01.11.2006
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Foto: Photocase.com

Heiko Thieme

Der Schaumschläger

von Thomas Jahn

Heiko Thieme ist bei deutschen Medien als Experte gefragt und vielen Anlegern als Börsenguru bekannt. Der Wahl-New-Yorker ist ein großartiger Redner - aber ein umstrittener Portfoliomanager. Jetzt soll in Deutschland ein neuer Aktienfonds von ihm aufgelegt werden. Muss das sein?

Verzweifelt sieht Heiko Thieme auf sein Handy, drückt eine Taste nach der anderen. Während der Chauffeur ihn von seinem Haus in Stanford zum Büro in New York schaukelt, telefoniert der Fondsmanager gewöhnlich. Nur jetzt findet er den Knopf nicht, um den Lautsprecher abzustellen. Schließlich fingert er seine Brille aus der Jacke, um die Hinweise auf dem Display lesen zu können. „Stimmaktivierung, das wäre die Lösung“, plappert er. Und: „Wenn sie auf den Markt kommt, bin ich ein Visionär.“

Willkommen in der Welt von Heiko Thieme. Stets versucht der 63-Jährige trickreich und schlagfertig, missliche Lagen zu seinem Vorteil zu wenden. Unbeirrbar glaubt er an sich: „Pessimismus ist der einzige Mist, auf dem nichts wächst.“ In Deutschland ist er eine Börsenberühmtheit. Regelmäßig wird er zu Vorträgen eingeladen und hoch bezahlt.

Der tadellose Ruf erstaunt. Denn der von ihm gemanagte American Heritage Fund verlor seit 1996 im Schnitt 18,1 Prozent jährlich. „Das ist einer der schlechtesten Fonds in der Finanzgeschichte“, so Russel Kinnel, Chef der Fondsanalyse beim US-Finanzdienstleister Morningstar. Dem zum Trotz: In wenigen Wochen will Thieme in Deutschland einen neuen Fonds für US-Aktien auf den Markt bringen.

Besuchstermin bei Thieme in der feinen Adresse 3rd Avenue, Ecke 51. Straße. Im Magazinständer seines Konferenzzimmers steckt zerknittert eine uralte Ausgabe von Thiemes eigenem Newsletter „Der Standpunkt/The Viewpoint“. Die meisten Räume seines Bürotrakts stehen leer. In seinem Arbeitszimmer fallen ein Foto von Ronald Reagan – handsigniert: „To Heiko Thieme“– und zwei Pokale der Fachzeitung „Mutual Funds“ ins Auge: Für die Wertung als schlechtester Fondsmanager 1995 und als bester 1997. „Ich schäme mich nicht für meine Vergangenheit“, sagt er.

1943 wurde er in Leipzig geboren. Kurze Zeit später flüchtete seine Familie vor dem Bombenhagel ins Ferienhaus im Harz. Nach dem Krieg bauten seine Eltern eine Arztpraxis in Goslar auf. Bei Tisch habe er zu denken und zu argumentieren gelernt, erzählt Thieme. Er wirft gern Sätze ein, wie „mein Großvater war Generalbevollmächtigter eines Stahlkonzerns“ oder „mein Ur-Ur-Großvater Hoffmann war Oberhofprediger beim Kaiser“. Überhaupt seien die Ahnen seiner Mutter als Prediger in Jerusalem oder Pommern unterwegs gewesen. „Daher habe ich meine Redebegabung“, sagt der Fondsmanager.

Als einziger von drei Geschwistern wandte sich Thieme von der Medizin ab und studierte Jura in Hamburg. Obwohl er sein Referendarexamen nur mit „ausreichend“ bestand, durfte er beim Max-Planck-Institut den Doktor machen. Eigentlich brauchte man dazu bessere Noten, aber er beeindruckte seinen Professor in der mündlichen Prüfung derart, dass dieser eine Ausnahme machte. Das sollte der aufstrebende Jurist noch oft erleben: Mit sicherem Auftreten und geschliffener Rhetorik ist manche Hürde zu nehmen.

Mit seiner Marketingbegabung fiel Thieme schnell auf und machte Karriere bei englischen Brokerhäusern. 1979 bot ihm die Deutsche Bank an, das Handelsgeschäft in den USA aufzubauen. Unter US-Chef Barthold von Ribbentrop arbeitete er an der Wall Street, stellte Analysten ein, baute das Brokergeschäft auf.

