20.08.2009
Allianz Global Investors will bis Jahresende 109 Fonds streichen.
Allianz Global Investors will bis Jahresende 109 Fonds streichen.

Fondsanbieter

Deutsche Fonds misten aus

von Elisabeth Atzler (Frankfurt)

Die Finanzkrise ist für die Fondsgesellschaften eine Katastrophe: Deutsche Privatanleger zogen einen zweistelligen Milliardenbetrag ab. Die Deutsche-Bank-Tochter DWS und Allianz Global Investors reagieren mit Schließungen und Zusammenlegungen. Das birgt allerdings ein Imageproblem.

Die deutschen Fonds dünnen ihr Angebot massiv aus. Die Investmentgesellschaft Allianz Global Investors gab bekannt, bis Jahresende 109 Fonds zu streichen - ein Teil davon ist bereits geschlossen oder fusioniert.

Anbieter ziehen Konsequenzen

2010 will die Allianz-Tochter zusätzlich 35 Publikumsfonds verschmelzen. Die Zahl der Fonds würde dann auf etwa 365 sinken. Die Allianz will kleine Fonds einstampfen und nach der Übernahme des Rivalen Cominvest Dopplungen vermeiden. Auch die Deutsche-Bank-Tochter DWS kündigte an, sich bis Mitte 2010 von rund 100 Fonds zu trennen.

Die Anbieter ziehen damit die Konsequenzen aus dem katastrophalen Einbruch ihres Geschäfts. 2008 hatten Anleger fast 28 Milliarden Euro aus Publikumsfonds abgezogen. Auch im ersten Halbjahr 2009 litten einige große Anbieter unter Mittelabflüssen. Allein 2008 und 2009 verloren Publikumsfonds der Allianz-Tochter rund 12 Milliarden Euro Anlegergeld.

Durch das Aussortieren kleiner und zumeist unrentabler Fonds versuchen die Gesellschaften nun, ihre stark gesunkenen Erträge zu stabilisieren. Die hohen Mittelabflüsse, aber auch Wertverluste der Fonds vermiesten etlichen Anbietern die Bilanz: Allianz Global Investors verdiente 2008 rund 40 Prozent weniger. Auch die DWS und die genossenschaftliche Union Investment mussten empfindliche Einbußen hinnehmen.

Etliche Fonds interessieren die Anleger nicht

Branchenbeobachter rechnen damit, dass die Fondsanbieter weiter ausmisten. "Ich erwarte auch bei anderen Gesellschaften Schließungen und Fusionen. In erster Linie geht es um die Rentabilität der Produkte", sagte Andreas Köchling, Fondsanalyst bei Feri Eurorating. Investmentfirmen würden sich dann von Fonds trennen, wenn es keine Aussicht gibt, dass die Produkte nach Wertverlusten und Mittelabflüssen bald wieder Ertrag liefern.

Die Streichungen sind daher auch ein Eingeständnis, dass etliche Fonds den Ansprüchen der Anleger nicht genügen oder sie nicht interessieren - was schon allein das geringe Vermögen vieler Produkte zeigt.

Mit über 8000 gibt es zudem viel zu viele Fonds in Deutschland. Gesunkene Volumina und Übernahmen zwingen Anbieter nun aber dazu, den Wildwuchs vergangener Jahre zurückzuschneiden. Bis zur Finanzkrise hatten viele Investmentfirmen etliche exotische Fonds aufgelegt. Bislang wurden Produkte aber oft auch dann nicht gestrichen, wenn sie zu klein und nicht mehr profitabel waren. Vor allem Fondsschließungen gelten als negativ für das Image eines Anbieters. Investmentfirmen bevorzugen in der Regel Verschmelzungen, weil sie so Anleger eher halten und Investoren oft auch bessergestellt sind. Bei der Auszahlung von Fondsanteilen können allerdings Steuern fällig werden.

Allianz Global Investors hatte die frühere Commerzbank-Fondstochter Cominvest Anfang 2009 übernommen - eine Folge des Verkaufs der Dresdner Bank: Mit ihrer Fondsgesellschaft beglich die Commerzbank einen Teil des Kaufpreises an die Dresdner-Mutter Allianz. Aber auch ohne die Übernahme hätte es jetzt Fondsverschmelzungen bei Allianz Global Investors gegeben, sagte ein Sprecher. Er wies darauf hin, dass die Zahl der Fondsstreichungen 2010 auch über den jetzt genannten 35 liegen könne. Die Gesellschaft hat 2009 nur neun neue Fonds gestartet.


Quelle: ftd.de
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