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03.01.2012
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Foto: Getty
Investor-Artikel

Schiffsfonds

Nacht über den Wassern

von Richard Haimann

Weil die Charterraten 2012 noch tiefer zu sinken drohen, steht vielen Schiffsfonds ein schweres Jahr bevor. Nicht nur der schwächer werdende Welthandel setzt den Reedereien zu - ihr Hauptproblem sind horrende Überkapazitäten.

Gleich zu Beginn des neuen Jahres spitzt sich die Situation für die krisengeplagten Schiffsfonds weiter zu. Im Zuge der Euro-Krise sind die Charterraten - also die Mietzinsen für Schiffe - in den vergangenen Monaten erneut stark eingebrochen. Viele Anleger maritimer Beteiligungsmodelle müssen deshalb weiterhin mit ausbleibenden Ausschüttungen oder sogar mit Nachschussforderungen der Emissionshäuser rechnen.

Der Harpex, ein Index, der die weltweite Preisentwicklung am Chartermarkt für Schiffe abbildet, ist kurz vor Weihnachten auf nur noch 400 Zähler gefallen und notiert damit 49,7 Prozent unter seinem langjährigen Mittel. Das vom Schiffsmakler Harper Petersen & Co in Hamburg erstellte Barometer misst die Preisentwicklung am Markt für Containerschiffe.

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Der Baltic Dry Index, der die Entwicklung der Frachtraten für Schüttgüter wie Eisenerz, Getreide und Kohle widerspiegelt, ist seit Oktober um 14,6 Prozent auf 1878 Zähler eingebrochen. Das entspricht einem Minus von 79,5 Prozent gegenüber dem Höchststand im Jahr 2007.

Die Verwerfungen am Schiffsmarkt begannen mit dem Einbruch im Welthandel im Jahr 2009 nach Ausbruch der Finanzkrise. Zwar zog die globale Konjunkturentwicklung 2010 wieder an und ließ die Charterraten steigen. Sie konnten jedoch nicht wieder an das Niveau des Jahres 2007 anknüpfen. Damals notierte der Baltic Dry Index in der Spitze bei 12.000 Punkten, der Harpex bei 1402 Zählern. Seit dem Tief in 2009 konnte der Harpex jedoch nur vorübergehend bis auf 890 Zähler steigen.

Die Charterraten wären auch ohne den zuletzt durch die Euro-Krise wieder rückläufigen Welthandel eingebrochen, sagt Christian Reuter, Schiffsmarktanalyst der HSH Nordbank. "Was den Markt immer tiefer in die Krise treibt, sind die zunehmenden Überkapazitäten." Reedereien und Fondsgesellschaften hätten während der Boomjahre bis 2007 viel zu viele neue Frachter und Tanker geordert, die nun nach und nach vom Stapel laufen. "Die Anzahl der Schiffe wächst deutlich stärker als das Frachtaufkommen und treibt die Reedereien in einen ruinösen Wettbewerb", sagt der Experte.


Was die Leser sagen

Apollo
04.01.2012 | 08:51
Verkäufer bei Banken...

Wahnsinn... und mir wollte ein Verkäufer von Comdirect Mitte 2008, exakt zu Beginn der Kreditkrise mit Nachdruck Schifffonds andrehen. Wir diskutierten mehrere Male darüber...er rief mich sogar an um mich zu überzeugen. Und das, obwohl ich deutlich klar gemacht hatte, dass ich nie im Leben in ein derart von der Konjunktur abhängiges und unflexibles Anlagevehikel investieren würde, wenn uns hohe Rückgänge in der Wirtschaft unmittelbar bevorstehen (darüber hinaus würde ich auch bei guter Wirtschaftslage um derart unflexible und schwer durchschaubare Beteiligungen einen Bogen machen). Mir war da schon klar, dass es keine schlechtere Anlage zu diesem Zeitpunkt gegeben hatte. Der Verkäufer argumentierte damit, dass man gerade in der Krise in beständige Dinge investieren müsse usw. Bei dieser Argumentation zieht sich mir heute noch der Magen zusammen... habe natürlich jeden Kontakt zu dem Verkäufer abgebrochen (den ich eigentlich nur wegen einer Versicherung aufgesucht hatte - in Gelddingen bin ich mit Erfolg mein eigener Berater). Dies ist wirklich ein sehr krasses, selbsterlebtes Beispiel von extremster Falschberatung und vielleicht sogar versuchter Abzocke.

(Kommentare 1-1 von 1)

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