04.07.2006
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Foto: Photocase.com

Computergestützte Investment-Fonds

Gewinne mit System

Fonds, bei denen der Computer die Auswahl von Aktien übernimmt, weisen oft überdurchschnittliche Ergebnisse auf. Das Erfolgsrezept der Spitzenprodukte: Investment-Entscheidungen ohne jede Emotion.



Chicco folgt treu den Befehlen seines Herrn. Allerdings ist Chicco kein Hund. Der niedliche Name steht für das Computer-System, mit dem Vermögensverwalter Frank Lingohr seine Aktien-Fonds managt. Er verarbeitet viele tausend Unternehmensdaten und sucht für den weltweit investierenden Lingohr Systematic BB Invest Papiere nach festem Schema aus: „Welche Titel wir in den Fonds nehmen und welche wir verkaufen, bestimmt der Rechner“, sagt Lingohr.

Mit dem Ansatz steht der Börsianer aus Erkrath bei Düsseldorf nicht allein da. Auch viele andere rein quantitativ gemanagte Fonds bringen überdurchschnittliche Renditen. Die Titel, in der Finanzszene als Quant-Fonds bekannt, sind besonders bei institutionellen Anlegern beliebt. Doch auch für Privatanleger gibt es lukrative Angebote. Allein in Deutschland können sie unter 116 Produkten wählen, von denen Capital sechs besonders viel versprechende ausgewählt hat.



Keine Emotionen. Entscheidender Vorteil dieses Konzepts: Computer lassen sich nicht vom Herdentrieb an der Börse leiten. Sie verfolgen stringent einen bestimmten Investment-Ansatz, an dem sie auch in Phasen der Euphorie oder Depression festhalten. „Der Unsicherheitsfaktor Mensch spielt keine Rolle“, erklärt Fonds-Experte Christian Michel von Feri Rating & Research. Zudem können die Rechner naturgemäß mehr Daten verarbeiten als ein ganzes Heer von Analysten – und damit auch mehr attraktive Aktien ausfindig machen.

Auch die Risiken lassen sich konsequent begrenzen. Die Computer verkaufen Aktien automatisch, wenn sie nicht mehr attraktiv sind. Es kann nicht vorkommen, dass sie zu lange an einer Position festhalten. Zudem sprechen die geringen Kosten für diese Produkte. Schließlich entfallen die Ausgaben für Analysten, teures Research oder aufwändige Unternehmensbesuche.

Chicco zum Beispiel ordnet tausende Aktien verschiedener Märkte in eine feste Reihenfolge. Pro Land gibt es eine Liste von eins bis 100. Die ersten 20 Plätze sind Kaufkandidaten, die Titel auf Rang 21 bis 50 gilt es zu halten. Für die Papiere aus der zweiten Hälfte gibt es die strikte Anweisung: Verkaufen. Jede Woche berechnet der Computer eine neue Rangfolge. Die Resultate werden sofort umgesetzt. Konsequent verzichtet Lingohr sogar auf Gespräche mit Unternehmenschefs – er will sich von ihnen nicht beeinflussen lassen.

Der Computer analysiert Daten von mehr als 22000 Unternehmen. Da pro Aktie elf bis 15 Faktoren eingehen, bereitet der Computer hunderttausende Zahlen auf. Wie Chicco die einzelnen Aktien bewertet, hängt auch von der Region ab: Lingohr passt sein Bewertungssystem dem jeweiligen Land an. „Die Strategie ist darauf ausgerichtet, den Markt dauerhaft zu schlagen“, betont Lingohr. Ein Blick auf die Rendite gibt ihm Recht: In den vergangenen fünf Jahren ließ Chicco die meisten Fonds-Manager hinter sich, die Aktien aufgrund ihrer persönlichen Einschätzung auswählen.

Große Vielfalt. Bei der Auswahl eines Quant-Fonds sollten sich Anleger das Konzept genau anschauen. Denn diese Produkte folgen höchst unterschiedlichen Ansätzen. Das Spektrum reicht vom weltweiten Aktien-Fonds bis hin zum Dach-Fonds.

Vor allem Fonds-Boutiquen überzeugen: Während Frank Lingohr seine Performance durch die Auswahl der Aktien erzielt, stehen bei seinem New Yorker Kollegen Michael Keppler aussichtsreiche Märkte im Blickpunkt. Er sucht nach den Börsen mit dem stärksten Aufholpotenzial. Die Bestimmung der Aktien folgt erst im zweiten Schritt. Doch auch das Modell funktioniert – die Fonds von Keppler zeichnen sich seit Jahren durch überdurchschnittliche Renditen und reduzierte Risiken aus. „Die Auswahl der lukrativsten Aktien-Märkte ist Basis für den Erfolg“, betont Keppler.

Es lag nahe, die beiden Ansätze zu kombinieren: Beim neu aufgelegten Keppler Lingohr Global Equity Fund Inka (ISIN DE 000 A0JDCH 4) sucht der New Yorker nach unterbewerteten Aktien-Märkten, für die Lingohr anschließend Aktien mit hohem Potenzial auswählt – ein viel versprechendes Konzept.

Größter Anbieter. Neben kleineren Boutiquen setzen auch große Häuser auf quantitative Ansätze. Ein wichtiger Player ist Axa Rosenberg, eine Tochter von Axa Investment. Das Investment-Haus wurde 1985 gegründet und verdreifachte in den vergangenen drei Jahren das Fonds-Volumen auf 98 Milliarden Dollar.

Die Strategie von Axa Rosenberg: Ein Großrechner im kalifornischen Orindo nimmt jeden Tag rund 19000 Aktien unter die Lupe. Die Titel werden gründlich analysiert, das System fi ltert unterbewertete Unternehmen heraus. Gleichzeitig spürt der Computer Papiere mit guten Gewinnprognosen auf. Erst wenn alle Faktoren grünes Licht geben, wird eine Aktie gekauft. Die Fonds von Axa Rosenberg zeichnen sich zudem durch ein hohes Maß an Diversifi kation aus: In manchen Portfolios befinden sich sogar Titel von 500 Gesellschaften.

Die Nachfrage ist enorm. Zuletzt musste Axa Rosenberg sogar Fonds für neue Gelder schließen: Aufgrund des starken Mittelzufl usses wuchs das Volumen des Axa Rosenberg Pacific ex Japan Small Cap auf 700 Millionen Euro an.

Der Fonds lässt sich nicht mehr wie bisher managen – Axa zog die Reißleine.

Die Probleme hat Frank Lingohr mit seinem Lingohr Systematic BB Invest nicht. Der weltweite Aktien-Markt bietet aufgrund seiner Größe genügend attraktive Investment-Möglichkeiten.

Um lukrative Kaufkandidaten noch besser ausfindig machen zu können, muss Lingohr sein System allerdings stetig weiter verfeinern. Derzeit will er beispielsweise einen Indikator aufnehmen, der die Konkursgefahr für Unternehmen aufzeigt. Dadurch lassen sich noch mehr Risiken aus dem Portfolio nehmen – Chicco sei Dank.


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Quelle: FMH-Finanzberatung
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