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R. Rieß
Anleger gehen gerade durch ein Wechselbad der Gefühle. Tagesschwankungen im Dax von fünf Prozent und mehr sind keine Seltenheit. Ist die Panikstimmung an den Börsen berechtigt?
Zschaber: Zunächst einmal müsste man analysieren, warum gerade jetzt diese starken Korrekturen an den internationalen Kapitalmärkten stattfinden und in welchem Zusammenhang diese mit weiteren Korrekturen stehen könnten. Das übergeordnete Thema, welches uns seit sieben Monaten beschäftigt, ist die Subprime-Krise in den USA und ihre globalen Auswirkungen. Der Ursprung liegt in der niedrigen US-Zinslandschaft in den vergangenen Jahren, die Verschuldung der privaten Haushalte, dadurch dass diese Immobilien erworben haben und die Frage, ob der Immobilieneigentümer bei gestiegenen Zinsen weiterhin tilgen und finanzieren kann. Insofern ist bei einer Kapitalmarktsituation, bei der man nicht kalkulieren kann, in wie weit die wichtigen Banken weitere Abschreibungen vollziehen, sicherlich zu beachten, dass es erhöhtes Abwärtspotential gibt. Summa summarum kann man festhalten, dass diese Woche einer der schwierigsten Wochen überhaupt war, wenn man sich die starken und massiven Kurseinbrüche weltweit ansieht.
Haben Sie die Aktienpositionen in Ihren Fonds reduziert?
Zschaber: Wir haben uns bereits vor vier Monaten stark aus den Aktien zurückgezogen, mit Strategien die maximal 30 Prozent im Aktienmarkt haben, sind es derzeit 15 Prozent, bei Strategien oder unseren neuen Fonds, die 70 Prozent im Aktienmarkt halten dürfen, sind wir zu 35 Prozent investiert.
Lässt sich eine Rezession in den USA noch abwenden?
Zschaber: Ich glaube, dass wir über eine Kurzdefinition einer Rezession nachdenken könnten, vielleicht sind wir sogar schon in einer Rezession, ich denke aber auch, dass wir stimulativ sowohl den europäischen Markt haben mit einem weiterhin positiven Wachstumsumfeld, als natürlich auch Asien, insbesondere China. Ich gehe davon aus, das China nahezu zweistellig wachsen wird in diesem Jahr. Somit werden wir ein Welt-BIP haben, welches zwischen 3,5 und vier Prozent liegt. Wir könnten auch positive Kurse an den Märkten bzw. keine stagnierenden oder großen Korrekturen haben, selbst wenn die USA ein Nullwachstum pro Jahr einmal realisieren würde. Letztendlich geht es darum, wie viele faule Kredite beziehungsweise nicht gesicherte Anleihen noch weltweit bei den Banken sind und ob es hier weiter zu großen Ausfällen kommen kann. Dann helfen letztendlich auch Zinsensenkungen nicht, wenn beispielsweise große Banken kurz davor sind, höhere Abschreibungen vorzunehmen als tatsächlich im Markt schon eingepreist, kommt es zur stärkeren Korrekturen, dann würden wir in eine Rezession in den USA fallen.
Kommt es zu weiteren Zinssenkungen in den USA?
Zschaber: Für die USA sehe ich ein ganz klares Ja, ich gehe sogar davon aus, das wir nächste Woche einen Zinsschritt sehen. Zudem glaube ich, dass wir in diesem Jahr weitere Zinsschritte sehen werden. Herr Bernanke, der FED-Chef, hat es schon zwischen 2000 und 2003 verdeutlicht, als er noch nicht FED-Chef war, in dem er sagte, er würde sogar Geld drucken und vom Hubschrauber über New York abwerfen, um die Wirtschaft zu stimulieren. Allerdings holen wir uns damit eine hohe Inflation ins Haus. Nun kann man natürlich abwägen, was ist besser, eine hohe Inflation, aber dafür eine funktionierende Wirtschaft, so sehe ich es persönlich. Ich glaube, hätte die FED nicht die Zinsen gesenkt, hätten wir weltweit einen großen Ausverkauf an den Börsen gesehen, denn das Vertrauen der institutionellen Privatanleger war wirklich mal temporär weg.
