Es ist ein kurzer Brief aus der Schweiz, der die Biografie von Robert Beer 1986 durcheinanderwirbelt. In seiner Studentenbude in München schreibt Beer damals parallel zu seinem Ingenieursstudium das Buch "Optionen und die Doppelstrategie", verlegt es auf eigene Rechnung und bewirbt es in ein paar Millimeter großen Anzeigen in der FAZ. Zwischen Erklärungen, wie die Welt der Optionen so funktioniert, räsoniert Beer darin auch darüber, dass ein Spekulant ja angesichts der Komplexität der Materie natürlich längst auch zu modernen Hilfsmitteln wie Computerprogrammen greifen müsse.
Worauf sich prompt ein Unternehmer aus der Schweiz meldet und sich für Beers Computerprogramm interessiert. Dumm nur: Beer hat gar keins. Selbst sein Buch entstand nur auf einer Schreibmaschine. "Da habe ich eben eines programmiert", erinnert sich Beer.
Zwar hat er sein Studium doch noch beendet. Doch das Optionsanalyseprogramm ist für Beer der Beginn einer Karriere im Reich der Finanzmärkte: Erst verkauft er das Programm an Banken, dann schult er deren Mitarbeiter in der Optionstheorie, ehe er 1994 sein Glück als Vermögensverwalter selbst in die Hand nimmt.
Seit 2003 nun steuert Beer mit dem Luxtopic Aktien Europa einen Fonds, der von Ratingagenturen wie Morningstar, Lipper oder Citywire mit Auszeichnungen und Topnoten regelrecht zugeschüttet wird. Obwohl er nur 60 Millionen Euro verwaltet, weil Beer - durch und durch Individualist - mit den Mechanismen der Fondsbranche nichts zu tun haben will. Er lebt und arbeitet im oberpfälzischen Weiden, hat keinen Vertriebsapparat, hasst Roadshows und vertritt eine klare Meinung. Beste Voraussetzungen, um in der Finanzcommunity kritisch beäugt zu werden. "In unserer Branche sind ganz viele Schwache unterwegs. Vom Wissen und der scharfen Denke her", sagt Beer. Er kenne das von Präsentationsgesprächen. "Die stereotypen Fragenkataloge, die Floskeln: Herr Beer, erklären Sie doch mal Ihren Investmentprozess. Ja, wieso besuchen Sie denn keine Unternehmen? Furchtbar."
Man könnte ihm diese Einstellung als Arroganz auslegen. Oder aber einfach hinnehmen, dass der unkomplizierte und begeisterungsfähige Beer mit seiner Strategie, vor allem aber mit sich selbst im Reinen ist. "Futures, Aktien, Sojabohnen - ich habe das alles durch. Ich mache das jetzt 28 Jahre, mehr als die Hälfte davon war Ausprobieren." Die Ergebnisse setzt er inzwischen in Fonds um, die zusammen knapp 500 Millionen Euro verwalten. Auch ohne Vertrieb.
Mit seinem Flaggschiff-Aktienfonds orientiert sich Beer am Euro Stoxx 50, aus dem er anhand eines Trendfolgemodells die 35 Titel mit der höchsten Kursdynamik ins Portfolio nimmt. "Der Euro Stoxx 50 ist eine großartige Basis, der läuft sehr langfristig nun mal von links unten nach rechts oben. Schwache Werte fallen automatisch raus." Über die Selektion der 35 dynamischsten Aktien und die von ihm entwickelte Optionsstrategie - das Portfolio sichert der Kauf von Put-Optionen gegen hohe Verluste ab, zugleich treibt der Verkauf von Call-Optionen Prämien ein - will Beer langfristig den Index schlagen. Was, glaubt man Beer, auch nicht allzu schwer ist. "Jeder kann mit ein bisschen Nachdenken den Index schlagen. Viele verheddern sich aber, sind viel zu nahe dran, glauben, auf alles reagieren zu müssen. Ich muss aber meine Hausaufgaben vorher gemacht haben", sagt Beer. Sein System steht.































