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17.11.2011
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Foto: Getty
Investor-Artikel

Indexfonds

Im Zwielicht

von Julia Groth

Einfach, transparent, flexibel - damit haben Anbieter von Exchange-Traded Funds jahrelang erfolgreich geworben. Inzwischen stehen die passiven Produkte massiv in der Kritik.

Börsengehandelte Indexfonds (Exchange-Traded Funds, ETFs) haben eine rasante Entwicklung hinter sich. Im Laufe der vergangenen fünf Jahre ist das Volumen des europäischen ETF-Marktes von 70 auf 300 Mrd. Dollar gestiegen und hat sich damit mehr als verdreifacht. Auch die Zahl der Indexfonds ist deutlich gewachsen. Im Jahr 2006 konnten europäische Anleger noch zwischen 270 Fonds wählen, heute stehen ihnen fast fünfmal so viele Produkte zur Verfügung. Anbieter feiern diesen Boom als Erfolg - Aufsichtsbehörden sehen das indes etwas anders. Auch ihrer Einschätzung nach haben ETFs eine rasante Entwicklung hinter sich: Innerhalb von nur zehn Jahren vom Nischenprodukt zur Bedrohung für das globale Finanzsystem.

Indexfonds stehen am Scheideweg. Lange Zeit galten sie als einfache, transparente Produkte, hauptsächlich für institutionelle Investoren gedacht. Je stärker der Markt jedoch wächst, je mehr komplexe ETFs auf den Markt kommen und je mehr Privatanleger sich für das Anlageinstrument interessieren, desto stärker rücken die Fonds in den Fokus von Finanzwächtern. Die Frage ist, ob der ETF-Markt auf dieselbe Art weiterwachsen kann wie bisher. Oder ob Anbieter Zugeständnisse machen müssen, um das Vertrauen der Investoren in die Anlagegattung aufrecht zu erhalten. "Es ist ein Regelwerk nötig, das sicherstellt, dass ETFs für Anleger keine unerwarteten Risiken bereithalten", urteilt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Vom Geheimtipp zum Anlegerliebling

 

ANGEBOT Galten ETFs hierzulande vor elf Jahren nur als Geheimtipp für informierte Investoren, so erfreuen sich die passiven Produkte aktuell inzwischen sogar größerer Zufl üsse als aktiv gemanagte Fonds. Immer mehr Anbieter drängen auf den Markt und legen entsprechend viele neue Produkte auf.

NACHFRAGE Ob Lehman-Pleite oder Schuldenkrise, ob Hausse oder Baisse an den internationalen Börsen – ETFs erfreuen sich dank niedriger Kosten und der Flexibilität europaweit großer Beliebtheit. Die jüngste Wachstumsdelle ist einzig den starken Kursrückgängen an den Finanzmärkten geschuldet.

Im laufenden Jahr mussten ETFs besonders viel Kritik über sich ergehen lassen. Erst sorgte sich der internationale Finanzstabilitätsrat (FSB) im Frühjahr darum, dass der ETF-Boom den Markt habe intransparent werden lassen. "Es gibt beunruhigende Entwicklungen in einigen Marktsegmenten, die eine genaue Prüfung verlangen", heißt es in einem FSB-Bericht. Das Gremium sieht insbesondere Swap-ETFs kritisch, welche die Papiere aus ihrem zugrundeliegenden Index nicht eins zu eins nachkaufen, sondern die Indexentwicklung mit Hilfe eines Korbs aus Derivaten künstlich nachbilden. Die zunehmende Popularität synthetischer ETFs könne in Krisensituationen zu Liquiditätsengpässen am Markt führen, heißt es im Bericht.

IWF warnt vor systemrelevanten Risiken

Ähnliche Befürchtungen hegt man beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS). Die Beliebtheit von Swap-ETFs bei europäischen Anbietern könne im Krisenfall zum systemrelevanten Risiko werden, heißt es dort. Dieser Einschätzung schlossen sich im Sommer die australischen Finanzwächter der Australian Securities and Investments Commission (ASIC) sowie der britischen Finanzaufsicht FSA an. Kürzlich folgte auch die Investmentgesellschaft Fidelity: Sie kritisierte in einem Schreiben an die EU-Aufsichtsbehörde ESMA, dass europäische Anbieter mit synthetischen ETFs Bilanzrisiken an Anleger auslagerten.

