10.12.2009
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In Dubai stehen viele Bauprojekte still.
In Dubai stehen viele Bauprojekte still.
Foto: Getty
Investor-Artikel

Zahlungsprobleme

Anleger bangen um Dubai-Fonds

von Renate Daum

Die angespannte finanzielle Lage im Emirat verunsichert derzeit auch Anleger geschlossener Fonds. Ob und wann Geld an sie fließt, ist ungewiss. Doch die Anbieter wollen nichts von Problemen wissen.

So schnell ändern sich die Zeiten. Noch im Oktober stellt Sole Invest per Bandenwerbung beim Qualifikationsspiel der Fußballnationalelf gegen Russland eine Toprendite in Aussicht. Errichtung und Betrieb eines Businesscenters in Dubai sollen 28 Prozent bringen – pro Jahr.

Mittlerweile ist die Website „auf unbestimmte Zeit“ vom Netz genommen. Mit den Zahlungsproblemen von Dubai World hat das nichts zu tun. Das fragwürdige Angebot ist ein Extremfall, aber nicht untypisch für Dubai-Investments. Probleme haben mehrere Anbieter schon seit längerer Zeit. Die jüngsten Turbulenzen um den Staatskonzern dürften die Lage verschlimmern, doch davon will kein Initiator etwas wissen.

ACI lockte Prominente

Das Emirat am Golf lockte mit seinem Drang zur Größe in den vergangenen Jahren Glücksritter und Spekulanten aller Art an. Anlegern in Deutschland wurden in der Regel unternehmerische Beteiligungen angeboten. Renommierte und alteingesessene Emissionshäuser hielten sich dabei auffällig zurück. Sie überließen das Feld jungen Initiatoren mit großem Marketingtalent. Ihre Verkaufsprospekte schmückten viele Hochglanzbilder von Wolkenkratzern im Wüstenstaat – fast alles drehte sich um Bauprojekte und Immobilien. Dafür ließ die Aussagekraft der Informationen häufig zu wünschen übrig. Schwächen machten Brancheninformationsdienste bei fast jedem Angebot aus. Ein Fonds, Dubai Invest, hatte zum Beispiel Verbindungen zum Immobilienkonzern First Real Estate, der unter merkwürdigen Umständen zusammenbrach.

Das hinderte Anleger aber nicht daran, den Initiatoren hohe Millionenbeträge anzuvertrauen. Marktführer Alternative Capital Invest (ACI) aus Gütersloh etwa legte ab 2004 sieben Fonds auf und bezifferte sein Gesamtinvestitionsvolumen auf mehr als 600 Mio. Euro. Prominente wie Boris Becker und Nicki Lauda ließen sich von ACI einspannen. Ziel war es, sich an Bauprojekten zu beteiligen und möglichst schon vor der Fertigstellung der Immobilien mit Gewinn auszusteigen.

Das funktionierte in der heißen Phase des Booms. Den ersten Fonds löste ACI noch erfolgreich auf. Auch bei Nummer II bis V schien alles in Butter. Rechtzeitig vor Auslaufen des für Anleger günstigen Doppelbesteuerungsabkommens der Bundesrepublik mit Dubai wurde noch ein Käufer gefunden. Der zahlt allerdings nicht. Ob und wann Geld an die Anleger fließt, ist ungewiss. Zwei von ihnen haben nun Klage eingereicht.

Außergewöhnliche Investitionschancen

Viele Bauprojekte in Dubai sind gestoppt. Wer auf reine Projektentwicklungen gesetzt hat, muss daher mit dem Schlimmsten rechnen. Dagegen verbreiten die Fonds, die sich auf die Bewirtschaftung fertiggestellter Immobilien spezialisiert haben, weiterhin Optimismus. Trend Capital aus Mainz musste im Februar zwar bekannt geben, dass sich die geplante Auflösung von Dubai-Fonds verzögern wird. Der Bau gehe aber weiter. Die Vermietung fertiger Objekte bringe Einnahmen, sodass man in Ruhe auf bessere Zeiten für einen Verkauf warten könne, teilte Chef Frank Simon mit.

Der Anbieter World of Fonds dagegen vermietet möblierte Wohnungen im oberen Preissegment. Andreas Bogdan, Vertriebsleiter des Initiators aus Fulda, zeigt sich zwar überrascht von der jüngsten Entwicklung, für seine Fonds erwartet er aber keine Probleme: „Im unwahrscheinlichsten Fall könnten die Mieten leicht zurückgehen“, sagte er. Wert legt er auf den Zusatz, dass sich „uns jetzt auch außergewöhnliche Investitionschancen“ böten. Das ist verständlich, schließlich versucht sein Haus derzeit, einen Fonds zu platzieren.

Das Stichwort Dubai ist nicht gerade das, was die ohnehin verunsicherten Anleger im Augenblick hören wollen. „Die Kunden haben zurzeit nur wenig Lust, in Dubai zu investieren“, erläutert Oskar Edler von Schickh, Geschäftsführer von Ventafonds aus Bremen. Das Emissionshaus hat zwei Fonds aufgelegt, die vom Immobilienhandel mit Wohnungen in dem Wüstenstaat profitieren sollen. Im ersten Fonds seien erste Objekte noch vor dem Platzen der Blase verkauft worden, der zweite, aufgelegt im Oktober 2008, habe sich rasch auf die neue Lage eingestellt und ab Januar notleidende Wohnungen in guten Lagen erworben. „Im Dezember werden wir die ersten wieder mit Gewinn verkaufen“, ist sich von Schickh sicher. Er geht nur von einer „Verschnaufpause“ der Wirtschaft in Dubai aus.


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