18.10.2006

Foto: Photocase.com

Sparbriefe

Wertvolle Briefe

von Robert Hirmer

Es muss nicht immer Börse sein. Auch für den Kauf klassischer Sparbriefe sprechen gute Gründe. Damit vermehren Zinsanleger in aller Ruhe und ohne Risiko ihr Geld.



Der smarte Anlageberater zieht die Stirn in Falten, Golf- oder Tennispartner schauen eher gelangweilt und auch am Stammtisch lässt sich mit ihm nicht punkten. Der klassische Sparbrief gilt als langweiliges Bankprodukt.

Glaubt man der Werbung, ist er auf keinen Fall die passende Geldanlage für Frau oder Mann von Welt: Weder in TV-Spots noch in Kundenjournalen der Banken tauchen die Traditionspapiere auf. Stattdessen preisen die Institute ihre neuesten Zertifikate und Fonds an. Grund hierfür könnte allerdings auch die deutlich höhere Marge sein, die Banken mit diesen Produkten vereinnahmen.



Doch wer statt auf Werbespots auf sein persönliches Umfeld schaut, wird ein anderes Phänomen kennen: Etliche Gutverdiener haben nach einem Arbeitstag von zehn bis zwölf Stunden weder Zeit noch Lust, sich mit komplizierten Zertifikaten, Aktienkennzahlen sowie Bondratings auseinanderzusetzen. Bleibt für solche Anleger nur das Tages- und Festgeldkonto?

Keineswegs. Sparbriefe sind durchaus attraktiv. „Mit den Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank stiegen auch ihre Renditen seit Ende 2005 kräftig an“, sagt Max Herbst, Chef der Frankfurter FMH-Finanzberatung. Derzeit bringen sie bei fünf Jahren Laufzeit bis zu 3,95 Prozent Rendite – 0,35 Prozentpunkte mehr als gleich lang laufende Bundesanleihen. Hinzu kommt der Kostenvorteil: Im Gegensatz zu börsengehandelten Bonds fallen bei Sparbriefen weder Depotgebühren noch Handelsspesen an. Nachteilig gegenüber Anleihen und Aktien ist dagegen die mangelnde Flexibilität. Anleger können ihre Sparbriefe nicht vor dem Ende der Laufzeit verkaufen. Deshalb eignen sie sich vor allem für Investments mit festem Zeithorizont. Beispielsweise die 25000 Euro, die Sohn oder Tochter in fünf Jahren als Starthilfe zum Studienbeginn bekommen sollen.

Um später enttäuschte Gesichter beim Nachwuchs zu vermeiden, sollten Anleger jedoch prüfen, wem sie ihr Geld anvertrauen. „Kein Kursrisiko und feste Zinszahlungen – mit solchen Argumenten gehen auch dubiose Anbieter direkt emittierter Inhaberschuldverschreibungen auf Kundenfang“, warnt Volker Pietsch, Vorstand des Deutschen Instituts für Anlegerschutz (Dias) in Berlin. „Besonders börsenskeptische Zeit-genossen werden da häufig leichtsinnig.“ Dass Gefahr auch außerhalb des Börsenparketts lauern kann, zeigen die Konkurs-verfahren der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig West und der DM Beteiligungen. Beide Unternehmen konnten trotz Warnungen von Verbraucherschützern und Medien Millionenbeträge mit ihren Anleihen einsammeln. „Was die Anleger von ihrem Geld wiedersehen, steht in den Sternen“, so Pietsch.

Bei großen Geschäftsbanken, Sparkassen und Volksbanken liegt das Kapital dagegen sicher. „Die lukrativsten Papiere stammen jedoch häufig von kleineren Instituten, Direktbanken und Bausparkassen“, erklärt Herbst. Auch hier brauchen Anleger keine Verluste zu fürchten – wenn das Institut Mitglied in einem Einlagensicherungsfonds ist. Bei den Offerten von Niederlassungen ausländischer Banken gilt dagegen häufig eine beschränkte staatliche Einlagensicherung.

