Deutschlands Privatanleger trauen sich nach monatelangem Abwarten wieder Investments in geschlossene Fonds zu. Dies zeigen die Platzierungszahlen, die einige große Initiatoren in den vergangenen Tagen veröffentlicht haben. Das Angebot neuer Fonds bleibt auf absehbare Zeit allerdings gering, geht aus einer Analyse der Ratingagentur Feri hervor.
MPC Capital warb im ersten Halbjahr 103 Millionen Euro bei Anlegern ein, fast doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. "Die Trendwende ist eingeleitet", sagt MPC-Vorstandschef Axel Schroeder. In dieser Zahl sind aber 28 Millionen Euro aus Kapitalerhöhungen für notleidende Schiffsfonds eingerechnet, die Steigerung bei neuen Projekten fällt also geringer aus.

Der Münchner Initiator Real I.S. sammelte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 279 Millionen Euro ein, 57 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Hamburger Emissionshaus Nordcapital steigerte sein Platzierungsergebnis um 18 Prozent auf 124 Millionen Euro. Davon kamen etwa 11 Millionen Euro vier kapitalhungrigen Schiffsfonds zugute. Der zur Unicredit-Gruppe gehörende Anbieter Wealthcap warb rund 180 Millionen Euro ein, 5 Millionen Euro mehr als im ersten Halbjahr 2009.
Nur wenige Emissionshäuser äußern sich regelmäßig zum Platzierungsstand, daher geben die Zahlen bloß eine grobe Richtung vor. Für ein Anspringen des Geschäfts spricht aber auch, dass in den vergangenen Wochen eine Reihe geschlossener Fonds sehr schnell verkauft werden konnte - besonders, wenn der Mieter Sicherheit verspricht. So benötigte Real I.S. nur vier Wochen, um 44,6 Millionen Euro für ein an die Bezirksregierung Düsseldorf vermietetes Bürogebäude einzuwerben. Das Fondshaus Hamburg sammelte binnen zwei Monaten 29 Millionen Euro ein, die in das Bezirksrathaus Köln-Nippes investiert werden. Auch MPC vermeldete jüngst mit zwei Immobilienfonds schnelle Platzierungserfolge.
Solarfonds wachsen gegen den Trend
Die Zahl neuer Produkte dagegen schrumpft, was an der relativ langen Vorlaufzeit der Fonds liegt. Im Vorjahr hatten die Anbieter große Probleme, Kredite zu annehmbaren Konditionen zu erhalten - das schlägt sich jetzt auf das Neugeschäft nieder. Im ersten Halbjahr 2010 gestattete die Finanzaufsicht BaFin nur 104 neue Fonds mit einem prospektierten Eigenkapital von 2,3 Milliarden Euro, ein Viertel weniger als in der ersten Jahreshälfte 2009. "Wir sehen erwartungsgemäß eine Angebotsklemme bei Produkten, die derzeit von Anlegern stark nachgefragt werden", sagt Wolfgang Kubatzki, Leiter für geschlossene Beteiligungen bei Feri.
Gegen den Trend zulegen konnten Neue-Energien-Fonds. Auf Interesse stoßen vor allem Solarfonds, die dank der staatlich garantierten Einspeisevergütung gut planbare Renditen versprechen. Im ersten Halbjahr kamen 27 solcher Beteiligungsmodelle auf den Markt, mit denen 362,4 Millionen Euro eingesammelt werden sollen - 90 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Besonders groß war dagegen der Rückgang bei Schiffsbeteiligungen. Allerdings kamen im zweiten Quartal immerhin 14 neue Fonds an den Markt, nach nur drei Fonds im ersten Quartal. "Mit der sich langsam abzeichnenden Erholung auf den Schiffsmärkten gewinnen auch die Initiatoren wieder Vertrauen in die Schiffe", sagt Kubatzki. Nordcapital zum Beispiel plant für August einen Fonds, der in einen Massengutfrachter investiert. Eine solche Beteiligung hatten die Hamburger seit Herbst 2008 nicht mehr initiiert.
Quelle: ftd
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