Wie die Überschrift schon treffend formuliert: "Mit Essen spekuliert man nicht!" Das gehört ganz einfach verboten
Als Russland im Sommer 2010 seine Weizenexporte stoppte, waren die Folgen dieser Entscheidung zunächst nicht abzusehen. Die Regierung des weltweit drittgrößten Weizenproduzenten hatte die Lieferungen ans Ausland ausgesetzt, weil die Ernte infolge verheerender Wald- und Steppenbrände kräftig eingebrochen war. Nur wenige Monate später kam es in Ägypten - auch wegen drastisch gestiegener Lebensmittelpreise - zu politischen Unruhen.
Es ist nur ein Beispiel, das zeigt, wie wichtig eine ausreichende Versorgung der Weltbevölkerung mit Agrarprodukten ist. Der Kampf um Weizen, Mais und Reis wird immer schärfer geführt - und an der Situation wird sich in den kommenden Jahrzehnten kaum etwas ändern. Im Gegenteil: Bis 2050, so eine Prognose der Vereinten Nationen, wird die Weltbevölkerung von derzeit rund sieben auf 9,3 Milliarden Menschen ansteigen.
Hinzu kommen schon heute veränderte Ernährungsgewohnheiten, vor allem in den Emerging Markets. "Dort wächst eine Mittelschicht heran, die verstärkt tierische Eiweiße zu sich nimmt", sagt Martin Jochum, Fondsmanager des SAM Sustainable Agribusiness Equities. "Dies hat zur Folge, dass immer mehr Agrargüter für die Fütterung von Tieren verwendet werden."
Tanken, was andere essen könnten
Zugleich fördern etwa die USA, aber auch die Europäische Union (EU) den Einsatz von Biosprit als Treibstoff, um den Ausstoß an Kohlendioxid zu reduzieren und so den Klimawandel aufzuhalten. Allerdings mit gravierenden Folgen für die Lebensmittelpreise. Beispiel USA: Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist mit 330 Millionen Tonnen größter Maisproduzent der Welt.
"Rund 25 bis 30 Prozent der Maisernte wird in den USA aber für Biosprit verwendet", sagt Jochum. Dies treibt einerseits den Maispreis in die Höhe. Noch schlimmer aber: Biosprit steht damit in Konkurrenz zu anderen Soft Commodities. "Denn dadurch wird es lukrativer Mais anzubauen", sagt der Fondsmanager. Deshalb werden andere Agrarrohstoffe wie Sojabohnen oder auch Baumwolle ebenfalls knapp und teurer.
Diese Gemengelage trägt zusätzlich zum Preisanstieg bei Lebensmitteln bei. Aufgrund der Kritik ist die EU inzwischen von ihrem Ziel abgerückt, bis 2020 zehn Prozent des gesamten Treibstoffs aus Pflanzen decken zu wollen.
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