Vor Kurzem noch galt es als ausgemachte Sache: Öffentliche Schuldner sind unsichere Kantonisten, die wahren Werte liegen bei ertragsstarken Unternehmen mit gesunden Bilanzen. Dennoch sind die Aktienkurse im Sommer eingebrochen, und Bundesanleihen sind gefragter denn je. Sie werfen allerdings auch kaum mehr Renditen ab.
Warum also jetzt nicht das Beste aus beiden Welten suchen und auf Anleihen solider Unternehmen mit etwas höherer Verzinsung setzen? Eine Portion Optimismus gehört dazu, denn die Kurse der Firmenpapiere - im Fachjargon Corporate Bonds genannt - haben zuletzt ebenfalls gelitten. "Damit bieten sich jetzt aber wieder interessante Einstiegskurse und die Aussicht auf über der Verzinsung von Staatsanleihen liegende Renditen", sagt Stephan Ertz, Portfoliomanager Renten bei Union Investment.
Das Indexbarometer Merrill Lynch EMU Corporate für Euro-Anleihen von Unternehmen mit starker Bonität (Investment Grade) zeigt seit Anfang August einen Kursrückgang um drei Prozent an. Die Kehrseite dieser Entwicklung: deutlich höhere Renditen. Gegenüber Bundesanleihen etwa notiert der Markt derzeit einen Risikoaufschlag von 2,9 Prozentpunkten. Mit den Risiken der Lehman-Finanzkrise sind die fundamentalen Daten der Unternehmen heute allerdings nicht zu vergleichen. Sie haben ihre Schulden abgebaut und freuen sich dank guter Geschäfte noch immer über starke Liquiditätsflüsse. "Euro-Unternehmensanleihen bieten bei gleichzeitig besserer Kreditqualität höhere Renditen als vergleichbare Corporate Bonds in den USA", sagt Ertz.
In seinen Portfolios sind zurzeit Telekommunikationstitel und die Anleihen deutscher Automobilhersteller als stabilisierende Elemente übergewichtet. Allzu üppig sind die Verzinsungen allerdings nicht. Euro-Anleihen von
Daimler etwa rentieren bei fünf bis sechs Jahren Laufzeit derzeit mit etwas über drei Prozent jährlich.
Wer sich nur 24 oder 36 Monate binden will, bekommt etwas über zwei Prozent. "Das reicht gerade einmal zum Ausgleich der offiziellen Inflationsrate und liegt sogar unter der aktuellen Dividendenrendite der meisten DAX-Aktien", sagt Michael Hasenstab, Vorstand der Finanzberatungsgesellschaft Acon Group. Bei Anleihen ist allerdings auch das Kursrisiko geringer. "Wer es zusätzlich minimieren will, sollte auf kurzfristige Anleihen global agierender Konzerne mit starken Finanzstrukturen wie
Nestlé oder
Adidas setzen, die von der Entwicklung einzelner Regionen relativ unabhängig sind", sagt Hasenstab.





















