Es gibt ihn noch, den Boom. Mit dreistelligen Wachstumsraten. Mit Kunden, die den neusten Angeboten nachjagen. Mit Trittbrettfahrern, die ihre Me-too-Produkte anpreisen. Mitten in der größten Schuldenkrise der Nachkriegsgeschichte kennt das Geschäft mit geschlossenen Solarfonds nur eine Richtung: nach oben.
Die Anbieter bringen eine Neuemission nach der anderen auf den Markt. Beispiel Wealthcap: Anleger, die den ersten Solarfonds der HypoVereinsbank-Tochter zeichnen, beteiligen sich am drittgrößten Fotovoltaikkraftwerk der Welt im brandenburgischen Lieberose. Beispiel Nordcapital: Wer auf den neuen Fonds dieses Initiators setzt, erwirbt einen Anteil am zweitgrößten Solarpark im bayerischen Straßkirchen. Auch Voigt & Collegen, KGAL und White Owl Capital kommen mit immer neuen Offerten.

Allein im ersten Quartal 2010 wurden geschlossene Energiefonds mit einem Investitionsvolumen von 200 Millionen Euro aufgelegt. Ein Plus von 165 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, meldet die Ratingagentur Feri. Und das, obwohl der Markt für Beteiligungen insgesamt weiter schrumpft. Das Sonderwachstum im Energiesegment geht fast ausschließlich auf Solarfonds zurück.
Markttreiber ist die Politik. Mit der Einspeisevergütung für Solarstrom in Deutschland, garantiert für 20 Jahre, hat sie die Euphorie angefacht. Mehr und mehr in den Fokus der Investoren rückt Südeuropa. Auch dort gibt es hohe Fördersätze – und mehr Sonne. Vom Mittelmeer bis zur Nordsee ziehen die Initiatoren Solarparks hoch.
Dank der Vergütung sind die Renditen der Fonds gut kalkulierbar. "Wenn der Anbieter konservativ rechnet, ist das ein ziemlich sicheres Geschäft", sagt Torsten Henzelmann, Spezialist für erneuerbare Energien bei der Unternehmensberatung Roland Berger. Mit 5000 bis 20.000 Euro Mindesteinsatz plus Agio sprechen die Fonds vor allem vermögende Privatanleger an. Die suchen in der Finanzkrise dringend nach Investments, die stabile Erträge versprechen, und greifen zu.
"Stabile Zahlungsströme", "unermessliches Potenzial" der Sonne, "keine ökologischen Nachteile" – mit solchen Sprüchen trommeln Initiatoren zum Einstieg. Gelogen ist das nicht, aber es schützt auch nicht vor bösen Überraschungen. "Anleger sollten auf erfahrene Gesellschaften setzen", rät Henzelmann. Denn die Euphorie lockt Glücksritter an, die den schnellen Euro wittern. Aktuell stehen rund 20 Beteiligungen zur Wahl. Capital hat sie geprüft und stellt drei aussichtsreiche Fonds vor.
Rendite nach Sonnentagen
Zündstoff steckt nicht nur im Boden wie beim ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberose, der erst entgiftet werden musste, sondern häufig auch in den Prognosen der oft 150 Seiten starken Verkaufsprospekte.
Mahnmal in dieser Hinsicht ist die Erfahrung mit den Windkraftfonds. Nach zehn Jahren ist deren Bilanz ernüchternd. "Kaum ein Anbieter konnte seine Renditeversprechen einlösen", sagt Robert Borm, Analyst bei der Ratingagentur Scope. Zu wenig Wind und zu hohe Wartungskosten verhagelten die Bilanzen.
Die noch jungen Solarfonds schlagen sich dagegen bislang hervorragend. Von "sehr guten ersten Ergebnissen" spricht Borm. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) fand heraus, dass die Stromerträge großer Anlagen jährlich um vier bis fünf Prozent über den Erwartungen lagen. Der Grund: Seit 2005 scheint die Sonne stärker als im langfristigen Schnitt. Borm warnt deshalb davor, dass "einige Ertragsgutachter die hohen Erlöse in die Zukunft fortschreiben". Seriöse Vorhersagen sollten zumindest in Deutschland auf Wetterdaten der vergangenen 20 bis 30 Jahre beruhen und sich auf mindestens zwei namhafte Prüfer wie ISE oder Meteocontrol stützen.
In Sachen Kosten lohnt sich ebenfalls eine genaue Prüfung. Scope ermittelte, dass 2009 bei Energiefonds im Schnitt fast jeder fünfte Euro in nicht Rendite bringende Posten wie Gutachter oder Vertrieb floss. Nur bei Schiffsfonds war der Anteil dieser sogenannten Weichkosten höher. Beim Solarfonds Soles 22 des Düsseldorfer Emissionshauses Voigt & Collegen sogar rund 25 Prozent. Geschäftsführer Markus Voigt verteidigt die Marge: "Wir haben eine große Expertise beim Auswählen geeigneter Standorte in Südeuropa, das lassen wir uns bezahlen."