Zahlen muss der Einlagensicherungsfonds bei Sparbriefen allerdings nur, wenn es sich bei der Anlage um eine Namensschuldverschreibung handelt. Nur diese Form der Anleihe ist neben Konten und Spareinlagen geschützt. „Bei einer Inhaberschuldverschreibung tragen dagegen die Anleihenkäufer das Ausfallrisiko allein“, warnt Dias-Chef Pietsch. Bei soliden Banken und überschaubarer Laufzeit stellt das jedoch keine ernst zu nehmende Gefahr dar.

Gegen den Kauf von Langläufern – mehr als zehn Jahre – spricht nicht nur das erhöhte Ausfallrisiko, sondern das aktuelle Zinsszenario: Die Mehrheit der Zinsexperten rechnet bis Ende 2006 mit steigenden Leitzinsen – bis auf 3,5 Prozent. Wer längerfristig investieren will, sollte zumindest einen Teil seines Kapitals noch liquide halten.

Mit zwei- bis dreijährigen Papieren können Investoren nicht viel verkehrt machen. Es sei denn, sie wählen eine steuerlich nachteilige Variante. Etwa einen thesaurierenden oder abgezinsten Sparbrief. Hier verrechnet der Fiskus den kompletten Zinsertrag mit dem Freibetrag des Tilgungsjahres. Bei der ausschüttenden Variante fahren Anleger, die ihren Freibetrag von derzeit 1370 Euro – für Ledige – noch nicht ausgenutzt haben, meist besser. Er reduziert sich im Jahr 2007 auf 750 Euro. Anders sieht die Rechnung aus, wenn der persönliche Steuersatz in den kommenden Jahren sinkt – etwa im Ruhestand.

Apropos Ruhestand: Mit mehreren Sparbriefen können sich Anleger auch einen eigenen Entnahmeplan bauen – und sich damit jedes Jahr eine neue Golf- oder Tennisausrüstung kaufen. Das sollte auch den smarten Berater beeindrucken.

Zinsanlagen in allen Varianten

Die Laufzeit sollten Anleger mit Bedacht wählen. Einmal angelegt, kommen sie bei Sparbriefen erst zum Schluss wieder an ihr Kapital. Die Wahl zwischen ausschüttender, thesaurierender oder abgezinster Variante hängt größtenteils von der steuerlichen Situation ab. Brutto bringt die thesaurierende wegen des Zinseszinseffekts am meisten. Manche Institute bieten als langfristige Zinsanlagen statt Namensschuldverschreibungen mehrjähriges Festgeld an – für Anleger spielt das keine Rolle. Individuelle Suchabfragen sind im Internet möglich:  www.capital.de/sparbriefe

 

© 2006 capital.de

Schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel


Ihre Meinung

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird nicht veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar


 
 
Capital - Suche
 
Alle Zinsen auf einen Blick
Wo Sie günstig finanzieren können und welche Anbieter Sparern die höchsten Renditen bieten.
ProduktMittel-
wert
Spanne
Baugeld (10 Jahre fest)3,22%2,75-3,95%
Tagesgeld (5.000 Euro)1,09%0,20-2,25%
Festgeld (12 Monate)1,30%0,50-2,50%
Sparbriefe (4 Jahre)1,62%0,65-3,00%
Girokonto (Dispo)11,21%6,00-13,99%
Ratenkredite (36 Monate)7,52%4,95-12,97%
Quelle: FMH-Finanzberatung
Marktinformationen

DAXTecDAXDowNAS
Chart
DAX TopsDiff %
Allianz
Volkswagen
Merck
Flops
Heidelberg
MAN
Henkel Vz.
DAX 6.090,78+0,11%
TecDAX 764,14+0,29%
MDAX 8.460,87-0,03%
DOW 10.320,10+0,49%
NASDAQ 1.840,58+1,13%
EUR/US 1,2814-0,10%
GOLD 1.248,50+0,16%
 Quelle: vwd netsolutions GmbH
Billigflieger-Vergleich
Daten vom: 03.09.2010 09:30
Top 5 - Preise Top 5 - Routen  
1. 25.00 EUR   BRE - STN
2. 25.00 EUR   NRN - STN
3. 29.00 EUR   TXL - MIL
4. 29.00 EUR   HAM - FRA
5. 34.99 EUR   CGN - GDN
Airline:
Preis:
Abflugort:
Flugziel:
Gefunden:
Flug am:

Zur Flugsuche 
 
Zum Thema
 Anleihen
 Fonds
 Zertifikate