Durch die Energiewende und die gekappten Einspeisevergütungen für Sonnenstrom sehen die Initiatoren von Windkraftfonds wieder eine Zukunft für ihre Branche. Aktuell sind bereits sieben Beteiligungsmodelle mit einem Eigenkapitalvolumen von mehr als 148 Mio. Euro in der Platzierung oder der Endphase der Konzeption. "Wir engagieren uns für unsere Investoren aktuell verstärkt in Windkraft", sagt Gert Waltenbauer, Mitglied der Geschäftsführung von KGAL. Das Emissionshaus will noch dieses Jahr den Infraclass Energie 8 auflegen, der in deutsche Windparks investiert.
Windkraftfonds hatten Ende der 90er-Jahre einen ersten Boom erlebt - dem bald die Ernüchterung folgte. Die Gutachten über das Windaufkommen an den einzelnen Standorten erwiesen sich als viel zu optimistisch. Die Generatoren, die Windkraft in elektrischen Strom umwandeln, waren weit reparaturanfälliger als angenommen. Etliche der Beteiligungsmodelle mussten Insolvenz anmelden. Sie hatten bis zu 85 Prozent der Gesamtinvestitionen über Kredite finanziert. Die mageren Erträge aus dem Stromverkauf reichten jedoch nicht, um die Zinsen zu tragen. "Das scheinbar gut investierte Geld der Anleger löste sich in Luft auf", sagt André Felgentreu von der Berliner Anwaltskanzlei Gansel, die etliche geschädigte Zeichner vertritt.
Die Branche will aus den Fehlern gelernt haben. "Wir finden heute deutlich bessere Voraussetzungen vor", sagt Waltenbauer. "Die Windausbeute an einzelnen Standorten kann über größere Zeiträume hinweg viel exakter prognostiziert werden", bestätigt Markus Lentz, Analyst der Ratingagentur Scope. Zudem sei die Technik ausgereifter. "Die Generatoren und Getriebe laufen zuverlässig und haben eine höhere Leistungsausbeute als die Modelle der ersten Generation." Dennoch bleiben Risiken. "Das Windaufkommen schwankt im mehrjährigen Vergleich sehr viel stärker als die Sonnenscheinstunden", sagt Lentz. Entsprechend volatil fielen die Erträge aus.
Dies ist nicht der einzige Grund, weshalb Emissionshäuser in den vergangenen Jahren im Segment der regenerativen Energien der Fotovoltaik den Vorzug gaben. Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) waren Stromversorger bis zum Sommer dieses Jahres verpflichtet, Sonnenstrom deutlich höher zu vergüten als Energie aus Windkraft. Das hat sich mit der Ende Juni von Bundestag und Bundesrat beschlossenen Fotovoltaiknovelle geändert. Die Vergütungssätze für Strom aus neuen Solarparks wurden so weit heruntergefahren, dass sich für Fonds Investments in deutsche Sonnenkraftwerke nicht mehr rechnen. Auch andere europäische Staaten haben die Pflichtvergütungen für Solarstrom drastisch reduziert oder ganz gestrichen.
Hingegen wurden die ohnehin niedrigen Sätze für Windkraftstrom nicht gekürzt. Initiatoren sehen deshalb die Möglichkeit, attraktive Renditen mit Windkraftfonds zu erzielen. Das Emissionshaus Lacuna stellt Anlegern seines Fonds Windpark Feilitzsch Ausschüttungen von 262,5 Prozent auf die Einlage ohne Agio über die Laufzeit von 20 Jahren in Aussicht. Initiator Leonidas will für die Zeichner seines Frankreich-Windfonds X sogar 226 Prozent in nur 16 Jahren herausholen.
Weniger optimistisch beurteilt Hermann Klughardt, Geschäftsführer des auf erneuerbare Energie spezialisierten Fondshauses Voigt & Collegen, das Windsegment. "Wegen der breiten Schwankungen im Windaufkommen können die Erträge über Jahre hinweg unterdurchschnittlich ausfallen." Zudem habe die gestiegene Nachfrage der Investoren die Preise für Windparks stark in die Höhe getrieben und damit die erzielbaren Renditen gesenkt. Der Düsseldorfer Initiator plant deshalb derzeit kein Beteiligungsangebot in diesem Segment. Stattdessen bereitet er einen Fonds vor, der in Solarparks im sonnenreichen Südeuropa investieren soll.
Auch die Ratingagentur Scope beurteilt Windkraftfonds zurückhaltend. Von den aktuell bewerteten vier Fonds wurden drei mit der Note "BBB" und einer mit "BBB+" eingestuft. Das reicht gerade noch für den Investmentgradebereich. Die Chance, dass ein Windkraftfonds zumindest die Note "A-" oder "Gut" erhält, sei gering, sagt Analyst Lentz. "Dafür ist die Schwankungsbreite bei den Erträgen zu hoch."
Quelle: ftd.de
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