"Höher, schneller, weiter" – das Motto beherrscht den Wettbewerb in der Wirtschaft und erst recht in der Geldanlage: "Den Markt zu schlagen" und "Outperformance zu erzielen" ist das Mindeste, was sich Profis und auch viele Privatanleger bei ihren Investments vornehmen. In einem solchen Umfeld nehmen sich Exchange Traded Funds (ETF), die lediglich ein Börsenbarometer wie den Dax abbilden, reichlich dröge aus. Kein Wunder, dass sie bei Renditejägern als langweilig gelten. Mit den realen Gewinnchancen haben solche Vorurteile jedoch wenig zu tun. Zum einen schlagen selbst erfahrene Börsenprofis nur selten langfristig einen Vergleichsindex. Zum anderen finden sich auch in der preiswerten ETF-Familie immer mehr Produkte, mit denen sich auch ausgefeilte Strategien umsetzen lassen – mitunter durchaus spekulativer Natur.
Von Langeweile kann also keine Rede sein. Zwar führen ETF selten die Ranglisten an, dafür enden sie aber auch kaum als Schlusslicht. Da diese Einsicht unter Profis aus Hedgefonds, Banken und Versicherungen zunehmend um sich greift, befindet sich der deutsche ETF-Markt kräftig im Aufschwung. Private Anleger sind beim Handel mit den Titeln dagegen noch die Ausnahme. "In Deutschland sorgen sie für etwa zehn Prozent des Umsatzes", sagt Thomas Meyer zu Drewer, Chef des deutschen ETF-Geschäfts bei Lyxor. Ändern wollen das nicht nur die Anbieter der Indexfonds. Auch Vermögensverwalter, die auf Honorarbasis arbeiten, machen vermehrt auf die kostengünstigen Indexfonds aufmerksam: "ETF sind für uns das wichtigste Investmentvehikel", sagt Christian Kreuser, Leiter Private Banking bei der Quirin Bank. "Wenn wir für eine gewünschte Anlagestrategie ein geeignetes Produkt finden, geben wir ETF gegenüber aktiv gemanagten Fonds und Zertifikaten den Vorzug." Wahlmöglichkeiten hat Kreuser inzwischen reichlich. Von Papieren auf Dax oder Dow über Emerging-Markets-, Länder-, Branchen- und Strategiefonds bis zu Geldmarkt-, Renten- und Rohstoffindex-ETF sind alle Anlageklassen vertreten. Allein in Deutschland kamen 2007 mehr als 100 neue ETF auf den Kurszettel. Insgesamt notieren in Frankfurt jetzt 274 Papiere. Der Neueinsteiger Deutsche Bank brachte gleich im ersten Jahr 49 ETF heraus und ist damit zum drittgrößten Emittenten aufgestiegen. Und im Dezember 2007 listete Invesco – bisher hauptsächlich durch klassische Fonds bekannt – elf ETF der Tochter Powershare. Auch der Fondsriese Deka steht in den Startlöchern. Das ETF-Geschäft wird in den kommenden Monaten blühen. „Wir erwarten für das Jahr 2008 eine weiter positive Marktentwicklung in Europa“, sagt Rainer Riess, Managing Director bei der Deutschen Börse. "Ein großer Teil der Neuemissionen wird einzelne Länder und Regionen abdecken, Anlagestrategien abbilden oder sich auf alternative Investments beziehen."
Vor allem die Mischung der Anlageklassen zählt
Fans von ETF setzen mit ihren Kaufentscheidungen vor allem auf eine optimale Verteilung des Vermögens – in der Fachsprache Asset-Allocation genannt – und nicht auf Prognosen zur Marktentwicklung. Die richtige Asset-Allocation sorgt nach etablierter Meinung für rund 80 Prozent des langfristigen Erfolgs. Das heißt, die Entscheidung, zehn Prozent des Vermögens von US-Aktien in deutsche Bluechips umzuschichten, hat wesentlich mehr Einfluss auf die Gesamtrendite eines Portfolios als die Auswahl individueller Aktien. Wer dieser Anlagephilosophie folgt, wird früher oder später vor allem bei den etablierten ETF auf Börsenbarometer wie MSCI World oder Dax landen. Die Indexfonds bilden einen Markt – etwa den Dax als Repräsentant deutscher Bluechips – möglichst genau und kostengünstig ab. Prinzipiell lassen sich stattdessen auch aktiv gemanagte Produkte einsetzen. Der Investor weiß hier aber nie exakt, in welche Titel wie viel von seinem Geld fließt. Möglich, dass der Manager auch Nebenwerte kauft oder aus Furcht vor Kursverlusten viel Barmittel hält. Schließlich muss sich sein Portfolio vom Gesamtmarkt unterscheiden, wenn er besser abschneiden will. Solche Strategien, die gern als Chance angepriesen werden, fassen institutionelle Anleger unter einem anderen Begriff zusammen: Managementrisiko. Für die Übernahme dieses Risikos erwarten Profis einen Mehrwert. "In den Hauptmärkten ist das nur schwer zu schaf- fen", sagt Meyer zu Drewer. Bei Nebenwerten haben die aktiven Manager seiner Meinung nach bessere Chancen. Solche Anlageklassen sollten im Portfolio jedoch nicht die Hauptrolle spielen, sondern nur als Beimischung dienen.




















