"Der Rettungsfonds löst keines der grundlegenden Probleme", sagt Kurt Schappelwein, Leiter der Anlagestrategie bei Raiffeisen Capital Management. "Selbst wenn man die Ressourcen der EFSF durch Kredithebel erhöht, fehlt dem Fonds die Abschreckungskraft, im benötigten Maße in die Anleihemärkte beispielsweise von Italien und Spanien eingreifen zu können", kommentiert Stefan Rondorf, Kapitalmarktstratege beim Fondshaus Allianz Global Investors (AGI), das Vorhaben.
Die kritische Haltung vieler Strategen gegenüber dem Rettungsmechanismus der Europäischen Union für angeschlagene Euro-Staaten ist eines der zentralen Ergebnisse der aktuellen Umfrage unter den Fondsgesellschaften. Die Financial Times Deutschland befragt einmal im Quartal die Experten nach ihren Einschätzungen zur Marktentwicklung. An der aktuellen Umfrage haben sich neun Investmentfirmen beteiligt, die insgesamt ein Vermögen von weltweit rund 1700 Mrd. Euro verwalten.
Die große Verunsicherung der Fondsprofis hinsichtlich der künftigen Entwicklung in Europa zeichnet sich auch in den Markteinschätzungen bis zum Jahresende ab. Demnach gehen nur noch wenige Manager von einer Aufwärtsbewegung aus, die Finanzprofis sind überwiegend bearish eingestellt. Waren bei der vergangenen Umfrage im Juli 20 Prozent der Strategen für die Entwicklung in Europa negativ gestimmt, so ist nach den jüngsten Börsenturbulenzen diese Zahl auf über 50 Prozent gestiegen.
Nach Einschätzung der Fondsmanager werden die Entscheidungen der Politik in diesem Quartal ausschlaggebend sein. Beim Fondsanbieter SEB Asset Management zieht Geschäftsführer Thomas Körfgen für sich daraus die Konsequenz, für die kommenden Monate keine Aktienindexprognosen mehr abgeben zu wollen: "Die fundamentalen Daten der Unternehmen spielen derzeit eine untergeordnete Rolle", sagt er.
Mit größtem Interesse verfolgen die Strategen dagegen die Bemühungen der Politiker, die Schuldenkrise in Europa langfristig in den Griff zu bekommen. Eine Pleite Griechenlands halten die befragten Fondsmanager einstimmig für unausweichlich, gleichzeitig sehen sie die Möglichkeit einer ungeordneten Insolvenz des Krisenstaats noch immer als großes Risiko - bei der Deka Bank spricht man in diesem Zusammenhang sogar vom "Worst Case Szenario".
Uneins sind die Experten in der Frage, wie langfristig verhindert werden kann, dass Staaten wie Spanien und Italien das Vertrauen der Anleger ebenfalls komplett verlieren.






















