08.02.2010
Nur Profianleger und wenige Kleinaktionäre haben 2009 den Börseneinstieg gewagt.
Nur Profianleger und wenige Kleinaktionäre haben 2009 den Börseneinstieg gewagt.
Foto: Getty
Investor-Artikel

Flucht aus Aktienfonds

Privatinvestoren verpassen Rally

von Elisabeth Atzler

Wenn es um den optimalen Zeitpunkt für einen Börseneinstieg geht, beweisen Privatanleger oft ein ungeschicktes Händchen. Auch 2009 scheint das nicht anders gewesen zu sein. Besser lief es dagegen für viele Riester-Sparer.

Studien zeigen, dass Kleinanleger Aktien häufig zu Höchstkursen kaufen und sich dann von ihnen trennen, wenn die Kurse im Keller sind. Die vergangene Rally scheinen sie jedoch mitgenommen zu haben: Immerhin flossen den Aktienfonds von Januar bis November 2009 rund 13 Milliarden Euro zu - so viel wie auf Jahressicht seit dem Boomjahr 2000 nicht mehr. Sind die Anleger also schlauer geworden?

Vieles spricht dafür, dass dem nicht so ist und dass die Privatanleger in der Mehrzahl auch im Vorjahr die Rally verpasst haben. Wer genau die Fonds kauft - ob institutionelle Investoren oder Kleinanleger -, das wissen zwar selbst die Anbieter in der Regel nicht genau. Einiges deutet jedoch daraufhin, dass besonders professionelle Investoren und nur die gewiefteren Privatanleger die niedrigen Aktienkurse zum Einstieg genutzt haben.

Erstens fällt auf, dass im vergangenen Jahr vor allem börsennotierte Indexfonds (Exchange-Traded Funds, ETFs) erhebliche Nettomittelzuflüsse verbuchen konnten. Unter den zehn Aktienfonds mit den höchsten Einzahlungen rangieren in der Statistik des Branchenverbands BVI gleich sieben ETFs. Rund 5,1 Milliarden Euro sammelten die Top-Ten-Fonds bis November 2009 ein, davon landeten 3,4 Milliarden Euro bei den sieben ETFs. In die Indexfonds aber stecken laut Branchenbeobachtern nach wie vor hauptsächlich professionelle Investoren ihr Geld - Schätzungen zufolge stammen rund 80 Prozent der Mittel in Indexfonds hierzulande von Profis wie Versicherungen und Pensionsfonds. Grund: ETFs, die einen Index eins zu eins abbilden, haben geringe Gebühren und zahlen in der Regel keine Vertriebsprovisionen, anders als klassische Investmentfonds. Deshalb landen ETFs auch nicht so oft in den Depots von Privatanlegern. Das legt den Schluss nahe, dass ein beträchtlicher Teil der Zuflüsse auf Profis zurückgeht.

Dafür spricht auch die gesunkene Zahl der Aktienfondsbesitzer. Nach Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) gab es Ende 2009 3,87 Millionen Privatanleger mit Aktienfonds. Ein Jahr zuvor waren es noch 3,99 Millionen. Eine andere Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des BVI bestätigt diesen Trend. Zwar ermittelte die GfK mit 9,09 Millionen mehr Aktienfondsbesitzern als das DAI, weil auch jene Produkte mitgezählt wurden, die den Anlegern über ihre Altervorsorgepolicen zuzurechnen sind. Doch auch die BVI-Studie zeigt: Die Zahl der Privatleute mit Aktienfonds ist zur Jahresmitte 2009 gefallen.

Riester-Sparer profitieren indirekt

Naheliegend ist daher: Privatanleger haben sich in der Mehrzahl komplett von ihren Aktienfonds getrennt. Andere Investoren, die sich womöglich besser auskennen, haben 2009 dagegen nachgekauft. "Diese These würde ich ganz stark unterstützen", sagt Martin Weber, Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Mannheim. "Als Wissenschaftler müsste ich die Frage eigentlich untersuchen." Aber offenbar sei es so, dass die Anleger, die Aktien wirklich verstanden haben, auch Aktienfonds gekauft hätten. "Diese Anleger investieren auch eher nicht in einzelne Aktien, sondern diversifizieren über Fonds", sagt Weber, der sich mit dem Entscheidungsverhalten von Privatanlegern beschäftigt hat. Rüdiger von Nitzsch, Professor an der Aachener Universität, teilt die Einschätzung: "Das Bild ist klar." Die verschiedenen Anlegergruppen würden sich voneinander entfernen, sagt der Experte für Entscheidungsforschung und Finanzdienstleistungen. "Es gibt Privatanleger, die fast wie professionelle Anleger agieren und zum Beispiel ETFs kaufen. Und es gibt Anleger, die eher abgesichert und indirekt über Altersvorsorgeprodukte in Aktienfonds investieren."

Diese Gruppe ist inzwischen eine nicht zu unterschätzende Größe. Privatanleger werden auch dann zu Besitzern von Aktienfonds, wenn sie etwa einen Riester-Fondssparplan abschließen. So hat die genossenschaftliche Union Investment mit ihrem internationalen Aktienfonds Uniglobal bis Ende November 2009 rund 713 Millionen Euro eingesammelt. Es ist der Aktienfonds mit den höchsten Zuflüssen, und rund 85 Prozent davon stammen von Riester-Sparern. Wenigstens sie haben die Börsenrally mitgenommen.


Quelle: ftd.de
© 2010 capital.de

Was die Leser sagen

Richard Sievers
11.02.2010 | 20:43
Privatinvestoren verpassen Rally

Leider profitieren die meisten Riestersparer nicht. Union Investment hat bei mir, wie bei hundertausenden Riestersparern, alles umgeschichtet in den Rentenfonds Unieurorenta.
Den beim Abschluss versprochenen Effekt, bei niedrigen Kursen mehr Anteile zu erhalten und von Kurssteigerungen zu profitieren, konnte ich nicht nutzen. Die Umschichtung wurde vorgenommen, um die staatlich garantierte Minimalrendite bis zum Vertragsende zu sichern. Bei 10 Jahren Restlaufzeit war der Union Investment das Risiko zu hoch.
Die Umschichtung erfolgte, als Uniglobal auf Jahrestief und Unieurorenta auf Höchstkurs standen.
Mein Fazit: Riestern mit Union Investment lohnt sich nicht.

(Kommentare 1-1 von 1)

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