Die Trends in der Investmentbranche lassen sich gut an dem Profil der neu aufgelegten Produkte ablesen. Gemessen daran sind derzeit Indexfonds, Ökoinvestments und Wohnimmobilienfonds gefragt. In vielen Fällen gehen die Innovationen jedoch an den Bedürfnissen der Anleger vorbei, und viele Investoren stehen ratlos vor einem Angebot aus mehr als 8000 Investmentfonds.
Im Interesse der Kunden sei das Überangebot nicht, meint Jan Altmann, Unternehmensberater bei 4asset-Management: "Gefragt sind in Zukunft Konzepte statt Themen. Es ist nicht angebracht, jedes Jahr ein neues Produktfeuerwerk abzubrennen." Seiner Ansicht nach gehören den vermögensverwaltenden Fonds die Zukunft, die geschickt und flexibel verschiedene Anlageklassen kombinieren. Und zwar nicht nur wegen der besseren Risikostreuung, sondern auch weil sich die Vergütungs- und Beratungsstrukturen ändern. "Die Honorarberatung wird kommen; wenn der Vertrieb das nicht will, wird es vielleicht staatlich verordnet. In die Richtung geht das von der britischen Finanzaufsicht geplante Verbot für Provisionen, die Berater von Fonds und Versicherungen bekommen", sagt Altmann.
Wenn der Vertrieb künftig weniger am Verkauf der Fonds verdient und sich die Provision stattdessen am Erfolg des Produkts bemisst, verliert das permanente Umschichten des Depots an Reiz. Für den Fall brauchen nach Ansicht Altmanns die Anlagegesellschaften gute Vermögensverwaltungsprodukte, die sie lange Zeit vernachlässigt hätten. Bis zu einer Renaissance solcher flexiblen Mischfonds ist es jedoch noch ein weiter Weg. Momentan geben am Markt beispielsweise Exchange-Traded Funds (ETFs) den Takt vor. "Der Gegentrend zum Indexwahn sind vermögensverwaltende Ansätze", prophezeit auch Volker Schilling von Greiff Capital und verweist auf die hohen Mittelzuflüsse beim Mischfonds von Carmignac.
Bei der Fondsauswahl sollten sich Anleger nicht vom Namen leiten lassen. "Der beliebte DWS Vermögensbildungsfonds I ist auch deshalb so gut verkauft worden, weil er so heißt. Aber das ist kein Vermögensbildungsfonds, sondern ein Aktienfonds", sagt Altmann, der den Vertrieb für die Enttäuschung der Anleger verantwortlich macht.
Vermögensbildung wünschen sich alle Anleger - und sind damit grundsätzlich offen für einen flexiblen Mischfonds. Im Idealfall variiert der Manager je nach Börsenlage zwischen Aktien, Anleihen und anderen Papieren. Flexibel agieren aber oft eher die unabhängigen Gesellschaften, die wegen ihres kleineren Angebots auch Investmentboutiquen heißen. In der Rangliste der besten Mischfonds finden sich Produkte von Édouard Carmignac und Jens Ehrhardt ganz oben. Die Konzepte unterscheiden sich dabei stark. Während der Carmignac Patrimoine mindestens 50 Prozent Anleihen hält und viel mit Derivaten arbeitet, wird der FMM-Fonds dynamischer gemanagt und häufig als Aktienfonds einsortiert. Im Extremfall können beide Portfoliomanager jedoch den Aktienanteil auf null zurückfahren. Andere erfolgreiche Mischfonds wie der Fidelity Euro Balanced arbeiten mit weniger flexiblen Aktienquoten zwischen 30 und 60 Prozent. Aber auch vorsichtige Investoren werden fündig - etwa beim Allianz Flexi Rentenfonds, der mindestens 70 Prozent Anleihen im Portfolio hat.
Fondslobby fordert weniger Steuern
Ein probater Weg zum Anlageerfolg führt über einen Sparplan mit regelmäßigen Raten. Damit die Anleger künftig vermehrt in einen Investmentfonds einzahlen, will sich der Branchenverband BVI für bessere Bedingungen für Fondssparpläne einsetzen, die sich mit Einführung der Abgeltungsteuer verschlechtert haben. "Es darf keine ungleichen Regeln geben für Produkte, die dem gleichen Zweck dienen", sagt BVI-Chef Stefan Seip. Seit 2009 werden beim Fondssparen die Kursgewinne mit 25 Prozent belastet.
Der Verband strebt eine Gleichstellung mit Lebensversicherung an. Erträge sollen während der Laufzeit unangetastet bleiben, nach zwölf Jahren Haltedauer und ab einem Lebensalter von 60 Jahren soll zudem nur die Hälfte des Gewinns steuerpflichtig sein - und zwar zum individuellen Tarif. Noch ist solch eine Erleichterung nicht in Sicht, Anleger sollten aber nicht bis zu einer Einigung warten. Gute vermögensverwaltende Fonds werfen trotz höherer Steuerbelastung mehr ab als Lebensversicherungen.
Ausgewählte vermögensverwaltende Fonds
Fonds |
ISIN |
Aktienquote in % |
Rendite* 15 Jahre in % |
Agio in % |
Gebühr in % |
|---|---|---|---|---|---|
Carmignac Patrimoine |
FR0010135103 |
0–50 |
10,1 |
4 |
1,5 |
FMM-Fonds |
DE0008478116 |
0–100 |
9,7 |
5 |
1,5 |
Fidelity Euro Balanced |
LU0052588471 |
30–60 |
7,4 |
5,25 |
1 |
UniRak |
DE0008491044 |
55–75 |
7,2 |
4 |
1,5 |
Allianz Flexi Rentenfonds |
DE0008471921 |
10–30 |
6,6 |
3,5 |
1,5 |
* per annum; Stand: 18. 12. 09; Quelle: Morningstar
Quelle: ftd
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