Die Kritik trifft nahezu alle Anbieter auf dem deutschen Markt. Denn selbst jene, die traditionell auf vollreplizierende ETFs setzen, welche die Papiere ihres Index tatsächlich enthalten, haben diesen Grundsatz in den vergangenen Jahren aufgeweicht. Im vergangenen Jahr legten Credit Suisse und die Sparkassentochter ETFLab erstmals synthetische Indexfonds auf, Marktführer iShares schloss sich kurze Zeit später an. Die Begründung: Einzelne Märkte oder Anlageklassen ließen sich aufgrund geringer Liquidität oder anderer Einschränkungen kaum physisch abbilden.

Nachvollziehen kann die Branche die Kritik indes nur begrenzt. Die Finanzwächter hätten die Falschen im Visier, heißt es von Anbieterseite. "Eine grundlegende Diskussion über den Einsatz von Derivaten in Fonds wäre nachvollziehbarer als eine Diskussion über Swap-ETFs", sagt Thorsten Michalik, Chef von DB X-Trackers. Die Deutsche-Bank-Tochter setzt, wie etwa auch die Société-Générale-Tochter Lyxor, schon lange auf synthetische Indexfonds. Und bemüht sich dabei, wie auch der Rest der Branche, seit einiger Zeit besonders stark um Sicherheit und Transparenz. So sind etwa Swap-ETFs von DB X-Trackers in der Regel überbesichert. Der Anbieter veröffentlicht täglich für jeden Fonds, wie hoch er besichert ist und woraus die Sicherheiten bestehen. "Unsere Kunden bringen Swap-ETFs nach wie vor Vertrauen entgehen", ist Michalik überzeugt.

Konkurrent iShares geht ähnlich vor. Auch dort sind die wenigen Swap-ETFs überbesichert und die gehaltenen Positionen transparent. Mehrere unabhängige Swap-Partner sollen darüber hinaus das sogenannte Kontrahentenrisiko minimieren, das Risiko also, dass Swap-Partner pleitegehen und ihre Derivate ausfallen. "Physische und Swap-basierte ETFs müssen dieselben Transparenzstandards erfüllen", sagt iShares-Sprecher Marc Bubeck.

Bei Lyxor bemüht man sich ebenfalls darum, Anlegern Sicherheit zu bieten: Dort will man das Kontrahentenrisiko reduzieren, indem der Swap-Anteil jedes Indexfonds seit kurzem jeden Tag auf null zurückgefahren wird. So ist das Risiko zum Schlusskurs eines jeden Handelstages ausgeschaltet und wird dann jeden Tag aufs Neue eingegangen. Ginge ein Swap-Partner über Nacht pleite, würde sich das also nicht auf die Fonds auswirken. Das Risiko synthetischer und physischer ETFs sei aber ohnehin oft vergleichbar, ließ Lyxor-Vorstand Alain Dubois kürzlich in einem Interview verlauten. Zumindest, wenn Anbieter eines vollreplizierenden ETF die Papiere im Fonds gegen Gebühr weiterverliehen, also eine sogenannte Wertpapierleihe vornehmen. In diesem Fall sei das Ausfallrisiko beider ETF-Arten ähnlich.

GLOSSAR

ETF Das Kürzel steht für Exchange-Traded Funds. Beim Kauf dieser börsengehandelten Indexfonds entfällt anders als bei aktiv gemanagten Investmentfonds der Ausgabeaufschlag, dafür sind (üblicherweise deutlich geringere) Transaktionsgebühren an den Broker beziehungsweise an die Bank zu entrichten.

SWAP Das bedeutet übersetzt Tauschgeschäft. Bei Swap-basierten ETFs kauft der Fondsanbieter nicht die im Fonds enthaltenen Basiswerte, sondern andere. Über ein Tauschgeschäft mit einem Partner sichert er die Indexperformance ab.

NAV Der Net Asset Value – zu deutsch Nettoinventarwert – ist eine wichtige Größe bei ETFs. Entwickelt sich der Fonds identisch mit dem Index, entspricht der NAV dem Indexwert.


Was die Leser sagen

rs-depot.de
17.11.2011 | 14:48
Den gemangten Fonds laufen die Kunden davon - zu Recht !

Die klassischen gemanagten Fonds haben wegen Erfolglosigkeit ausgedient, das dokumentieren weltweite Studien schon seit Jahren. Mit den entsprechenden Indexfonds (ETF's) liegt man bedeutend besser, deshalb wird auch weiterhin die Nachfrage anziehen.
Wer das Swap-Risiko ausschließen will, das ohnehin nur max. 10% des ETF betrifft, kann replizierende ETF's (ohen Swaps)wählen. Kein Problem.

(Kommentare 1-1 von 1)

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Quelle: FMH-Finanzberatung
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