18.01.2010
Die Deutsche-Bank-Tochter will ihre Zinsprodukte übersichtlicher gestalten.
Die Deutsche-Bank-Tochter will ihre Zinsprodukte übersichtlicher gestalten.
Foto: DWS Investments
Investor-Artikel

Anleihefonds

DWS räumt Produktpalette auf

von Elisabeth Atzler

Die Fondstochter der Deutschen Bank DWS ist dabei, ihre Anleihefonds umzukrempeln. Änderungen soll es bei Produktpalette, Namensgebung und Gebührenstruktur geben.

Zwar steckt DWS noch in den Aufräumarbeiten, doch die Branche verfolgt das Vorgehen des Marktführers genau. Nach Einschätzung von Experten ist der tief greifende Umbau - ohne vorherige Übernahme - in Deutschland bisher einzigartig: Die meisten großen Umbauten der Angebotspaletten einzelner Anbieter seien durch Veränderungen von außen, zum Beispiel Fusionen, ausgelöst worden, meint Christian Michel, Fondsanalyst bei Feri Eurorating Services.

DWS reagiert hingegen auf die Probleme mehrerer Anleihefonds im Jahr 2008: Die Fonds hinkten ihrem Vergleichsindex damals hinterher und fuhren teils deutliche Verluste ein. Ausgerechnet im Krisenjahr 2008 hatten die Manager den Anteil sicherer Staatsbonds gesenkt und stark auf Pfandbriefe, Anleihen von Banken und Schwellenländern sowie auf sogenannte ABS-Papiere gesetzt. Mittelabflüsse waren die Folge. Zudem gab es etliche Fonds, die sich sehr ähnelten.

Umbau für mehr Transparenz

Die Deutsche-Bank-Tochter ist nun dabei, die Angebote an Zinsprodukten übersichtlicher zu gestalten und die Anlagestrategien der Fonds klarer voneinander zu trennen. "Das Ganze ist ein größerer Schritt", sagt Martin Caspary, DWS-Produktspezialist für Rentenfonds. "Wichtig ist, dass die Transparenz der Fonds erhöht wird. Die einzelnen Fonds sollen für den Anleger deutlich sichtbar voneinander abgegrenzt sein." Außerdem würden Doppelungen von Fonds beseitigt.

Angekündigt und teils bereits umgesetzt ist der Umbau bei Zinsprodukten: Bei den meisten gibt es jetzt neue klarere Anlagevorschriften. Der DWS Select-Rent etwa soll künftig DWS Covered Bond Fund heißen und maßgeblich auf Pfandbriefe und ähnliche gedeckte Anleihen (Covered Bonds) ausgerichtet sein. Der DWS Re-Inrenta wird sich auf internationale Staatsanleihen konzentrieren und in DWS Global-Gov Bonds umgetauft.

Erfolgsabhängige Gebühren

Das Fondsanalysehaus Morningstar kündigte an, die neuen Fonds mit einem Rating versehen zu wollen. Ein Urteil über die Umstrukturierung willl man aber erst abgeben, wenn man die Fonds eingehender geprüft habe. "Als Anleger will man wissen: Ist das wirklich ein Neuanfang? Und wie groß sind die Risiken der Portfolios?", sagt Werner Hedrich, Leiter des Fondsresearchs von Morningstar in Deutschland.

Da, wo Anleger auf Anhieb kaum erkennen konnten, wie der Fonds anlegt, belässt es DWS bei einer formalen Namensänderung. So wird der DWS Inrenta, der 2008 äußerst schwach abschnitt, künftig unter DWS Euroland Strategie firmieren. Er bleibt dabei ein flexibler Euroland-Rentenfonds. Vereinzelt kam es bereits - wie beim Inrenta - zu Fondsmanagerwechseln. Vielen Produkten, Renten- wie Aktienfonds, verpasst DWS nun englische Namen. Caspary begründet das mit einem möglichen Vertrieb in mehreren Ländern Europas: "Dabei geht es auch um die Europäisierung der Produktpalette." Hinzu kommt: Die Gebühren etlicher Rentenfonds ändern sich. DWS senkt die Kostenpauschale mehrerer Fonds leicht. Zugleich führt sie bei einigen Produkten eine erfolgsabhängige Vergütung ein. Schlagen diese Fonds auf Jahressicht einen Vergleichsindex oder eine festgelegte Renditeschwelle, behält DWS einen Teil der Überrendite ein. Viele der hiesigen Investmentfirmen erheben neuerdings diese umstrittenen erfolgsabhängigen Gebühren oder wenden sie verstärkt an.

Sollten etliche der DWS-Anleihefonds weiter so gut abschneiden wie 2009, dürfte die Gesellschaft von der erfolgsabhängigen Vergütung stark profitieren: Auf Jahressicht fuhren sie teils hohe Renditen ein und machten Verluste des Vorjahrs wett. Anleger haben das bislang aber nicht in jedem Fall honoriert: Aus mehreren großen Rentenfonds floss von Januar bis Ende November 2009 noch einmal Geld ab, aus dem Flaggschiff DWS Eurorenta zum Beispiel 123 Millionen Euro. Mittel einsammeln konnten insbesondere neue Fonds wie der DWS Rendite Plus Garant.


Quelle: ftd
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