Griechenland, so what? Gerade mal elf Millionen Einwohner, who cares? Ein Land, das man nicht auf dem Schirm haben muss. Schon gar nicht als Devisenhändler an der Wall Street. Dachten alle. Dann aber stürzten die Griechen Europa in die Schuldenkrise und schickten den Euro auf Sinkflug. Auf ein Mal trieb die New Yorker Händler vor allem eine Frage um: Was tut sich in Athen?
Die ganz große Krise scheint nun zwar kurzfristig abgewendet, doch mehr als eine Atempause ist das nicht: Spekulationen belasten jetzt auch das Pfund. Und die New Yorker Händler werden schon bald wieder nach Athen schauen. Die Griechenland-Krise ist keineswegs vorbei, die Hellenen müssen demnächst erneut den Kapitalmarkt anzapfen. Bis Ende Mai werden Staatsanleihen im Wert von knapp 23 Milliarden Euro fällig.
Währungen
Am Wechselkurs verdienen
Mit Investments in Währungen können Privatanleger viel gewinnen, aber auch verlieren. Die Fonds von Julius Bär, Starcapital und Templeton, die auch in Anleihen investieren, gehörten in der Vergangenheit in der Regel zu den Gewinnern. Auf eine weitere Erholung des Dollar spekulieren Anleger, die sich den Dollar-Geldmarktfonds von Fidelity ins Depot legen.
| Fonds | ISIN | Ausgabe- aufschlag¹ |
Gebühr p.a. |
Rendite 6 Monate |
Rendite 1 Jahr |
| Fidelity Fund US-Dollar Cash | LU0064963852 | 0,00% |
0,40% |
?5,03 % |
–6,75 % |
| Julius Bär Absolute Return Bond | LU0186677893 | 3,00% |
1,00 % ² |
?1,84 % |
14,94% |
| Starcap Argos | LU0137341789 | 3,00% |
0,80% |
?8,41 % |
34,04% |
| Templeton Global Bond | LU0152981543 | 3,00% |
0,75% |
?14,73 % |
22,31% |
| 1) maximal; 2) zzgl. Performance-Gebühr | Quelle: Fondsweb, Cortal Consors | ||||
Was in dem Getöse um die Griechen, um Dollar und Euro (seit Dezember 2009 hat die Gemeinschaftswährung massiv an Wert verloren, von 1,50 auf 1,35 Dollar – für Devisenexperten Welten) untergeht: Dieses Mal ist es mehr als das. Nicht nur der Euro wankt. Die Welt der wichtigsten Währungen ist aus der Balance geraten, auf sie kommen gravierende Veränderungen zu. Der Dollar profitiert nur auf den ersten Blick (siehe linke Grafik Seite 122): Er ist allein deswegen stark, weil der Euro schwach ist. Das Comeback des Greenback ist ein vorübergehendes, auch die Leitwährung wird leiden müssen. Neue Spieler aus Asien und Lateinamerika holen auf.
Von einer Anlageklasse, in der so viel Bewegung ist, können auch Privatanleger profitieren. Wenn auch nicht ohne Risiko. Denn einfach zu durchschauen sind Währungsentwicklungen nicht, und die Verlustgefahr ist hoch. Selbst Profis stellt die Euro-Krise vor große Herausforderungen. Hans Redeker, Leiter Währungsstrategie bei BNP Paribas, fordert sogar: "Es wird Zeit, dass die Analysten ihr Instrumentarium erweitern."
Redeker hat das bereits getan, die erste Folge der neuen Währungswelt. Er schaut längst nicht mehr allein auf die konjunkturelle Situation eines Landes, wenn er dessen Währung bewertet. "Die Analyse der Konjunktur ist zwar weiterhin nötig, da gute Wachstumsperspektiven Anleger anlocken und so den Kurs stützen", erklärt er. "Aber viel wichtiger ist es zurzeit, die Verschuldungsquoten in den Blick zu nehmen."
Und die lassen selbst die Experten schaudern: Die griechischen Zahlen (12,7 Prozent Haushaltsdefizit und rund 113 Prozent Verschuldungsquote) können Devisenanalysten mittlerweile auswendig aufsagen. Aber auch Portugal kam 2009 auf ein Defizit von 9,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), der Schuldenstand macht fast 80 Prozent des BIPs aus. Die Haushalte in Irland und Spanien liegen ebenfalls zweistellig im Minus, in Italien übertrifft die Schuldenquote gar Griechenland. "Die Euro-Zone ist wie ein Haus ohne Dach. Bei gutem Wetter ist alles in Ordnung, bei schlechtem werden alle Bewohner nass", sagt Paul De Grauwe, Professor an der belgischen Universität Leuven und ein führender Geldtheoretiker.
Zurzeit prasselt also, um im Bild zu bleiben, ein Dauerregen auf Europa herab. Die Wassermassen drohen das bislang so gemütliche Euro-Haus wegzuschwemmen.
Die Verschuldung der Südeuropäer bringt die Gemeinschaftswährung in die Bredouille. Denn ist ein Land stark verschuldet, lassen sich die Verbindlichkeiten in der Regel nicht allein über wirtschaftliches Wachstum abtragen. Über Inflation geht dies in der Euro-Zone aber auch nicht, das verbieten die Regeln der Union. Bleibt nur der Weg, den Griechenland eingeschlagen hat und dem die anderen klammen Staaten wohl folgen werden: sparen und Steuern erhöhen. Bei so heftigen Sparrunden in Südeuropa aber besteht die große Gefahr, die Konjunktur gänzlich abzuwürgen, was den Euro weiter unter Druck setzen würde.
Die Spekulanten rechnen jedenfalls damit: Die Zahl der Kontrakte, mit denen Hedge-Fonds auf den Verfall der Gemeinschaftswährung setzen, hat Anfang März einen Rekordwert erreicht. Gelddenker De Grauwe sagt: "Viel zu lange haben Politiker und Anleger die Augen vor der Verschuldung in Europa verschlossen. Erst jetzt, wo der Fortbestand der Euro-Zone auf dem Spiel steht, reagieren sie."
Wie man es auch dreht und wendet: Die Euro-Schwäche ist hausgemacht, ein Ausweg keineswegs sicher. Findet Europa nicht bald eine überzeugende Lösung, wird der Euro seine Talfahrt fortsetzen. Viele Banken haben ihre Jahresendprognosen für die Währung nach unten revidiert. Ob nun unter 1,35 Dollar oder sogar unter 1,20 Dollar – die Richtung ist meist die gleiche: Der Euro verliert. An eine Rückkehr zu einem Kurs von 1,50 Dollar noch 2010 glaubt kaum jemand mehr.
Verstärkt wird die Euro-Schwäche aber nach Ansicht vieler Beobachter auch durch die amerikanische Notenbank. Matthias Huth, Dollar-Experte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): "Auch die Fed hatte daran einen gewissen Anteil." Genau genommen betrug der Anteil exakt einen Viertelprozentpunkt. Um diesen Wert auf 0,75 Prozent hob die US-Notenbank Mitte Februar den sogenannten Diskontsatz an, zu dem sich Banken kurzfristig Geld leihen können.






























