passiert.
Da plündern gierige Banker skrupellos die Staatskassen, nachdem sie sich schon schamlos am "arbeitenden Volk" bereichert haben. Es wird einem erklärt, dass es einfach normal sei, dass ein Investmentbanker Bonuszahlungen in Millionenhöhe erhält, wenn er einfach nur seine Job macht, für den er sowieso schon ein Gehalt bekommt. Dass sowohl Gehalt als auch Bonus aus der Staatskasse finanziert werden müssen, weil sein Laden schon längst pleite ist, ist für den lieben Banker auch kein Problem.
Wenn der Niedriglohnsektor weiter wächst und der Mittelstand weiter systematisch ausgebeutet wird, dann bleibt auch in Zukunft noch Luft für die astronomischen Gehälter unproduktiver Zocker.
Ich jedenfalls bin der ansicht, dass jeder Landwirt, jeder Bäcker und Metzger wesentlich systemrelevanter ist als das Investmentbanking. Die Menscheit hat viele Tausend Jahre ohne Investmentbanking überlebt. Ohne Nahrung geht es keinen Monat!
Hoffentlich wacht das Volk schnell auf. Die aktuelle Bewegung an der Wallstreet lässt hoffen.

Demokrat
09.09.2011 | 04:47
manche sind einfach nur im falschen Land, oder in der falschen Zeit

Der real existierende Sozialismus ist hierzulande vor 2 Jahrzehnten untergegangen. Trotzdem gibt es noch einige Untote, die nicht im hier und jetzt, sondern in der Vergangenheit leben. Einer davon findet sich unter den Kommentatoren dieses Artikels. Der Herr möge doch nach Kuba oder Nordkorea auswandern um dort bewundern zu können, wie der Sozialismus das Leben der Menschen verbessert!

Markus Müller
08.09.2011 | 22:40
Bißchen Zeit ist noch

"Dass es nicht gerecht ist, die Gewinne vor allem von Banken zu privatisieren, Verluste hingegen zu sozialisieren, kritisiert mittlerweile sogar das konservative Feuilleton."
Ja,mittlerweile plappern es alle nach ohne wirklich begriffen zu haben was die Uhr tatsächlich geschlagen hat.Aber lassen wir uns ruhig noch ein wenig Zeit,denn wir jammern in Deutschland auf dem höchsten Niveau dieser Welt.Und es jammern Arme und Reiche!!!Die Armen weil sie arm sind und die Reichen,weil sie Angst haben es zu werden.Wer hat mehr Grund?
Erst wenn die Reichen nicht mehr höflich zur Kasse gebeten werden,sondern einfach überfallen und ausgeraubt werden,und zwar in Massen,wird erst eine Flucht und dann vielleicht auch irgendwann ein Umdenken einsetzen.In Frankreich hat man schon versucht den Anfängen dieses "kommenden Aufstandes"wie er genannt wird,zu wehren,aber die neuen Rebellen habe ihre Lektionen gelernt aus RAF-Schicksalen und Obrikkeitsjustiz und sind nicht mehr so einfach zu fassen und wegzusperren.Bißchen Zeit ist noch.Am längsten mit Sicherheit in Deutschland,denn die revoltieren zuletzt,aber wehe wenn....

Reicher
08.09.2011 | 19:00
Neidkampagne

Ich gebe es zu: Ich bin ein Reicher. Ein Eigenheim habe ich, ein Mietshaus auch -beides schuldenfrei- und dazu ist noch einiges auf dem Konto. Da ich aber einen 12 Jahre alten Mittelklassewagen fahre und bevorzugt beim Diskounter einkaufe, bin ich mir noch nie als reich vorgekommen. So wie mir geht es hunderttausenden Deutschen, hat man doch die Zahl der Millionäre auf 800.000 geschätzt und da ist der Immobilienbesitz noch nicht einmal mit drin. Es kann mal unterstellt werden, dass der "Reichtum" meiner "Kollegen" ebenso wie meiner aus legalem und ordnungsgemäß versteuertem Einkommen stammt. Das hält Klassenkämpfer der Oppositionsparteien -fast ist man versucht, hier von Germaniban (=deutsche Taliban)- zu sprechen-nicht davon ab, uns dieses schon mehrfach versteuerte Geld zu entreißen zu versuchen. Die absurden Vorstellungen mancher Leute gehen so weit, den "Reichtum" schon bei einer halben Million anfangen zu lassen. So niedrig nämlich soll nach den Ideen mancher nur der Freibetrag sein. Das damit verbundene Gefasel von einer angeblichen sozialen Verantwortung, kann man schon nicht mehr hören. Vielleicht sollte man mal nach der sozialen Verantwortung jener Bevölkerungshälfte fragen, die keine Lohn- und Einkommensteuer zahlt und heute schon von den "Reichen" durchgefüttert werden muß.

(Kommentare 1-4 von 4)

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Quelle: FMH-Finanzberatung
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