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20.12.2011
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Foto: dpa-PA
Investor-Artikel

Geschlossene Fonds

Ach, du lieber Schrott

von Richard Haimann

Am Zweitmarkt haben Anleger die Chance, Anteile an geschlossenen Fonds abzustoßen. Doch die meisten bleiben darauf sitzen, weil sich kaum jemand für die Ramschpapiere interessiert.

Geschlossene Fonds in Schieflage werden an Zweitmarktplattformen kaum nachgefragt - und allenfalls noch mit horrenden Preisabschlägen gehandelt. Das geht aus den jüngsten Marktberichten der Deutschen Zweitmarkt und der von den Börsen Hamburg, Hannover und München betriebenen Fondsbörse Deutschland hervor. Danach konnten Anteile einzelner Fonds nur mit Abschlägen von 99 Prozent auf den ursprünglichen Wert losgeschlagen werden. "Um auszusteigen, mussten die Anleger ihre Anteile quasi verschenken", sagt Peter Lischke, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Berlin.

Die Zahlen bestätigen die Warnung von Verbraucherschützern, dass Anleger schlecht performender Beteiligungsmodelle nur geringe Chancen haben, vorzeitig aus den fehlgeschlagenen Investments auszusteigen. "Kaum jemand will Schrott kaufen", sagt Niels Nauhauser, Anlageexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Nur sehr wenige Schnäppchenjäger seien bereit, Anteile in Schieflage geratener Fonds zu erwerben. "Zur Risikokompensation fordern sie dann aber extrem hohe Abschläge", sagt Nauhauser.

Geschlossene Fonds investieren größtenteils in Immobilien, Schiffe, Solar- und Windkraftanlagen. Bei der Zeichnung gehen Anleger eine unternehmerische Beteiligung ein. Sie verpflichten sich, bis zum Verkauf der Vermögenswerte und der anschließenden Auflösung des Fonds ihr Kapital darin zu belassen. Die Laufzeit beträgt dabei in der Regel mehr als zehn Jahre. Lediglich über die beiden Zweitmarktplattformen sowie über interne Handelsplätze einzelner Emissionshäuser können Anteile vorzeitig veräußert werden - wenn sich denn ein Käufer findet.

Das ist selten genug der Fall. Nach Berechnungen von Feri Eurorating wurden in den Jahren 2000 bis 2010 zwar geschlossene Fonds mit einem Gesamtvolumen von 218,2 Mrd. Euro aufgelegt. Hingegen wechselten an allen Zweitmarkthandelsplattformen nach einer Erhebung der Deutschen Zweitmarkt in den ersten zehn Monaten dieses Jahres lediglich Anteile im Nominalwert von rund 190 Mio. Euro den Besitzer. Das entspricht nur rund 0,1 Prozent des Gesamtvolumens der in den vergangenen Jahren aufgelegten Fonds. "Das Handelsvolumen am Zweitmarkt ist so gering, dass Anleger nicht ernsthaft darauf setzen können, sich vorzeitig von Beteiligungsmodellen zu trennen", sagt Verbraucherschützer Lischke.


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