Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat durch ihre Interventionen auf dem Devisenmarkt gewaltige Verluste erlitten. Im ersten Halbjahr häufte die Notenbank Wechselkursverluste in Höhe von 14 Milliarden Franken (9,57 Milliarden Euro) an. Daraus resultierte ein Gesamtminus von 4 Milliarden Franken, teilte die SNB am Mittwoch mit.
Die SNB versucht, die Verluste zu relativieren: "Die Erträge der Fremdwährungs- und Frankenpositionen und der starke Anstieg des Goldpreises halten den Halbjahresverlust der Nationalbank in Grenzen", schreibt die SNB in der Mitteilung. Noch nicht berücksichtigt sei das Ergebnis das Banken-Stabilisierungsfonds, das jedoch einen "deutlich positiven Beitrag" leisten werde. Die endgültigen Zahlen wird die SNB am 13. August veröffentlichen.
Die SNB hatte über Monate den Franken geschwächt, um die Schweizer Wirtschaft vor einer Deflation durch fallende Importpreise zu bewahren. Dadurch erhöhten sich ihre Devisenanlagen im ersten Halbjahr um 132 Milliarden Franken. Am 17. Juni hatte sie dann mitgeteilt, dass das Deflationsrisiko "verschwunden" sei - und damit eine Franken-Rally ausgelöst, die die Schweizer Währung gegenüber dem Euro auf ein Rekordhoch steigen ließ.
Der Euro erreichte am ersten Juli das Rekordtief von 1,3074 Franken. Weil die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone langsam abebbt, erholte sich die Gemeinschaftswährung wieder. Momentan wird der Euro bei 1,3563 Franken gehandelt. Das ist aber immer noch weit von dem Durchschnitt der vergangenen Jahre entfernt. Im Schnitt notierte der Euro seit seiner Einführung 1999 bei 1,55 Franken.
Die gewaltige Franken-Aufwertung beschert der SNB nicht nur Verluste auf ihre Euro-Anlagen, sondern stellt für die Wirtschaft der Eidgenossen eine Bedrohung dar. Exporte machen mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung aus. Zwei Drittel der Waren gehen dabei in den Euro-Raum. Legt der Franken zu, verlieren die Schweizer Unternehmen gegenüber ihren Rivalen der Euro-Zone an Wettbewerbsfähigkeit.
Die Verluste, die die SNB durch ihre Interventionen am Devisenmarkt angehäuft habe, seien "erstaunlich", schrieb Dennis Gartman, Hedge-Fonds-Manager und Herausgeber des Gartman Letter: "Wir fragen uns, was die Notenbank als nächstes unternimmt. Wir erinnern an die 70er-Jahre. Damals sorgte die Notenbank für negative Zinsen, um Investoren vor einem Engagement in Zürich, Lugano oder Bern abzuhalten." Gartman rechnet mit irgendeiner Form der Intervention. "Die SNB braucht dringend eine größere Waffe."































