Gut erklärt! Das Thema sollte weiterverfolgt werden, auch gegen den evtl. Widerstand aus gewissen Kreisen.
Der Kampf um die zweite Nachkommastelle prägt im Bondmarkt das Geschäft. Bei Bundesanleihen und Pfandbriefen liegt der Unterschied zwischen einer attraktiven und einer durchschnittlichen Rendite oft in der Region von 0,05 Prozentpunkten. Eine echte Herausforderung für Rentenfondsmanager, die besser abschneiden wollen als der jeweilige Marktindex. Der erweist sich oft als schwer zu überwindende Hürde. „Langfristig schlagen aktiv gemanagte Rentenfonds ihren Vergleichsindex noch seltener als Aktienprodukte“, sagt Götz Kirchhoff, Vorstand bei der Fondsgesellschaft Indexchange.
Die Tochtergesellschaft der Hypo-Vereinsbank rechnet das am Beispiel der Kategorie Staatsanleihen Euro-Land vor: Von 234 Fonds schaffen auf Jahressicht 33,17 Prozent den Vergleichsindex Iboxx-Euro-Liquid-Capped 1,5 – 10,5 zu schlagen. Er umfasst Euro-Land-Staatsanleihen mit Laufzeiten von 1,5 bis 10,5 Jahren. Über drei Jahre sind nur noch 6,75 Prozent besser, nach fünf Jahren gerade mal 3,76 Prozent. Mit dem Desaster der klassischen Rentenfonds wirbt Indexchange indirekt für die eigenen Produkte: Exchange Traded Funds (ETF). Die versuchen erst gar nicht, besser als ein Vergleichsindex abzuschneiden, sondern ihn möglichst genau und kostengünstig abzubilden.
So liegen Anleger mit börsengehandelten ETF zumindest nie schlechter als der Markt – und langfristig meist besser als mit aktiv gemanagten Produkten. Institutionelle Investoren haben das längst gemerkt und stecken immer mehr Geld in ETF. Privatanleger bekommen jedoch von Anlageberatern selten eine Empfehlung für Indexfonds, da ETF-Anbieter keine Vertriebsprovision zahlen.
Aufgeklärte Investoren lassen sich dadurch nicht abhalten. Schließlich können sie ETF an der Börse ganz einfach wie Aktien handeln. Neben
Indexchange bieten derzeit
I-Shares und
Lyxor Renten-ETF an. 21 Papiere notieren bereits in Deutschland – genug für ein Portfolio mit Staats- und Unternehmensanleihen, Pfandbriefen und Inflationsbonds.
In Bereichen wie High Yield, Emerging Markets (EM) und internationale Anleihen bietet bisher keine Gesellschaft ETF an. Schon bei liquiden Staatspapieren gestaltet sich ihre Konstruktion schwieriger als bei Aktienfonds: Schließlich müssen die Anbieter die Laufzeit der im Index enthaltenen Bonds berücksichtigen. Außerdem spielt die Handelbarkeit eine wichtige Rolle. Sie ist bei High-Yield und EM-Anleihen oft schwierig.
Möglicherweise finden sich aber auch für komplexere Fälle bald Lösungen. „Wir prüfen, ob sich solche Segmente mithilfe von Derivaten als ETF darstellen lassen“, sagt Kirchhoff. Und nicht nur Indexchange bleibt auf Wachstumskurs: „Wir sehen großes Interesse an Renten-ETF“, sagt Alex Claringbull, Portfoliomanager für Fixed-Income-ETF bei I-Shares. „Unsere bisher emittierten Produkte sind nur ein erster Schritt in dieser Assetklasse.“
Wichtiger Erfolgsfaktor sind vor allem niedrige Kosten. Da ETF per se nicht besser als der Markt sein können, kommt es in erster Linie darauf an, den jeweiligen Index möglichst günstig als Fonds zu verpacken. Neben den jährlichen Verwaltungsgebühren zählt für Anleger der Spread – der Unterschied zwischen Anund Verkaufskursen. Ihn können Investoren mit dem Ausgabeaufschlag bei klassischen Rentenfonds vergleichen. Während dieser häufig um drei Prozent beträgt, schlägt der ETF-Spread lediglich mit 0,07 bis 0,4 Prozent zu Buche.
Der Kauf der börsengehandelten Indexfonds ist trotzdem nicht immer günstiger: Zum Spread kommen die Gebühren für den Börsenhandel, die denen beim Aktienkauf entsprechen. Bei kleineren Summen greift der Kostenvorteil der ETF wegen der Mindestcourtagen der Banken nicht. Außerdem bieten Direktbanken Fonds mit reduziertem oder gar ohne Agio an. Die üblichen Managementgebühren von 0,5 bis 1,5 Prozent liegen bei klassischen Rentenfonds jedoch immer über denen von Renten-ETF.
Dazu kommt der Transparenzvorteil. „Bei ETF wissen Anleger immer, wie das Portfolio zusammengesetzt ist“, sagt Claringbull. Bei aktiven Fonds sind dagegen schon mal ein paar riskantere Anleihen im Depot versteckt, um die Renditechancen zu verbessern. ETF haben solche Tricks nicht nötig. Sie wollen ja keine Hürde nehmen – sie sind die Hürde.
Große Auswahl für Renditejäger
Neben ETF auf Staatsanleihen verschiedener Laufzeiten notieren an der Börse inzwischen kostengünstige Indexfonds auf Pfandbriefe, Unternehmensanleihen und inflationsindexierte Bonds.
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