Als Banker genoss er aber offenbar nicht den besten Ruf. Als es in New York Mitte der 80er-Jahre hieß, Thieme suche einen neuen Job, schalteten beispielsweise die Mitarbeiter der Commerzbank sofort auf Abwehr. „Dort hätten bei seiner Einstellung massenhaft Leute gekündigt“, sagt Michael Keppler, damals US-Anlagestratege der Bank.

Zehn Jahre lang sah Thieme die großen Börsengewinne an sich vorbeiziehen. 1990 schließlich kaufte er die Fondsgesellschaft American Heritage Funds. Die ersten drei Jahre verliefen mit einem Gewinnzuwachs von 230 Prozent fantastisch. In der Spitze verwaltete der Newcomer rund 150 Millionen Dollar – bis die ersten Zweifel an seinem Können aufkamen. Rund 15 Prozent des Depots waren Privatplatzierungen: Für einen Kursabschlag von bis zu 30 Prozent kaufte er von kleinen Gesellschaften große Aktienpakete, die für eine bestimmte Zeit unverkäuflich waren. Der angenehme Effekt: Die Aktien wurden zum höheren, aktuell an der Börse bezahlten Kurs eingebucht und so wies der Fonds sofort ein entsprechendes Plus auf.

 
Ob Börsenboom oder Rezession: Heiko Thiemes Fonds „The American Heritage“ schneidet schlechter ab als der Markt.

Nach einem kritischen Bericht im „Wall Street Journal“ von 1994 kam es zu Sammelklagen von Anteilseignern. Im Handumdrehen wurden 80 Millionen Dollar abgezogen. Thieme verkaufte daraufhin vor allem liquide Titel wie IBM. So schnellte der Anteil von Privatplatzierungen am Gesamtportfolio seines Fonds weiter nach oben. Tatsächlich sind solche Panikattacken ein großes Problem für alle kleinen Fonds. Doch der wagemutige Deutsche tappte damals wohl in eine Falle, die er sich selbst gestellt hatte: Um spektakuläre Kursgewinne zu erzielen, ging er zu viele Risiken ein.

Zudem fehlte ihm oft das Gespür für die richtigen Aktien. Zum völligen Missgriff geriet sein Investment bei Spectrum Information Technologies. Das Unternehmen wollte mit neuartigen Technologien zur Datenübertragung Gewinne machen. Als 1994 der Vorstandschef zurücktrat und die Firma ihre Bilanzzahlen zurückziehen musste, ignorierte Thieme die Warnhinweise und kaufte unerschütterlich hinzu, obwohl die Papiere bereits sechs Prozent des Gesamtportfolios ausmachten. Ein Jahr später meldete Spectrum Konkurs an.

Beispiele für ähnliche Fehlinvestments in Technologiefirmen sind schnell gefunden. Was allen gemein ist: Obskure Firmen versprachen das Blaue vom Himmel und Thieme stieg ein.

Kein Denken daran, dass er sich heute von hochspekulativen Werten fernhalten würde. Zweimal während des vereinbarten Gesprächs klingelt das Telefon. Am anderen Ende der Leitung sind Promoter kleiner kanadischer Minengesellschaften. Mit beiden verabredet der Fondsmanager sich prompt.

Thieme scheut kein Risiko. Im Geschäftsjahr 2005/2006 weist der American Heritage eine Umschlagsrate seiner Wertpapiere von 843 Prozent auf, im Jahr zuvor von 967 Prozent. Bei anderen Aktienfonds zieht man schon bei zweistelligen Raten die Augenbrauen hoch. Doch der Wahl-New-Yorker hat das regelmäßig so gemacht.

Dass bei einem derartigen Hin und Her Handelsgebühren anfallen, die schließlich die Rendite fressen, fürchtet er nicht. Seine Argumente sind verblüffend: Das könne nicht passieren, weil die Verkäufe ja Gewinne einspielen, wenn die Entscheider richtig liegen: „Davon muss man bei einem Fondsmanager ausgehen“, proklamiert der Sachse. Damit auch ja keine Zweifel aufkommen, schiebt er gleich noch hinterher: „Ich verlange von Fondsmanagern, dass sie kurzfristigste Kursschwankungen nutzen, die sollen jede Minute arbeiten.“

So ist das mit Heiko Thieme. Die Frage, ob er sich angesichts eines vernichteten Fondskapitals von etwa 80 Millionen Dollar nicht schäme, findet er offenbar abwegig: „Auf keinen Fall“, sagt er. Sein Fonds sei doch als risikoreich ausgewiesen worden. Niemand habe mehr als fünf Prozent seines Vermögens hineingesteckt. Investiert hätten zudem nur wirklich reiche oder institutionelle Anleger. „Einmal wollte eine alte Dame mir ihr ganzes Geld geben, das habe ich abgelehnt“, sagt er.


