07.10.2009
Mikrofinanzinstitute, wie hier in China, haben sich etabliert - mittlerweile gibt es weltweit rund 10.000.
Mikrofinanzinstitute, wie hier in China, haben sich etabliert - mittlerweile gibt es weltweit rund 10.000.
Foto: Bloomberg

Mikrofinanzfonds

Großes Geschäft mit kleinem Geld

von Willi Weber

Mikrokredite sollen vor allem Kleinunternehmern in Entwicklungsländern helfen. Die darauf aufbauenden Fonds sind für Anleger hochinteressant - sie gelten als ethische Investments mit stabilen Renditen. Doch mit dem Zuspruch steigt das Ausfallrisiko.

Während die meisten Anlageklassen seit Ausbruch der Finanzmarktkrise erhebliche Verluste und signifikante Mittelabflüsse hinnehmen mussten, erfreuen sich Mikrofinanzfonds steigender Beliebtheit. So erhöhte sich der Nettoinventarwert des Dexia Micro-Credit Fund, eines der größten kommerziellen Fonds in diesem Segment, seit September 2008 um rund 35 Prozent auf knapp 521 Millionen Dollar. Auch Cécile Koller, Leiterin Research beim Schweizer Mirkofinanzfondsanbieter Responsability, zeigt sich zufrieden: "Für den bisherigen Verlauf 2009 sehen wir konstante Mittelzuflüsse."

Mikrofinanzanlagen haben sich zuletzt als überaus krisenfest erwiesen. So legte der vom Schweizer Finanzdienstleister Symbiotics berechnete Mikrofinanzindex SMX seit Anfang 2008 um knapp acht Prozent zu.

Die Minikredite sind eine Hilfe zur Selbsthilfe, indem sie Menschen aus vergleichsweise armen Regionen der Welt befähigen, ein Gewerbe zu starten und sich eine Existenz aufzubauen. Mittlerweile gibt es weltweit mehr als 10.000 Mikrofinanzinstitute. Schätzungen zufolge haben in den vergangenen 30 Jahren rund 500 Millionen Menschen Minikredite in Anspruch genommen. Weitere 1,5 Milliarden kämen laut einer Studie von Morgan Stanley als potenzielle Kunden infrage.

Was erstaunt, ist die Zahlungsmoral der Kreditnehmer: Rund 98 Prozent aller Mikrokredite werden nach Angaben der Vereinten Nationen zurückgezahlt. Die geringe Ausfallquote ist ein Grund, warum zunehmend kommerzielle Finanzkonzerne und westliche Investoren das Banking mit den Armen entdecken. In einer Studie geht die Deutsche Bank davon aus, dass sich das Anlagevolumen von institutionellen und privaten Investoren in diesem Bereich von 5,4 Milliarden Dollar im Jahr 2007 auf 20 Milliarden Dollar im Jahr 2015 erhöhen wird.

Doch wie passen Renditestreben und Armutsbekämpfung zusammen? Kritiker bemängeln, dass mit der zunehmenden Kommerzialisierung der sozialpolitische Anspruch verloren gehen könnte. Diese Gefahr sieht Koller nicht: "Wir brauchen verschiedene Ansätze der Armutsbekämpfung. Private Investitionen sind notwendig, da sich allein mit Spenden und klassischer Entwicklungshilfe die Armut nicht nachhaltig beseitigen lässt."

Stärkerer Wettbewerb

Gegen den Vorwurf, die Anbieter von Mikrokrediten würden mit Wucherzinsen arbeiten, wendet Sven Ulbrich, Geschäftsführer des Finanzdienstleisters Oaklet, ein: "Durch kommerzielle Anbieter erhöht sich der Wettbewerb, was die Zinsmargen drückt."

Trotz der wachsenden Nachfrage ist die Anzahl der für deutsche Privatanleger verfügbaren Mikrofinanzfonds noch sehr überschaubar. Außerdem sind die meisten Produkte wie der eingangs erwähnte Dexia Micro-Credit Fund oder der Global Microfinance von Responsability in Deutschland nicht zum öffentlichen Vertrieb zugelassen. Sie wurden in Luxemburg aufgelegt. Anlageziel der beiden Fonds ist es, eine Rendite zu erzielen, die mindestens ein bis zwei Prozentpunkte über den Geldmarktsätzen der Fondswährung liegen.

Eine relativ neue Möglichkeit, um sich als Privatanleger im Bereich Mikrofinanzen zu engagieren, kommt von Oaklet. Der Frankfurter Finanzproduktentwickler hat einen Mikrofinanzfonds, den Dual Return Fund Vision Microfinance, als Zertifikat verbrieft, das die Entwicklung des zugrunde liegenden Fonds eins zu eins abbildet. Bei dem unter dem Namen AIV Vision Microfinance erhältlichen Produkt ist das Emittentenrisiko ausgeschlossen, da die Mittel aus der Verbriefung als separiertes Teilvermögen gehalten werden. Angestrebt wird eine Rendite von vier bis sechs Prozent pro Jahr.

Mikrofinanz ist zweifelsohne ein interessantes Wachstumssegment mit hohem Diversifizierungsnutzen für das Depot. Doch das starke Interesse der Investoren birgt auch Gefahren: Um das reichlich vorhandene Kapital am Markt unterzubringen, könnte bei der Kreditvergabe nicht mehr genügend sorgfältig auf die Auswahl der Kreditnehmer geachtet werden mit der Folge, dass die Ausfallraten steigen.

Außerdem hat der starke Mittelzufluss dafür gesorgt, dass die Cash-Bestände in den Fonds stark angestiegen sind. Beide Punkte könnten zulasten der Renditen gehen. So mancher Marktbeobachter warnt bereits vor einer Mikrofinanzblase.


Quelle: ftd
© 2009 capital.de

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