15.03.2010
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Meister der Selbstqualifikation: Geldmarktfonds zeigen Mängel.
Meister der Selbstqualifikation: Geldmarktfonds zeigen Mängel.
Foto: Getty
Investor-Artikel

Transparenzoffensive

Geldmarktfonds offenbaren Risiken

von Julia Groth

Cashfonds sind kaum mehr gefragt. Die Anbieter reagieren deshalb mit mehr Offenheit - und legen Risiken bloß, die diese Anlageklasse gar nicht haben sollte.

Gäbe es in der Fondsindustrie den Titel "Ladenhüter des Jahres", stünde der aktuelle Sieger zweifelsfrei fest: Der Preis ginge an die Geldmarktfonds. 2009 verloren die Produkte, die in Anleihen und andere Papiere mit kurzer Laufzeit investieren, laut Branchenverband BVI rund 30 Milliarden Euro Anlegergeld - noch einmal einige Milliarden mehr als im Jahr zuvor. Hauptgrund: Viele der Fonds erwiesen sich als riskantere Investments, als Anleger vermuteten.

Geldmarktfonds gelten eigentlich als Sparbuchalternative, die eine niedrige, aber konstante Rendite bringt. Viele Investoren, vor allem institutionelle, nutzen sie als vermeintlich sicheren Kapitalparkplatz, wenn die Aktienkurse fallen. Doch im Krisenjahr 2008 ging diese Rechnung oft nicht auf. So überstiegen die Kosten mancher Fonds die Erträge. Andere Fonds offenbarten grobe Mängel. Sie rutschten ins Minus, weil sie verbriefte Kredite, sogenannte Asset-Backed Securities (ABS) im Portfolio hatten - jene Papiere also, die die Finanzkrise mit ausgelöst hatten. Infolge der Krise verloren ABS stark an Wert, viele Fondsmanager verkauften sie mit hohen Verlusten. Anleger, die von dieser riskanten Strategie nichts wussten, verkauften ihre Anteile.

Für die Fondsgesellschaften sind die anhaltenden Abflüsse besonders bitter. Denn die Anbieter bemühen sich mittlerweile, die Risiken ihrer Geldmarktfonds realistisch zu beschreiben. Mehrere Unternehmen geben seit einem Jahr differenzierter als zuvor an, wie hoch das Risiko der einzelnen Produkte ist. Die Unicredit-Tochter Pioneer etwa änderte die Bewertung von drei ihrer neun Geldmarktfonds von "sicherheitsorientiert" auf "begrenzt risikobereit" und weist nun insgesamt zwei Drittel der Geldmarktfonds als Produkte für risikofreudigere Anleger aus.

Andere Anbieter warten noch darauf, dass die EU-Kommission einen Vorschlag der Vereinigung der europäischen Fondsanbieter Efama absegnet: nämlich Geldmarktfonds europaweit einheitlich in die Kategorien "kurzfristig", "regulär" und "andere" einzuteilen. Bei Letzteren stünde die Rendite im Vordergrund. Die Deutsche-Bank-Tochter DWS hat die Fonds vorsorglich schon nach Efama-Kriterien kategorisiert. "Diese Kriterien werden der neue Branchenstandard", sagt Martin Caspary, DWS-Produktspezialist für Rentenfonds. Der BVI unterscheidet indes seit einem Jahr zwischen klassischen und chancenorientierten - im Klartext: riskanten - Geldmarktfonds. Auch mehrere Ratingagenturen wollen ihre Kategorien überarbeiten.


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Quelle: FMH-Finanzberatung
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