Die beiden Boeings 777 fliegen ohne Probleme, die Fluggesellschaft Air Canada zahlt pünktlich ihre Raten. Und doch müssen die Zeichner des HCI-Flugzeugfonds Aircraft One bangen, wie ihr Investment ausgeht. Das Beispiel zeigt, was Anlegern blühen kann, wenn ihr Emissionshaus angeschlagen ist.
Bei Flugzeugfonds beschäftigen sich Interessenten vor allem mit der Bonität der Gesellschaft, an die Maschinen verleast werden. Die Airline kümmert sich um Betrieb und Wartung und überweist dafür fest vereinbarte Raten an den Fonds. Für den Veräußerungserlös der Flieger am Ende der Laufzeit liefern Datenbanken mit Marktpreisen für Gebrauchtmodelle Anhaltspunkte. Das macht Flugzeugfonds zu Anlagen mit wenig Fantasie, aber überschaubaren Risiken.
Kaum Gedanken verschwenden Investoren dagegen daran, was eigentlich passiert, wenn nicht genug Geld bei Anlegern eingesammelt wird. Müssen sie auch nicht, denn in der Regel gibt es Platzierungsgarantien. Beim Aircraft One hatte HCI Capital versprochen, für nicht eingeworbenes Eigenkapital einzustehen.
Tatsächlich wollten im Frühjahr 2009 nicht genügend Anleger mindestens 15.000 Dollar investieren. Nur 20 Millionen Dollar kamen zusammen, garantiert hatte das Emissionshaus jedoch 136 Millionen Dollar. Einstehen wollte HCI außerdem auch für bestellte Schiffe, die in neue Fonds eingebracht werden sollten. Früher verkauften sich Schiffsfonds problemlos, jetzt sind die Absatzzahlen drastisch eingebrochen. Auf 1,8 Milliarden Euro summierten sich die finanziellen Verpflichtungen für Bürgschaften, Garantien und Ähnliches im jüngsten verfügbaren Bericht zum dritten Quartal 2009. Damit hatte sich HCI verhoben.
Also wurden die Zeichner für den 26. Januar zu einer Gesellschafterversammlung eingeladen. Im Hotel Hafen Hamburg erfahren die Anleger, dass HCI nicht einmal die Mittel hat, um die fehlenden Millionen dieses einen Fonds abzudecken. Der HCI-Vorstand macht laut Protokoll klar, dass "ein Ziehen der Platzierungsgarantie zur Insolvenz der HCI Capital AG führen würde".
Um die Lücke zu stopfen, bleibt nur die Nord/LB, die schon die Zwischenfinanzierung gestellt hatte. Die Fondsgeschäftsführung warnt auf der Versammlung, "aufgrund fehlender Finanzierungsalternativen" bestehe sonst "das Risiko eines erheblichen Verlusts von Eigenkapital".
Die Nord/LB lässt sich ihr Engagement allerdings fürstlich bezahlen. Sie bekommt eine Bereitstellungsgebühr von 4,08 Millionen Dollar und kassiert 2010 voraussichtlich 11,5 Prozent Zinsen. 2011 sollen es noch zehn Prozent und danach 8,5 Prozent sein. Die Marge sei hoch, gibt die Fondsgeschäftsführung zu. Das liege unter anderem am ungewöhnlich hohen Finanzierungsanteil für die Flugzeuge. Fondsgeschäftsführer Jan Eike Schuldt räumt laut Versammlungsprotokoll selbst ein, dass "erhebliche Risiken bestehen, die über die ursprünglich prognostizierten Risiken hinausgehen".































