15.02.2010
Höchstrenditen schaffte aber nur die Spitze der Fondsmanager.
Höchstrenditen schaffte aber nur die Spitze der Fondsmanager.
Foto: Getty
Investor-Artikel

Anleihefonds

Langweiler beeindrucken mit hohen Gewinnen

von Olaf Wittrock

Bis zu 7,5 Prozent jährliche Rendite in 36 Monaten - da kann man schon mal neidisch werden. Ausgerechnet die vermeintlich langweiligen festverzinslichen Wertpapiere aus Europa haben Anlegern diesen beeindruckend hohen Gewinn beschert.

Wer Anfang 2007 mit 100 Euro in einen der zehn europäischen Rentenfonds, welche die aktuelle Ratingtabelle ausweist, eingestiegen ist, hat heute einen Anteil im Wert zwischen 115 und 124 Euro im Depot. Zum Vergleich: Auf einem Tagesgeldkonto sammelten sich im selben Zeitraum kaum mehr als 7 Euro Zinsen an. Und wer gar am deutschen Aktienmarkt unterwegs war, hat rund 25 Euro verloren.

Um es allerdings deutlich zu sagen: Höchstrenditen schaffte nur die Spitze der Fondsmanager. Die Faustregel, nach der bei fallenden Aktienkursen die Anleihenkurse automatisch steigen, weil das Geld der Investoren ja schließlich irgendwohin fließen muss - diese Regel galt in der jüngeren Vergangenheit nicht. Das belegt ein Blick auf die Statistik des aktuellen Morningstar-Ratings eindrücklich: Im Durchschnitt erzielten Rentenfonds mit dem Investitionsschwerpunkt Europa nämlich nur 2,5 Prozent Plus pro Jahr. Und auch die drei führenden Marktindizes, der Merrill Lynch Pan-Europe, der Barclays Cap Pan Euro sowie der Citi Euro BIG 1-10, die allesamt neben Staatsanleihen auch die Kursentwicklung von Bank- und Unternehmensanleihen höherer Bonitäten nachzeichnen, weisen jährliche Renditen zwischen 3,7 und 5,8 Prozent aus.

Das alles sind Anzeichen extrem schwankender Kursentwicklungen in einzelnen Anleihesegmenten. Bankanleihen etwa standen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers vor eineinhalb Jahren zeitweilig extrem unter Druck, haben sich mittlerweile aber wieder erholt. Unternehmensanleihen wurden damals ebenfalls für kurze Zeit fast unverkäuflich, beziehungsweise waren nur mit extrem hohen Renditeversprechen an den Investor zu bringen. Auch hier hat sich die Lage beruhigt.

Sprunghafte Entwicklungen sorgen für Chancen

Die sprunghaften Entwicklungen auf dem Anleihemarkt verschafften Managern mit einem guten Händchen im Jahr 2009 jede Menge Chancen auf Zusatzerträge gegenüber dem Gesamtmarkt. In Kombination mit dem Jahr 2008, in dem massive Zinssenkungen der Zentralbanken die Anleihekurse weltweit anstiegen ließen, erklärt sich daraus auch die hohe Gesamtrendite der besten Fonds im Rating. Wobei zum Geschick sicherlich auch ein bisschen Glück beim Timing beitrug.

Ob die Zeit für herausragende Renditen weiter anhält, ist indes fraglich. Denn die kurzfristigen Zinsen sind weltweit auf Rekordtiefs gesunken. Zuletzt waren auch Renditen längerfristiger Anleihen gefallen. Der Spielraum für weitere Kurserhöhungen in diesem Segment schrumpft dadurch allmählich. Sollten in den kommenden Monaten auch noch Konjunktur und Inflation merklich anziehen, würde das Zinsniveau allgemein steigen, und die Anleihekurse damit sämtlich fallen.

Diese Sorge ängstigt Anleihemanager derzeit aber weitaus weniger als jene um die Zahlungsfähigkeit der Staaten am Rande des Euro-Raums. Wegen der Spekulation um die Staatspleite Griechenlands sind nicht nur die Kurse dortiger Schuldscheine eingebrochen, sondern auch jene aus Spanien und Portugal. Das fördert zwar die Nachfrage nach Anleihen aus Euro-Kernländern wie Deutschland, die Unsicherheit aber bleibt. Die schweizerische Fondsboutique Tiberius hat bereits Konsequenzen gezogen: Der Fonds parkt derzeit 55 Prozent des Kapitals am Geldmarkt.


Quelle: ftd
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