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16.05.2011
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Hohe Zinsen sollten eigentlich für Freude sorgen - eigentlich
Hohe Zinsen sollten eigentlich für Freude sorgen - eigentlich
Foto: Getty
Investor-Artikel

Investmentfonds

Die Last steigender Renditen

von Sebastian Ertinger

Der Zinsanstieg im Euro-Raum spaltet die Zunft der Rentenfondsmanager. Sie bewegen sich auf schwierigem Terrain - und fliehen in Staatsanleihen von Schwellenländern.

Das Zinstief ist überstanden. Die Staaten der Euro-Zone haben nach Ansicht der Zentralbank EZB die gröbsten Untiefen der Finanzkrise hinter sich gelassen. Nun kehren die Währungshüter von ihrer extrem laxen Geldpolitik ab, reagieren auf steigende Inflationsraten und leiten damit eine Wende ihrer Politik ein. Das erste Mal seit 2008 erhöhten sie den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt.

Doch ob die EZB tatsächlich eine längere Runde an Zinserhöhungen eingeläutet hat oder es bei diesem einen Schritt belässt, ist äußerst umstritten. Diese Frage aber ist für Bondinvestoren entscheidend. Steigende Zinsen haben umfassende Auswirkungen auf die Rentenmärkte. Denn Investoren greifen zu neuen Papieren, die höhere Kupons bieten und stoßen Papiere mit niedrigerer Rendite ab. Das beschert den alten Bonds Kursverluste. Für den durchschnittlichen Privatanleger, der Anleihen bis zur Fälligkeit hält, mag das weniger dramatisch erscheinen. Doch Fondsmanager bekommen die Kursverluste in ihren Portfolios deutlich zu spüren - und damit auch die Eigner der Fonds. Die zogen zum Teil massiv Kapital aus Rentenfonds ab.

Auf diese Entwicklungen reagieren die Vermögensverwalter sehr unterschiedlich. Zwar kletterte die Teuerungsrate im Euro-Raum zuletzt über die Marke von zwei Prozent. Doch auf der anderen Seite erschwert ein steigendes Umfeld den strauchelnden Euro-Staaten wie Griechenland, Portugal und Irland die ohnehin schon schwierige Finanzierung der öffentlichen Haushalte. So rechnen manche Bondexperten angesichts der Gratwanderung der Währungshüter auf absehbare Zeit nicht mit einer weiteren Zinserhöhung. Einer ist Peter Huber, Fondsmanager und Gründer der Gesellschaft Starcapital.

Er sieht trotz steigender Preise für Rohstoffe keine akute Inflationsgefahr: "Im Gegensatz zu den meisten Investoren teilen wir diese Befürchtung nicht, sondern sehen im Gegenteil eher Deflationsgefahren. Die Geschichte lehrt, dass staatliche Schuldenkrisen fast immer zunächst in eine Deflation münden."

"Der übergeordnete Ausblick für die Weltwirtschaft bleibt trüb"

Eine ähnliche Richtung schlägt Andreas Busch, Analyst der Bondboutique Bantleon, ein. "Das Ende der expansiven Fiskalpolitik in vielen Wirtschaftszentren wirkt zunehmend wachstumsdämpfend", sagt Busch. "Der übergeordnete Ausblick für die Weltwirtschaft bleibt damit trüb." Damit werde auf längere Sicht die Risikoaversion der Anleger wieder zunehmen. "Auch wenn kurzfristig Staatsanleihen davon noch nicht profitieren werden - mittelfristig sollten sie von dieser Seite Rückenwind erhalten", folgert Busch.

Experten wie Huber und Busch zählen mit ihrer Meinung jedoch zu einer Minderheit. Laut einer Umfrage des Branchenverbands BVI rechnen fast drei Viertel der Fondsgesellschaften, dass die Teuerungsrate bis Ende des Jahres zwischen zwei und vier Prozent rangiert. Nur etwas mehr als ein Viertel der befragten volkswirtschaftlichen Abteilungen der Fondshäuser geht von einer geringen Geldentwertung aus.


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