Was die Leser sagen

Michael Klassen
08.05.2007 | 18:42
und so weiter...Heiko fängt wieder an

Wir können es nicht glauben, dass Heiko Thieme nach so vielen Pleiten mit Fonds nun endlich ein Thieme Global Zertifikat mit eigenem Index verkauft. (WKN 784662).
Es muß doch irgendwann reichen, Fonds kaputt zu machen und Vermögen anderer Leute durchzubuchen. Oder?
Wer will kann ja die unten angegebenen Seiten gerne im Original aufsuchen, um sich einen Eindruck geben zu lassen.
http://www.thestreet.com/funds/funds/868423.html

American Heritage Fund's Trading Practices Might Attract Regulator Scrutiny
By Ian McDonald
Staff Reporter
1/24/00 6:19 PM ET

A Securities and Exchange Commission official declined to say Monday whether the SEC has examined the American Heritage fund's unusually high rate of trading and its practice of trading almost exclusively with a broker-dealer owned by the fund's manager.
But, speaking hypothetically, those are the kinds of things that might pique an SEC inspector's interest, says Gene Gohlke, associate director of the SEC's Office of Compliance, Inspections and Examinations.
TSC detailed these practices by American Heritage in a story on Monday that also noted the fund is the year-to-date's top performer with a return of 62.2% through Jan. 20.
The story also noted that American Heritage's manager, Heiko Thieme, has had a paid consulting relationship with two companies in the fund's portfolio.
"Our goal is to conduct at least one inspection of a fund group every five years, and I can't comment on when we last inspected a specific fund group," says Gohlke.
But a manager trading almost exclusively with his own broker-dealer and one who has business relations with stocks owned by his fund would make inspectors "pay particularly close attention," he says.
Thieme acknowledges his unusual ways break fund-industry tradition. But the practices are disclosed in shareholder materials on file with the SEC, he points out.
From any angle, the small and famously erratic $6 million fund is an oddball. The average stock fund has more than 100 holdings and a turnover ratio -- the percentage of holdings that have changed in the past year -- of 89%, according to Morningstar.
American Heritage typically has about a dozen holdings, and almost all the fund's assets are invested in Senetek (SNTKY:Nasdaq ADR - news) and ADM Tronics (ADMT:Nasdaq - news), two obscure health care stocks. Despite such heavy concentration, the fund's turnover ratio topped 1,000% in each of the past two years because Thieme used 10% to 20% of the fund to daytrade, a practice he says he stopped last year.
Gohlke says inspectors might be interested in where Thieme went to do all that trading. The fund's most recent statement of additional information, or SAI, says in the year ended May 31, 1999, that 94% of the fund's brokerage commissions ($444,766) went to Thieme Securities, a broker-dealer owned and operated by the fund's manager.
"Funds do use related brokers, but it's unusual to be even in the 75% range. Anytime a fund has dealings with an affiliated entity like this broker-dealer, I think it catches the inspection staff's attention. I can't tell whether that's the case here," says Gohlke.
Gohlke says most funds pay between 4 to 6 cents per share for their trades. Thieme says his brokerage charges the fund about twice that amount. According to Gohlke, an SEC inspector might wonder whether the manager has considered using electronic communication networks, or ECNs, which could execute the fund's trades for about 2 pennies per share, despite what Thieme says are modest-sized orders.
And then there's the unusual relationship between Senetek, ADM Tronics, and Thieme Consulting, a business-consulting concern owned by Thieme that has advised Senetek for free and ADM Tronics in return for stock warrants, according to Thieme. Those warrants currently have no value, he says.
"I would say that's out of the ordinary. It's disclosed, that's a plus, but even then, most fund companies don't want to take on the appearance of conflict of interest," says Gohlke.
Most industry attorneys consulted on the fund's strange ways said full disclosure of these practices in the fund's prospectus and SAI could help Thieme avoid conflict-of-interest questions. But Gohlke is careful to point out that disclosure isn't a cure-all.
"Disclosure certainly helps, but it doesn't cure everything, because some things are prohibited," he says. For instance, managers generally aren't allowed to trade with their own brokerages when a better price and lower commission are available elsewhere.
He adds that a fund's prospectus isn't "approved" by the SEC. The agency merely reviews the document's disclosures to ensure it suits the agency's guidelines.
Compared to most boilerplate fund filings, American Heritage's is a page-turning thriller. Even Gohlke was intrigued, shyly asking the name of the fund in question at the end of an interview.

