"Geld ist von fruchtbarer Natur. Denn Geld kann Geld zeugen. Und der Nachwuchs zeugt noch mehr." Das Wesen des Zinseszinses erkannte der amerikanische Erfinder und Politiker Benjamin Franklin bereits vor mehr als 200 Jahren. Doch im Wilden Westen profitierten nur wenige von diesem Effekt. Heute ist das anders: Bank- und Bausparpläne ermöglichen seit Jahrzehnten einen kontinuierlichen Vermögensaufbau. Die bessere Alternative sind aber Fondssparpläne. "Zunehmend erkennen die Bundesbürger, dass über einen langen Zeitraum mit Aktienfonds hohe Renditen möglich sind", erklärt Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands BVI. Seit der Jahrtausendwende nahm die Zahl deutscher Fondsbesitzer um rund 50 Prozent auf 16 Millionen zu.
Der Erfolg gibt ihnen recht: Fondssparen ist flexibler als Anlagepläne oder Versicherungen. Sparpläne können jederzeit eingerichtet, erhöht, gesenkt oder ausgesetzt werden – und erzielen im Regelfall bessere Renditen. Selbst bei kleineren Raten können über längere Zeiträume beeindruckende Vermögen aufgebaut werden. Wer in den vergangenen 30 Jahren monatlich 100 Euro in einen Rentenfonds steckte, besaß Ende 2007 eine Summe von rund 92.000 Euro. Bei gleicher Sparrate erwirtschafteten internationale Aktienfonds 140.000 Euro. Und mit deutschen Aktienfonds konnten sich Anleger sogar über ein Vermögen von knapp 203.000 Euro freuen. Bei eingezahlten 36.000 Euro ergibt sich daraus eine Rendite von 9,9 Prozent. Selbst bei einer zehnjährigen Sparzeit lag die Rendite bei 7,9 Prozent – trotz der extrem schwachen Börsenphase von März 2000 bis März 2003.
Anders als für Einmalanleger, die um die Jahrtausendwende einstiegen, wirkten sich die zwischenzeitlich dramatischen Kursverluste für Sparplananleger weniger gravierend aus. Das liegt am Cost-Average-Effekt: Wer monatlich einen festen Betrag investiert, erhält bei schwachen Börsen mehr Anteile für sein Geld, bei starken Märkten weniger. Wenn Anleger nicht just am Ende der Sparzeit von einer Baisse erwischt werden, schneiden sie daher mit Sparplänen besser ab als mit Einmalinvestments.
Im Einkauf liegt der Gewinn –auch bei Fondssparplänen
Kostenbewusste Anleger können den Ertrag sogar noch aufpeppen. Denn die Renditezahlen des BVI rechnen auch Ausgabeaufschläge ein. Über Jahrzehnte mussten deutsche Fondssparer diese Vertriebsgebühr mangels Alternative bezahlen. Sie liegt bei den meisten Aktienfonds bei fünf Prozent. Pfiffige Anleger aber beherzigen inzwischen das alte Händlergesetz: "Im Einkauf liegt der Gewinn." Bei Direktbanken sind die bekanntesten und besten Fonds in Sparplänen mit reduziertem Ausgabeaufschlag erhältlich. In der Regel beträgt der Abschlag 50 Prozent. Noch preiswerter geht es via Fondsvermittler. Hier können zahlreiche Erfolgsfonds ganz ohne Ausgabeaufschlag bespart werden. Und bei höheren Depotvolumen übernehmen die Vermittler auch noch die jährliche Depotgebühr.
Rechzeitig auf die neue Abgeltungssteuer einstellen
Eine Kröte jedoch müssen auch Sparplananleger schlucken. Ab 2009 mindert die neue Abgeltungssteuer die Rendite bei neu angesparten Investmentfondsanteilen. 25 Prozent des Wertzuwachses müssen Anleger künftig beim Verkauf ihrer neuen Anteile an den Fiskus abgeben. BVI-Hauptgeschäftsführer Seip bemühte sich wie viele Vertreter der Fondsbranche, dass Langfristsparer von der Steuerkeule verschont bleiben. Bisher vergeblich: "Aber trotz des schmerzlichen Abzugs lohnen sich Aktienfondssparpläne mit ihrer überdurchschnittlichen Rendite weiterhin", so Seip.
Lohnenswert kann unter den Bedingungen der Abgeltungssteuer aber eine Anpassung der Sparplanstrategie sein. Bisher konnten Anleger nach einem Jahr Gewinne steuerfrei kassieren. So waren auch kurzfristige Modethemen attraktiv. Ab 2009 wird bei jedem Umschichten Abgeltungssteuer fällig. Um die Zahlung möglichst lange gestundet zu bekommen, eignen sich eher Produkte, die mit geringen Risiken über lange Laufzeiten gehalten werden können. Neben den etablierten und langfristig erfolgreichen internationalen und europäischen Aktienfonds sind das vor allem neue Fondskonzepte.
Sogenannte Multi-Asset-Fonds kombinieren Aktien, Renten, Rohstoffe, Derivate, Private Equity oder Hedgefonds. Sie schichten je nach Marktlage in die aussichtsreichsten Anlageklassen um. Gewinne sind selbst dann möglich, wenn die Börsen nicht gut laufen. Bedingung: Die Manager setzen auf den richtigen Trend. Zudem müssen die meist höheren Fondsgebühren eingespielt werden.
Ähnliche Gebühren wie klassische Aktienfonds haben Target-Fonds, auch Lebenszyklusfonds genannt. "Bei Target-Fonds entscheiden sich Investoren für ein Laufzeitende – den Rest machen Fondsmanager", erklärt Michael Geier, Geschäftsführer bei ABN Amro Asset Management Deutschland. Sie mischen je nach Marktlage Aktien und Renten und schichten das Vermögen in Abhängigkeit von der Restlaufzeit um: Der Aktienanteil wird zum Ende der Laufzeit zugunsten risikoärmerer Anlagen gesenkt.
In den vergangenen Jahren legten nahezu alle Fondsgesellschaften Zielfonds auf, die teils bis über das Jahr 2050 hinausgehen. ABN Amro reicherte seine Produkte noch um eine Garantiekomponente an. Höchststände werden zum Laufzeitende garantiert – auch wenn der Preis für einen Fondsanteil später niedriger liegt. "Anleger können diesen Vorteil risikolos mitnehmen", sagt Geier: "Nach dem Kurseinbruch zu Jahresanfang liegen die Ausgabepreise unserer lang laufenden Zielfonds um bis zu 15 Prozent unter dem Garantieniveau."
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