Höhere Zinsen bei mehr Risiko, dafür bieten Festverzinsliche drei Stellschrauben: Entweder, man investiert in höher verzinste Papiere, die längere Laufzeiten aufweisen. Damit kauft man sich ein Zinsänderungsrisiko ein, da Langläufer bei steigenden Zinsen besonders stark leiden. Oder man kauft Anleihen schlechterer Schuldner, die ebenfalls höhere Zinsen bieten - um den Preis des höheren Ausfallrisikos. Der dritte Weg schließlich wäre: Man spekuliert in Ländern, in denen Gläubiger im Schnitt höhere Zinsen erhalten. Hier bedrohen dann Wechselkursverluste die höheren Fremdwährungsrenditen.
Das aktuelle Morningstar-Rating der Fonds, die das Geld ihrer Investoren ausschließlich in Schwellenländeranleihen anlegen, liefert Anschauungsmaterial für alle drei Strategien: Währungsrisiken gehen aus Sicht von Euro-Investoren alle Manager ein.
Denn entweder landet das Geld in Anleihen auf US-Dollar, der Weltleitwährung. Oder es steckt gar in Anleihen lokaler Währungen, was zusätzliche Schwankungen bewirkt. Bonitätsrisiken sind ebenfalls Teil aller Schwellenländer-Rentenfonds, weil Anleihen mit Topratingnoten in Asien, Südamerika, Afrika und Osteuropa gar nicht verfügbar sind.
Das Spiel mit unterschiedlich langen Laufzeiten schließlich beherrscht ohnehin jeder Rentenfondsmanager. Und in den vergangenen Jahren sorgte die Anlage in Langläufer sogar für hübsche Zusatzrenditen. Denn die Zinsen stiegen ja nicht, sondern sanken tendenziell weltweit.
Die herausragenden Renditen der vergangenen drei Jahre - die besten zehn Fonds im Vergleichsfeld legten jährlich wischen 17 und 23 Prozent zu - sind ein Ergebnis aller Faktoren. Wie ein zusätzlicher Hebel wirkte die Tatsache, dass Ende 2008 die Anleihemärkte am Boden lagen. Für Anleger, die damals eingestiegen sind, ist das Ergebnis überaus erfreulich. Allerdings ist nur schwer zu entschlüsseln, woher die größten Gewinne wirklich stammen. Und selbst wenn dies gelänge: Welche der Strategien künftig die meisten Früchte tragen wird, ließe sich daraus auch nicht ablesen.
Auch unter den Managern der Top-Fonds gehen die Meinungen in dieser Frage auseinander. So orientieren sich die Fonds mehrheitlich am Leitindex JPM EMBI Global Diversified, der als reiner Hartwährungsindex von US-Dollar-Anleihen dominiert wird. Die Fonds von Aberdeen, ACM Bernstein und Pictet sind fast reine Dollar-Investments. Andererseits hält der Fonds von Legg Mason 17 Prozent in Nicht-Dollar-Anleihen.
Hier liegen unter anderem Papiere auf brasilianische Real, mexikanische Peso, indonesische Rupie und auf den malaysischen Ringgit im Depot - vier Länder, die derzeit in fast allen Depots zu den Lieblingen zählen. Templeton geht noch offensiver vor und hat über die Hälfte des Kapitals in Schwellenländerwährungen investiert. Das Geld aus dem Dexia-Fonds wiederum steckt zu fast einem Drittel in Euro-Anleihen. Das vermindert aus Sicht hiesiger Anleger Wertschwankungen.
Einheitlicher verfahren die Manager beim Bonitätsmanagement: So stecken in den Fonds 40 bis 50 Prozent Schuldtitel des Ratings "BBB", einer Note, die noch als Investmentgrade durchgeht, also als nicht allzu spekulative Anlageform. Nur 15 bis 20 Prozent weisen die weitaus schwächere Rating-Note B auf.
Die Frage, wie viel Geld an solche riskanten Schuldner fließt, interessiert inzwischen nicht mehr nur Schwellenländer-Manager. So hofft Griechenland nach der Umschuldung auf die Ratingnote "B" - derzeit steht der Pleitestaat im "CCC"-Bereich, kurz vor dem Totalausfall. Und Portugal und Irland sind nur noch für "BBB"-Ratings gut.
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