Griechenland und Portugal unter dem Euro-Rettungsschirm, Spanien und Italien hoch gefährdet. Schlechte Nachrichten nicht nur für Anleiheinvestoren, sondern auch für Anleger mit Solarfonds. Die Initiatoren investieren gern in Südeuropa, weil die Sonne dort nicht nur in diesem verregneten deutschen Sommer verlässlicher scheint als hierzulande. Grundlage der Kalkulationen sind staatlich geregelte Fördertarife für den Sonnenstrom. Nun scheint fraglich, wie lange die finanzschwachen Staaten die garantierten Vergütungen noch durchsetzen können. In Spanien werden Anleger schon zur Kasse gebeten. Italien bleibt aber attraktiv, versichern Anbieter und Marktkenner.
Der Sündenfall geschah ausgerechnet zu Weihnachten: Ende Dezember 2010 beschränkte Spanien die Zahl der abzurechnenden Sonnenstunden zahlreicher Solarkraftwerke und kappte damit faktisch den Vergütungssatz für Fotovoltaikstrom. Und zwar rückwirkend für viele bereits produzierende Anlagen. Ein Schock für deutsche Fondszeichner, sie verdienen nun zunächst weniger als geplant. "Das ist ärgerlich", räumt Markus Voigt ein, Geschäftsführer des Düsseldorfer Initiators Voigt & Collegen. "Allerdings ändert sich unter dem Strich für die Anleger kaum etwas, denn die Laufzeit der Tarife wurde um fünf Jahre verlängert."
Voigt geht nicht davon aus, dass der ebenfalls beliebte Solarstandort Italien Anleger mit ähnlichen Gesetzesänderungen überraschen wird. Das verwundert nicht, bietet er doch eine Beteiligung an Europas größtem Solarpark in Montalto nördlich von Rom an. Eine einleuchtende Erklärung für die Verlässlichkeit Italiens liefert Svenja Bartels, Solarexpertin beim Beratungsunternehmen Rödl & Partner: "Die Finanzierungssysteme unterscheiden sich grundlegend voneinander. In Spanien bezuschusst der Staat die Strompreise mit jährlich rund 5 Mrd. Euro. Er spart nun also tatsächlich zunächst Subventionen von geschätzten 200 Mio. Euro. In Italien dagegen wird der erhöhte Tarif für Strom aus erneuerbaren Energien ähnlich wie in Deutschland auf die Stromkunden umgelegt." Sollte Italien seine Tarife rückwirkend senken, würde der Staat weniger Steuern einnehmen - ein Minusgeschäft.
Italien bleibt weiterhin interessant
Für kommende Solaranlagen hat die Regierung Berlusconi die Vergütung dennoch gesenkt. Das Conto Energia ist ein kompliziertes Machwerk mit zahlreichen Ausnahmen und Sonderfällen. Grundsätzlich laufen die Tarife weiterhin 20 Jahre lang. Bis Ende 2012 setzen sie sich aus einem Fördertarif und dem Erlös aus dem tatsächlichen Stromverkauf zusammen. Ab 2013 gibt es dann nur noch eine eingleisige Einspeisevergütung analog zum deutschen System.
Während sich Investitionen in Frankreich bei Tarifen von 12 Cent je Kilowattstunde für Anbieter geschlossener Fonds nicht mehr lohnen, bleibt Italien weiterhin als Standort interessant - auch wenn die römische Gesetzgebung zunächst für Unruhe sorgte. So hatte der Hamburger Initiator Enrexa den Vertrieb seines Fonds Azzurro Uno Mitte März gestoppt. Eine Reaktion auf die Ankündigung Italiens, die Solarförderung neu zu regeln. Inzwischen hat das Emissionshaus seine Prospekte mit einem entsprechenden Nachtrag ausgestattet und die Platzierung wiederaufgenommen. Geschäftsführer André Wreth geht davon aus, die ursprünglich angestrebte Rendite auch unter geänderten Vorzeichen zu erreichen. "Die Preise für die Anlagenkomponenten sind gesunken", sagt er.
Tatsächlich gleichen die Verkäufer von Modulen und Wechselrichtern ihre Preise regelmäßig den sinkenden Tarifen an. Bei Solarfonds wird von hinten gerechnet, ausgehend von der angestrebten Rendite. Aus diesem Grund kostet die Hardware im schattigen Deutschland weniger als zum Beispiel in Sizilien, dem Standort mit den meisten Sonnenstunden Europas.
Warum kaufen die Fondsanbieter die Module nicht in Deutschland und transportieren sie nach Italien? "Die Hersteller verpflichten die Käufer, die Module nur an festgelegten Standorten aufzustellen", sagt Gert Waltenbauer, Geschäftsführer des Initiators KGAL. "Sonst drohen vertragliche Sanktionen und der Garantieverlust - ein K.-o.-Kriterium für jede Bank, die als Kreditgeber infrage käme."
Quelle: ftd
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