Und in Europa?
Zschaber: Ich würde der europäischen Notenbank vorwerfen, was André Kostolany der deutschen Notenbank 30 Jahre lang vorgeworfen hat. Man sieht hier das Gespenst der großen Inflation, mit einer durchschnittlichen Inflation vielleicht mal ein halbes Prozent oder ein Prozent höher als im 20-, 30-Jahresvergleich. Damit kann jeder leben. Es macht überhaupt keinen Sinn, sich als typischer Europäer hinzustellen, gegen sämtliche globalen Ökonomen gegen anzusprechen und zu behaupten, der Zins muss auf diesem Niveau bleiben. Dieses ist vollkommener Unsinn. In Europa hoffe ich, dass wir einen Zinsschritt sehen, dieses würde einiges erleichtern. Ich persönlich gehe davon aus: mindestens 0,25 Prozent.
Als positiv nennen Marktexperten die niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnisse im Vergleich zum Jahr 2000. Ist das nicht ein Argument für einen vorsichtigen Einstieg?
Zschaber: Da haben Sie vollkommen Recht. Generell muss man behaupten, das sogar durch die Korrektur in Deutschland in dieser Woche für die großen DAX-Unternehmen ein Kursgewinnverhältnis in Höhe von 11,5 bis 12 vorhanden ist. Aber es geht hier nur nicht um das KGV, es geht doch um den Cash Flow oder das Kursbuchverhältnis. Es geht darum, in wie weit ist unsere derzeitige Volkswirtschaft, gerade Deutschland oder Europa, sehr stark exportorientiert bzw. partizipiert am globalen Wachstum insbesondere durch Asien. Hier sind wir hervorragend in diversen Branchen aufgestellt. Ich glaube auch nicht, dass, sofern die Subprime-Krise uns noch länger als ein Schatten begleitet, dass man die tatsächlichen Fundamentaldaten Europas ignorieren möchte oder wird. Ich glaube, eines Tages kommt der Trend zurück zu fundamentalen Daten und da stehen wir in der allerersten Reihe.
Wie sollten sich konservative Anleger derzeit verhalten?
Zschaber: Jemand er keine Verluste haben möchte und nur minimal in Aktien investiert, hat zum jetzigen Zeitpunkt nichts an der Börse zu suchen. Konservativ bedeutet, ständiger und stetiger Ertrag, das ist natürlich durch diese Phasen letztendlich durch eine hohe Volatilität nicht möglich. In den vergangenen 13 Monaten war gerade der deutsche Anleger wieder geprägt von einem sehr sehr gierigen oder vollkommen überrationalen Verhalten. Er hat nicht betrachtet, dass alle Kapitalmarktindizes ins Minus gingen im vergangenen Jahr, schaute nur auf den DAX und sah hier die knapp 22 Prozent in einem Jahr. Genau dieser Typ von Anleger hat jetzt eine richtige Breitseite bekommen und diese Breitseite heißt an sich minus 18 Prozent - seit November. Börse ist ein Territorium für vernünftige Anleger, die ihr Kapital langfristig wachsen lassen möchten, die an sich keine hohen Risiken eingehen, übrigens wenn wir den 10-Jahresdurchschnitt des DAX nehmen, da haben wir immer noch eine jährliche Wertentwicklung von 7,8 Prozent, das ist sehr rational und das ist vernünftig. Was sollten Anleger generell tun? Um es auf den Punkt zu bringen, auch unter dem Thema Abgeltungssteuer. Ideal für den Anleger sind Vermögensverwaltungskonzepte in einer Fondshülle. Diese nach deutschem Recht konzipierten Superfondsstrategien haben beispielsweise in den vergangenen Tagen weniger als 1,5 Prozent abgegeben, unser Total-Return-Ansatz hat sogar 0,3 Prozent erwirtschaftet.
Und spekulative Investoren?
Zschaber: Als spekulativer Investor, den ich persönlich nicht so schätze, kann an sich machen was er möchte, man kann es so formulieren, er steigt ein, hat Glück, er steigt ein und es geht runter und er hat Pech und verliert. Spekulative Investoren sind immer etwas zu früh dran, müssen aber mit hohen Risikoprämien arbeiten.
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