Der Verkauf von klassischen Schiffsfonds ist nahezu zum Erliegen gekommen, jetzt wollen einige Anbieter von der Krise profitieren. Ihr Geschäftsmodell klingt plausibel: heute günstig notleidende Schiffe übernehmen und sie in einigen Jahren teuer weiterverkaufen. Mehr als ein halbes Dutzend dieser Geierfonds gibt es schon auf dem Markt. Sie tragen Namen wie Marktchance, Krisengewinner oder Schnäppchenfonds. Ob sich die geplanten Käufe wirklich zu einem Schnäppchen für die Anleger entwickeln, wird sich aber erst in einigen Jahren zeigen.
Die Marktpreise für Schiffe sind im vergangenen Jahr je nach Typ um mehr als die Hälfte gefallen. Die ersten Schnäppchenjäger haben 2009 schon zugeschlagen. Das Hamburger Emissionshaus Maritim Equity hat zusammen mit der Reederei Carsten Rehder zwei Containerfrachter gekauft. Die Schiffe kosteten je 21,5 Millionen Dollar. Typgleiche Schiffe lagen vor dem Absturz der Schifffahrtsmärkte bei 45 Millionen Dollar.
Arbeitslos Mehr als 500 Containerschiffe sind derzeit ohne Beschäftigung. Die großen Linienreedereien chartern - also mieten - zwar wieder mehr Schiffe, aber die Überkapazitäten sind noch immer groß. Außerdem drängen viele Neubauten auf den Markt. Ein Marktgleichgewicht erwarten Experten erst in zwei bis drei Jahren.
Unterbezahlt Die Charterraten, die Linien für gemietete Schiffe zahlen, sind in den vergangenen Wochen zwar gestiegen, reichen bei vielen Schiffen aber immer noch nicht für Betriebskosten und Kapitaldienst. Wer jetzt kauft, muss Phasen mit nicht ausreichend bezahlter oder gar keiner Beschäftigung einplanen.
Außer Maritim Equity hat bisher nur die Oltmann Gruppe aus Leer mit ihrem Schnäppchenfonds Schiffe gekauft. HCI Capital, bisher Marktführer bei klassischen Schiffsfonds, will erst in diesem Jahr zugreifen. "Wir gehen davon aus, dass wir die wirklich attraktiven Opportunitäten erst im Laufe des gerade begonnenen Jahres und im kommenden Jahr sehen werden", sagt Vorstandsmitglied Oliver Moosmayer. Bisher gab es wenige Notverkäufe von Schiffen, da die Banken noch viel Geduld mit ihren säumigen Kunden aus der Schifffahrt haben - im eigenen Interesse. Denn sollte es zu einer Welle von Verkäufen zu Niedrigstpreisen kommen, drohen hohe Abschreibungen.
Manche Experten sind skeptisch, dass sich das ändert. "In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob sich überhaupt ausreichend Gelegenheiten zum Kauf gebrauchter Schiffe zu Schnäppchenpreisen bieten werden", sagt Tim Richter von Nordcapital, einem der größten Anbieter von Schiffsbeteiligungen.
Nicht nur fehlende Kaufgelegenheiten bremsen die Fonds. Das Interesse der Anleger ist längst nicht so groß wie erhofft. So hat HCI mit seinem Fonds HCI Shipping Opportunity bislang 4 Millionen Euro bei wohlhabenden Privatleuten eingesammelt, angepeilt sind mindestens 20 Millionen Euro. "Generell ist die Ausbeute der Schnäppchenfonds bisher sehr dürftig gewesen", sagt der Schiffsfondsexperte Jürgen Dobert.































