19.01.2010
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Investments in Rohstoffe wie Holz müssen nicht automatisch nachhaltig sein.
Investments in Rohstoffe wie Holz müssen nicht automatisch nachhaltig sein.
Foto: Getty

Nachhaltige Investments

Die Ethik-Lüge

von Dennis Kremer

Manche Produktanbieter gaukeln Anlegern vor, dass sich Moral und Moneten mühelos miteinander vereinbaren ließen. Doch die Wahrheit ist: Sie passen nur in den seltensten Fällen zusammen. Capital zeigt, wie Sie schwarze Schafe unter den nachhaltigen Geldanlagen enttarnen.

Es sind große Worte: Um Moral geht es, um Verantwortung und Frieden. Eine Sonntagsrede. "Geld ist nicht neutral", sagt Christoph Berndorff, Vorstandsvorsitzender der Pax-Bank, und es klingt, als stünde er auf einer Kanzel. Pastoral fährt der Chef der katholischen Kirchenbank fort: Wahrhaftigkeit, Transparenz, Fairness – das seien die Werte, die neben einer vernünftigen Rendite zählten.

Wahrhaftigkeit? Frieden? Fairness? Solche Worte fallen selten, wenn es um Geldanlage geht. Doch in Zeiten der Finanzkrise kommen mit einem Mal mehr und mehr Finanzprodukte auf den Markt, denen weder Anbieter noch Investoren früher eine Chance gegeben hätten. Meist Fonds, manchmal auch Zertifikate, und immer steht im Verkaufsprospekt oder am besten gleich im Namen das Modewort schlechthin: "Nachhaltigkeit", gern auch "Sustainability". Es suggeriert die geglückte Symbiose zwischen Moral und Moneten. Und das verkauft sich gut: Von Ende Dezember 2008 bis Ende September 2009 stieg das Volumen nachhaltig-ethischer Fonds um fast 40 Prozent. Nachhaltige Investments drängen mit Macht aus der Nische.

Das klingt einfach, ist es aber nicht. Das grundlegende Dilemma: Ein wirklich ethisch-nachhaltiges Investment gibt es nicht. Es gibt nur Annäherungen, bessere und schlechtere. Das fängt schon damit an, dass nirgendwo klar festgelegt ist, was als nachhaltig gelten darf: Umweltschutz, Klimaschutz, keine Waffen, keine Kinderarbeit – wo ist die Grenze? Zudem lässt sich oft nur schwer nachvollziehen, was im Einzelnen hinter einem als nachhaltig verkauften Fonds steht. Vor allem aber: Rendite und Risikostreuung sind allein mit der Beschränkung auf politisch ganz korrekte Unternehmen nicht zu machen. Und natürlich kommt es auch hier zum Etikettenschwindel von Anbietern, die nur so tun als ob.

Rüstungsaktien im Ethik-Portfolio

Einer, der ehrlich über die Schwierigkeiten ethischen Investierens spricht, ist Ingo Speich. Der Fondsmanager der Gesellschaft Union Investment, die viele ethisch-nachhaltige Fonds in Zusammenarbeit mit größeren kirchlichen Investoren auflegt, sagt: "Eine Geldanlage kann nicht zweifelsfrei zu 100 Prozent nachhaltig sein." Er weiß, wovon er spricht. Und das hat auch mit Pax-Bank-Chef Berndorff zu tun.

August 2009. Union Investment betreut alle Fonds der von Berndorff geführten Kirchenbank. In einem von ihnen fanden sich im Sommer plötzlich Aktien eines Rüstungs- und eines Tabakkonzerns. Das passte gar nicht zu Berndorffs Sonntagsrede. Zwar haben Pax-Bank und Union das Missgeschick längst wieder korrigiert, zwar besteht kein Zweifel an Berndorffs guten Absichten. Auch er räumt aber mittlerweile ein: "Geld und Moral miteinander in Einklang zu bringen gestaltet sich in einem immer größer werdenden Netz globaler Wirtschaftssysteme zunehmend schwieriger."

Fondsmanager Speich formuliert es deutlicher: "Es gibt Unschärfen, die wird man nicht ausräumen können." So lasse sich beispielsweise nie bis in die letzte Verästelung prüfen, ob ein Unternehmen nicht doch mit Alkohol Geld verdiene. Es reiche ja aus, wenn es in der Firmenkantine Bier verkaufe. Ein banales Beispiel, und doch zeigt es, dass sich Unternehmen nie vollständig durchleuchten lassen – egal, wie viele Analysten da dran sitzen.

