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09.08.2011
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Für Bankentitel läuft es derzeit schlecht auf dem Parkett
Für Bankentitel läuft es derzeit schlecht auf dem Parkett
Foto: AP
Investor-Artikel

Problemsektor

Unsichere Bank

von Julia Groth

Die Aktien der Geldinstitute sind die Seismografen der Kapitalmärkte. Seit Jahresbeginn verzeichneten Banken wie Commerzbank, Deutscher Bank und BNP Paribas zweistellige Kursverluste. Diese Papiere und Branchenfonds sind derzeit allenfalls für abgebrühte Zocker geeignet.

Haben die Aktienmärkte Probleme, haben Bankentitel sie erst recht. Das sieht man derzeit etwa an der Aktie der Commerzbank: Seit sich die Schuldenkrise im Juli ausgeweitet hat, ist ihr Kurs um ein Drittel auf 2,06 Euro gefallen - seit Jahresbeginn beträgt das Kursminus sogar 54,3 Prozent. Bei der Deutschen Bank sieht es ebenfalls nicht gut aus: Das Institut musste seit Beginn des Jahres einen Kursverlust von 19,1 Prozent hinnehmen. "Banken befinden sich an den Nervenzellen des Finanzsystems", sagt Franz-Josef Leven, Direktor des Deutschen Aktieninstituts. "Gibt es Unruhe an den Märkten, sind Bankaktien die ersten Papiere, die darunter leiden."

Bankentitel sind also die Seismografen der Kapitalmärkte - und damit eins der ungünstigsten Investments, die Anleger jetzt gerade im Depot haben können. "Die Papiere bergen derzeit deutlich mehr Risiken als Chancen", sagt Alexandra Hartmann, Fondsmanagerin der bankenunabhängigen US-Investmentgesellschaft Fidelity. "Je nervöser der Markt ist, desto stärker schwanken die Kurse von Bankaktien." Und der gesamte Markt ist im Moment besonders nervös.

Die Situation für Bankentitel ist doppelt schwierig. Denn auf die Kurse der Papiere drücken nicht nur kurzfristige Schwierigkeiten. Auch mittel- und langfristig hat der Sektor an zahlreichen Problemen zu knabbern. Eines der drängendsten: die Bewertung der Geldhäuser. "Banken sind sehr schwer einzuschätzen. Man kann sie momentan nicht wie normale Unternehmen bewerten", sagt Alexander Stütz, Geschäftsführer der unabhängigen Vermögensverwaltung Portfolio Concept aus Köln. Banken haben in der Regel Staatsanleihen im Portfolio - wie viele von Pleitekandidaten stammen und wie sie aktuell zu bewerten sind, ist allerdings ungewiss. Überdies könnten einige Institute Liquiditätsengpässe bekommen, weil die Aktivität im Interbankenmarkt stark zurückgegangen ist. Das heißt, dass sich die Häuser untereinander nicht mehr so viel Geld leihen wie früher.

Mittelfristig müssen die europäischen Geldinstitute zudem schärfere Eigenkapitalvorschriften stemmen, die in der Branche unter dem Schlagwort Basel III bekannt sind. Und auf lange Sicht hängt die Geschäftsentwicklung an der Frage, ob und wie die europäische und amerikanische Schuldenkrise gelöst werden wird. Gerade nach der Herabstufung des US-Ratings durch die Agentur Standard & Poor's droht an dieser Stelle neues Ungemach. "Das Geschäft der Banken ist eng an die Schuldenkrise gekoppelt", sagt Fidelity-Managerin Hartmann. "Bevor dort keine Lösung in Sicht ist, ist ein Investment in Bankaktien eine sehr unsichere Sache."

Zwischen allen Risiken blitzen hin und wieder aber auch Chancen auf. "Es gibt gelegentlich kleine Rallys bei den Papieren", sagt Hartmann. Äußerst risikofreudige Anleger können versuchen, diese kurzen Aufwärtsschwünge mitzunehmen - freilich ein Spiel mit mehr als ungewissem Ausgang. Am stärksten profitierten Bankaktien in einer Zeit steten Wirtschaftswachstums, sagt Hartmann. "Sind die Bewertungen dann niedrig, können Investoren mit den Papieren unter Umständen viel Geld verdienen. Weil Banktitel quasi einen Hebel auf das Wirtschaftswachstum haben, laufen sie dann besonders gut." Zieht die Konjunktur an und laufen die Geschäfte der Unternehmen rund, bedeutet das für Kreditinstitute schließlich ein umso höheres Volumen an ausgereichten Krediten.


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