Um sechs Prozent ist die Konjunktur in den mittel-, ost- und südosteuropäischen Staaten 2009 eingebrochen - stärker als in vielen Kernländern der EU. "Im Aufholprozess zum EU-Durchschnitt haben die Länder fast ein Jahrzehnt verloren", sagt Vasily Astrov, Osteuropa-Experte beim Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Doch allmählich erholen sich die Volkswirtschaften. Eine aktuelle Studie des WIIW sagt für dieses Jahr einen Aufschwung von einem Prozent vorher. 2011 soll es mit der Konjunkturleistung um 2,5 Prozent nach oben gehen. Haupttriebfeder ist der Export ins "alte" Europa.
Eigentlich gute Aussichten für Anleger. Doch so einfach ist es nicht. Denn zwischen den Ländern wachsen die Unterschiede. Während einige die Krise abschütteln, verharren andere in der Rezession. Wie Bulgarien, aber auch wie Ungarn, das sich durch den Abbruch der Kreditgespräche mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ins Abseits manövriert hat. Ausländische Investoren ziehen Gelder ab, wie ein Blick auf den von der Wiener Börse berechneten Hungarian Traded Index (HTX) zeigt. Er sackt zwischen dem 16. und dem 19. Juli um rund zehn Prozent ab.
Die Nase vorn haben nach Ansicht des WIIW große Länder mit einem hohen Industrieanteil und einem flexiblen Wechselkurs - Kriterien, welche Polen allesamt erfüllt. Als einziges EU-Land ist Polen 2009 nicht in die Rezession gerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt legte um 1,7 Prozent zu. Für 2010 sagen Experten ein Wachstum von 2,7 Prozent voraus. Polen profitiert von der Abwertung des Zloty. Dadurch wurden die Ausfuhren in die Euro-Zone billiger. Exportlastige Firmen wie der Bergbaukonzern KGHM und das Mineralöl- und Tankstellenunternehmen PKN Orlen gelten als Hauptprofiteure.
Polnische Aktien sind - wie viele aus Osteuropa - an den deutschen Börsen jedoch nur schwer erhältlich. Zudem ist das Risiko ungleich höher als bei einem breit gestreuten Investment über mehrere Einzeltitel und Länder hinweg. Aktienfonds sind daher oft die sichere Wahl. Anleger sollten die Ländergewichtung aber genau überprüfen. So investiert etwa der 2,4 Milliarden Euro schwere Eastern Europe Fund von Baring zwar in alle Unternehmen mit Sitz oder überwiegender Geschäftstätigkeit in den europäischen Schwellenländern. Derzeit entfallen aber 80 Prozent des Vermögens auf Unternehmen aus Russland und der Türkei. Die hohe Gewichtung birgt Klumpenrisiken. Sowohl im Drei- als auch im Fünfjahresvergleich hat der Fonds nur unwesentlich besser abgeschnitten als der Vergleichsindex, der MSCI Emerging Markets Europe Index.






