Einheitliche Definition fehlt

Das Problem umgehen die Anbieter gern mit einer Hilfskonstruktion, der sogenannten Toleranzgrenze. Fünf Prozent ist der bei den meisten Gesellschaften übliche Wert. Die Kennzahl bedeutet: Ein Fondsmanager darf auch in Unternehmen investieren, die bis zu fünf Prozent ihres Umsatzes in einem Geschäftsfeld machen, das nach strengen ethischen Kriterien eigentlich zum Ausschluss führen müsste. Der Anleger kann sich darum nie ganz sicher sein, ob sein Geld nicht doch in einen Konzern fließt, der am Rande auch an Atomkraftwerken oder Rüstungsgeschäften verdient.

Und das ist noch nicht alles. Dass ethisch-nachhaltige Geldanlage nichts mit Waffenhandel oder Nuklearenergie zu tun haben sollte, leuchtet auf Anhieb ein. Doch welche Branchen gehören noch auf die schwarze Liste? Nicht nur, dass ethische Investments in Reinform nicht möglich sind. Es versteht auch jeder Anbieter etwas anderes darunter. "Eine einheitliche Definition des Begriffs Nachhaltigkeit gibt es nicht", sagt Jörg Weber, als Chefredakteur des Branchendiensts "Ecoreporter" mit allen Tricks der Gesellschaften vertraut. "Einige Anbieter schmücken sich gern mit dem Schlagwort, erklären aber nur sehr vage, was sie darunter verstehen."

Ob nun Absicht oder nicht: Das Definitionsproblem spielt den Investmenthäusern in die Hände. Sind zum Beispiel Klimafonds nachhaltig? Der Werbeprospekt von DWS für den Fonds DWS Klimawandel legt das nahe. Dort steht, er investiere in "saubere Technologien, Energieeffizienz und Umweltmanagement/Schadensbegrenzung". Trotzdem gehörte zeitweilig beispielsweise der Energiekonzern Eon zu den größten Positionen. Als Klimaschützer hat sich diese Firma bisher nicht hervorgetan. Sie findet sich neben dem Chemieriesen BASF und dem Pharmakonzern Bayer auch in einem neueren Zertifikat der Österreichischen Volksbank, dem Spar Garant Nachhaltigkeit CSR.


Was die Leser sagen

Gerd Junker
08.08.2011 | 10:27
Hinschauen lohnt

Natürlich ist es richtig, dass auch beim ethischen Investment gilt: kein System ist perfekt, nirgens gibt es die absolute Wahrheit.
Aber es ist ein bißchen zu einfach, wenn man sich nur zurück lehnt und sagt, bevor die Sache nicht 100% perfekt ist, macht man gar nichts.
Ethisches Investment tut auch dann viel Gutes, wenn es nur zu 98% ethisch ist. Es wirkt auch auf diesem Niveau.
Und es wirkt um ein vielfaches mehr, als wenn man von Anfang an ein Investment verwendet, das zu 0% nach ethischen Kriterien arbeitet.
Und in der Branche wird durchaus zwischen z.B. Themeninvestments und ethischen Investments unterschieden. Wer in Wasser investiert, kann das z.B. mit oder ohne ethischen Kriterien tun. Auf der Seite gruenesgeld24.de wird das z.B. in den Musterdepots damit unterschieden, dass alle Wassermusterdepots den Zusatz "Ethik" tragen, wenn auch ethische Kriterien angewendet werden.

B.Giertz
19.01.2010 | 09:24
Warum sind Waffen automatisch unethisch ?

Wenn eine Firma z.B. UNO-Truppen ausrüstet,
was ist daran moralisch verwerflich ?
Es gibt Wildhüter in Afrika, die teilweise immer noch mit alten Repetiergewehren ausgerüstet sind.
Woanders werden moderne Waffen verschrottet und immer wieder ein Medien-Peace Happening daraus gemacht ...
Das ist Verschwendung von Recourcen
und auf keinen Fall nachhaltig !
Aber daran sieht man, wie schwer es ist bei Investments eine genaue Trennungslinie zu ziehen.

(Kommentare 1-2 von 2)

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