Gleichwohl halten die meisten Experten weitere Finanzspritzen für nötig, da die Folgen einer Umschuldung Griechenlands zum jetzigen Zeitpunkt unkalkulierbar sind.
Das ist eines der zentralen Ergebnisse der aktuellen Fondsmanagerumfrage. Einmal pro Quartal befragt die Financial Times Deutschland Strategen der Investmenthäuser nach ihren Anlageentscheidungen und Markteinschätzungen. An der aktuellen Umfrage haben sich zwölf Fondsanbieter beteiligt, die weltweit ein Vermögen von rund 2600 Mrd. Euro verwalten.
Die Position der Strategen deckt sich mit den Einschätzungen führender Ökonomen. Sie glauben nicht mehr daran, dass Griechenland aus eigener Kraft seine Verbindlichkeiten tilgen kann. Die Schulden summieren sich inzwischen auf 143 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Trotz aller Sparanstrengungen dürfte die Quote bis Ende dieses Jahres auf rund 157 Prozent steigen. Selbst Commerzbank-Chef Martin Blessing hält einen teilweisen Forderungsverzicht der Gläubiger für unverzichtbar.
Ungeachtet der wachsenden Zweifel planen die EU-Länder ein zweites Hilfspaket bis 2014 im Umfang von 120 Mrd. Euro, an dem sich auch die privaten Gläubiger beteiligen sollen. Experten halten die Hilfen zum jetzigen Zeitpunkt dennoch für sinnvoll. "Das Problem der griechischen Staatsschulden ist mit dem Sparpaket nicht abschließend gelöst. Vielmehr kauft man Zeit, um nach Möglichkeit ein Übergreifen der Verschuldungskrise auf weitere Peripheriestaaten zu vermeiden", sagt Peter Reichel, Stratege von Berenberg Asset Management.
Die Folgen eines Dominoeffekts sind kaum vorauszusehen
Die größte Sorge der Investoren gilt dem Überschwappen der Schuldenkrise auf andere Euro-Länder. "Würde man Griechenland isoliert betrachten, wäre ein Schuldenschnitt, den wir in einer Größenordnung von etwa 45 Prozent vorhersehen, nach derzeitigen Kenntnissen für den europäischen Finanzsektor außerhalb Griechenlands verkraftbar. Der Knackpunkt sind die Ansteckungsrisiken für Portugal, Irland und nun auch zunehmend Spanien und Italien", sagt Stefan Rondorf von RCM Allianz Global Investors. Gleicher Ansicht ist Nunzia Thiriot, Deutschland-Chefin von KBC Asset Management: "Wir halten einen Schuldenschnitt für die Finanzwirtschaft trotz der zu erwartenden Verwerfungen am Kreditmarkt für verkraftbar." Die Folgen eines Dominoeffekts seien dagegen kaum vorauszusehen.
Nach Auffassung von Patrick Moonen, Chefaktienstratege von ING Investment Management, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein, ehe es zu einer Umschuldung Griechenlands kommen darf: "Der Banksektor muss einerseits stark genug sein, um die Verluste abfangen zu können. Und darüber hinaus muss sich Spanien positiv von Griechenland abgrenzen, um eine Ansteckung zu vermeiden." Denn sollte das Land auch Hilfen der Euro-Länder benötigen, würden die bestehenden Rettungsfonds an ihre Grenzen stoßen. Spanien hat Anleihen von rund 420 Mrd. Euro ausstehen.






















