15.04.2009
Experten erwarten, dass sich die Marktbereinigung bis Jahresende fortsetzt.
Experten erwarten, dass sich die Marktbereinigung bis Jahresende fortsetzt.
Foto: picture alliance/ dpa

Heftige Mittelabflüsse

Investmentfirmen dampfen Fonds ein

von Elisabeth Atzler (Frankfurt)

Erstmals seit Jahren dampft die Fondsbranche ihr Angebot ein: Nach Angaben des Datenanbieters Lipper haben die Investmentfirmen im ersten Quartal 142 Fonds für Privatanleger in Deutschland geschlossen oder zusammengelegt und nur 62 Fonds neu gestartet. Und das ist wohl erst der Anfang.

Im ersten Quartal 2008 war das noch umgekehrt: 126 Fonds verschwanden, und 223 Fonds wurden auf den Markt gebracht. Im Gesamtjahr 2008 strichen die Investmentfirmen 656 Fonds, starteten aber 780 neu. Experten erwarten, dass sich die Marktbereinigung bis Jahresende fortsetzt. "Ich gehe davon aus, dass wir mehr Schließungen und einen Rückgang der Fondszahl sehen werden. Wir sind erst am Anfang eines Trends", sagt Stefan Jaecklin, Leiter Wealth- und Asset-Management der Beratungsfirma Oliver Wyman in Europa. Christian Michel, Analyst bei Feri Rating & Research, rechnet für das laufende Jahr ebenfalls mit einer starken Zunahme der Schließungen. Die Gesellschaften überlegten, wie sie ihre Produktpalette straffen.

Das Fondssterben bricht einen mehrjährigen Trend. Von 2005 bis 2008 war das Angebot für deutsche Privatanleger stark gestiegen - auf zuletzt laut Lipper rund 8360 Fonds. In guten Jahren hielten die Gesellschaften oft selbst an sehr kleinen Angeboten fest, weil Schließungen aufwendig sind und von Anlegern als lästig empfunden werden.

Angesichts enormer Mittelabflüsse 2008 schwenken die Investmentfirmen nun um. Im vergangenen Jahr zogen Anleger fast 28 Milliarden Euro aus deutschen Publikumsfonds ab. Besonders im Oktober mussten die Gesellschaften Riesensummen auszahlen. Damals sprach die Bundesregierung eine Garantie für sämtliche Sparguthaben der Deutschen aus. Die Folge: Anleger verlangten massiv Mittel aus Geldmarkt- sowie Rentenfonds zurück und parkten das Geld auf Tages- oder Festgeldkonten. Zudem ist das Volumen vieler Fonds aufgrund von Kursverlusten deutlich gesunken. Das gilt besonders für Aktienfonds - ihre Zahl wird deshalb besonders stark sinken.

 
Nettoveränderung der Anzahl von Investmentfonds in Deutschland

Jaecklin rechnet damit, dass die aktuellen Probleme die Fondsbranche weitaus stärker treffen als das Platzen der Technologieblase 2001. "Ich denke, das Ausmaß der Schließungen wird größer ausfallen als nach der Krise 2001 und 2002", schätzt er. Bereits damals dauerte die Bereinigung der Produktpalette mehrere Jahre. Noch 2004 schlossen oder fusionierten Investmentfirmen mehr Fonds, als sie neu starteten. "Viele kleine Fonds sind nicht profitabel und haben deutlich reduzierte Zukunftsperspektiven", so Jaecklin. Feri beziffert die Zahl der Fonds, die weniger als 5 Mio. Euro verwalten, auf rund 960. "Kleinere Fonds sind kaum wirtschaftlich, eine starre Untergrenze gibt es jedoch nicht", sagt Michel.

 

Betroffen von der Misere sind nahezu alle deutschen Fondsgesellschaften. "Vor allem Universalanbieter, die Fonds aus allen Kategorien verkaufen und deutliche Abflüsse hatten, werden Fonds schließen", prognostiziert Michel. Allianz Global Investors hat nach der Übernahme von Cominvest bereits angekündigt, mindestens 100 von rund 500 Fonds vom Markt zu nehmen. Die Deutsche-Bank-Tochter DWS will das Angebot an Anleihefonds lichten. Als Kandidat für Fondsfusionen gilt auch die Unicredit-Tochter Pioneer, die 2008 unter heftigen Mittelabflüssen litt.

 
Fondsschließungen im 1. Quartal 2009 nach Assetklasse

Für die Investmentfirmen sind Fondsschließungen und -fusionen oftmals heikel. "Fondsfusionen sind unangenehm für die Gesellschaften. Man muss Kunden daran erinnern, was für schlechte Produkte sie im Portfolio haben", sagt Werner Hedrich, Leiter Research der Fondsratingagentur Morningstar Deutschland. Zudem sind Zusammenlegungen aufwendig, weil Gesellschaften sie Monate im Voraus ankündigen müssen und nur sehr ähnliche Fonds fusionieren dürfen. Bei Schließungen dürfen die Anleger entscheiden, ob sie ihr Geld ausbezahlt bekommen oder in neue Anteile eines anderen Fonds investieren möchten.

Hedrich erwartet jedoch nicht, dass die Produktpalette über das Gesamtjahr schrumpft. "Sobald die Aktienmärkte wieder laufen, legen die Gesellschaften neue Fonds mit neuen Themen auf. Neue Garantiefonds und Mischfonds gibt es schon jetzt", sagt er.

Für Anleger kann die Marktbereinigung hilfreich sein: Branchenbeobachter kritisieren, dass es zu viele Publikumsfonds gibt, um den Überblick zu behalten. 2008 schwappte wegen der Abgeltungsteuer noch einmal eine Welle neuer Fonds auf den Markt. Die Anbieter lancierten neue Produkte wie Dach- und Mischfonds, bei denen die seit 2009 geltende Steuer nicht in vollem Umfang greift, sammelten damit aber wenig Geld ein - was den Druck zu Fusionen noch erhöht. Die Abgeltungsteuer erhebt 25 Prozent auf nahezu alle Kapitalerträge.


© 2009 ftd

Was die Leser sagen

Newfreak
15.04.2009 | 18:06
Top-Fonds haben sich bewährt und verschwinden nicht!

Die besten Fonds sind die, die sich auch in Krisenzeiten bewährt haben und aufgrund des Volumens von einer Schließung überhaupt nicht bedroht sind. Der Mischfonds Carmignac Patrimoine (FR0010135103) hat über 10 Jahre (Krisenzeit mitgerechnet) eine jährliche Wertentwicklung von rund 10% erreicht und hat ein Volumen von über 5 Milliarden Euro. Über den Fondsshop profinance-direkt.de kaufen kostenbewusste Anleger diesen Fonds statt 4% - ohne Ausgabeaufschlag. Zusätzlich erhält der Anleger 0,25% auf den Fondsbestand jährlich als Treueprämie ausgezahlt.

(Kommentare 1-1 von 1)

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Quelle: FMH-Finanzberatung
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