http://www.nasd.com/web/groups/enforcement/documents/monthly_disciplinary_actions/nasdw_015857.pdf
Firms and Individuals Fined
Thieme Securities, Inc. (CRD #38286, New York, New
York) and Heiko Helmut Thieme (CRD #828825,
Registered Principal, Stamford, Connecticut) submitted a
Letter of Acceptance, Waiver and Consent in which the firm
and Thieme were censured and fined $15,000 jointly and
severally. Without admitting or denying the allegations, the
respondents consented to the described sanctions and to
supervisory procedures reasonably designed to ensure its
research activities were conducted in compliance with NASD
rules. The findings also stated that the research reports the
firm disseminated failed to include the required analyst
certification from its research analyst. (NASD Case
#E8A20040071-01)
Und
http://www.rrbdlaw.com/RegulatoryLinks/CASESOFNOTE/NASD/2006.htm#Thieme
Thieme Securities, Inc. and Heiko Helmut Thieme (Principal)
AWC/E102004040401/January 2006
Acting through Thieme, the Firm
operated without a registered Financial and Operations Principal (FINOP) from February 2002 to September 2004; and
failed to develop an annual written training plan for Firm Element/Continuing Education requirement for 2000 to 2004; and
failed to maintain monthly bank reconciliations.
Thieme Securities and Heiko Helmut Thieme: Censured; Fined $15,000 (joint/several)
Freundliche Grüße

Michael Klassen

Gerd Kraemer
17.11.2006 | 00:14
Der Schaumschlaeger

So etwas von geistiger Tieffliegerei ist mir mein ganzes Leben noch nicht vorgekommen. Auch Fonds von Pioneer, DWS, DIT, Templeton, Top Ten usw. usw. haben teilweise bis zu 90% anfangs der 2000er Jahre verloren. Der Autor hat wohl nicht die "guts", sich mit diesen "Großen" anzulegen. Erbärmliches Zeugnis deutschen Journalismus'. Was immer mit American Heritage Fund passiert ist, steht in keinem Verhältnis zu den unzähligen Erfolgen, mit denen Herr Thieme hunderter anderer Investoren reich, sehr reich gemacht hatte. Ein richtiger Journalist, der recherchiert, findet heraus, dass die Sammelklage -die allein für den Bestandsverlust des Funds verantwortlich war, und nicht etwa ein Mismanagement- mit wehenden Fahnen abgewiesen wurde. Jedenfalls kaufe ich mir von heute an nur richtige Wirtschafts- und Börsenmagazine.

Herr Jürgen Cullmann
16.11.2006 | 14:11
Hat Capital das nötig?

Was hat Herr Thieme Herrn Jahn getan? Diese Frage muss man sich stellen, wenn man den aktuellen Capital-Bericht zu einem Mann liest, der sich als Persönlichkeit nichts ehrenrühriges hat zukommen lassen. Selbst wenn alles das, was Herr Jahn über Herrn Thieme schreibt, stimmen würde, hat dieser Bericht etwas mit qualifiziertem Wirtschaftsjournalismus zu tun? Ich meine nein. Was Sie hier veröffentlichen grenzt an Rufmord. Sie berichten von Dingen, die mehr als 2 Jahrzehnte zurück liegen. Was ist der Nutzen dieses Berichts, den ich als Leser davon habe? Tut mir leid, aber ich habe schon bessere Berichte im Capital gelesen. Kränkeln Sie vielleicht derart, wie Sie es in Ihrem Bericht Herrn Thieme zu unterstellen versuchen?

Michael Klassen
03.11.2006 | 06:19
Gott sei dank...

Guten Tag Herr Hechtfischer,
ich bin froh, dass ich das Thema beendet habe.
Viele Grüße
Michael Klassen

(Kommentare 1-4 von 4)

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Quelle: FMH-Finanzberatung
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 Quelle: vwd netsolutions GmbH
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