Es ist laut Eigenwerbung eine grüne Wiese für Zukunftsforscher, Spielfeld für Ideenakrobaten, Inspirationsquelle für Querdenker: das noble Gottlieb-Duttweiler-Institut am Zürcher See.
Und es beflügelt die Bankelite der Schweiz, die das Institut jüngst als Tagungsort für ihren ersten Bankengipfel ausgesucht hat - und von einem Ende des Bankgeheimnisses nichts wissen will. "Ja, das Bankgeheimnis gibt es noch. Es ist in seinem Kerngehalt nie tangiert worden", sagt Urs Rohner, designierter Verwaltungsratspräsident der Großbank
Credit Suisse.
Ärger mit der OECD, renitenten Finanzministern, geklauten Steuer-CDs? An Rohner und den Seinen perlt das alles ab. Das Motto des Treffens lautet zwar: "Wie sieht die neue Normalität aus?" Doch wer aufmerksam zuhört, findet die Antwort heraus: so wie früher. Denn wie eh und je bringen die Reichen ihr Geld in die Schweiz. Und laut Rohner schon lange nicht mehr nur wegen des Bankgeheimnisses. Der Franken, das hohe Maß an Rechtssicherheit zählten viel mehr.
Apropos Rechtssicherheit: Die Credit-Suisse-Rivalin
UBS muss auf massiven politischen Druck der US-Regierung die Kontodaten von 4500 mutmaßlichen Steuerhinterziehern aus den Vereinigten Staaten preisgeben, 780 Millionen Dollar Strafe hat sie bereits an die US-Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) überwiesen. Viele US-Kunden Schweizer Banken suchen sich seitdem andere Geldverwalter, wirklich leiden muss allerdings nur die UBS. Dennoch: Rechtssicherheit sieht eigentlich anders aus.
Schließlich leidet auch das Bankgeheimnis, das die Eidgenossen 1934 eingeführt haben, erheblich: Die Schweiz will Ländern künftig sogar Amtshilfe bei Steuerhinterziehung leisten - freilich nur nach starkem Druck. Bisher tut sie das nur, sofern einem Kunden Steuerbetrug nachgewiesen werden kann.
Ärger macht auch Deutschland: Die Zahl der Selbstanzeigen ist dort in die Höhe geschnellt, nachdem Nordrhein-Westfalen eine Liste mit mutmaßlichen Steuersündern - rund 1500 deutschen Credit-Suisse-Kunden - gekauft hat. Die absehbaren Nachzahlungen für den deutschen Fiskus summieren sich auf mehr als 1 Milliarden Euro.
Doch für die Schweizer ist das alles kein Problem. Sie haben es inzwischen weniger auf reiche Deutsche und Amerikaner abgesehen, die Angst vor den heimischen Steuerfahndern haben müssen. Das neue Geld liegt auf der anderen Seite des Erdballs. "95 Prozent unserer Neugelder kommen aus Ländern ohne ,Steuerthematik‘", sagt Rohner von Credit Suisse.





















