Die Berliner Quirin Bank, bislang Vorreiter in Sachen Honorarberatung, bekommt Gesellschaft: Mitte November startet die Direktbank Comdirect unter dem Namen "Anlageberatung Plus" mit ihrer Variante der Honorarberatung. Bei Cortal Consors geht die Testphase nun übergangslos in den Livebetrieb über.
"Wir sprechen über eine unabhängige, systemgestützte Anlageberatung zum attraktiven Pauschalpreis - frei von Produktprovisionen", stellte Comdirect-Vorstandsvorsitzender Michael Mandel das Konzept vor. Im Zentrum der ausschließlich per Telefon angebotenen Beratung stehen mehr als 3000 Einzelprodukte aus den Produktkategorien börsengehandelte Indexfonds (ETFs), börsengehandelte Rohstoffe (ETCs), Aktien, Renten und Fonds. In Zertifikaten, Optionsscheinen und Hebelprodukten findet explizit keine Beratung statt.
Kern der Telefonberatung ist ein stark technisiertes Anlageempfehlungssystem, das Musterportfolios für sechs verschiedene Risikoklassen - von konservativ bis chancenorientiert - entwickelt. Diese Musterportfolien können die rund 20 Kundenberater dann nach den individuellen Vorgaben der Kunden noch abändern. Die Kundenberater haben langjährige Erfahrung in der Wertpapierberatung, aber nicht unbedingt eine Bankausbildung.
Verbraucherschützer sehen Interessenkonflikt
Der Preis errechnet sich so: Zum einen zahlen Kunden 0,6 Prozent des Portfoliovolumens pro Jahr oder 0,05 Prozent pro Monat, mindestens werden 24,90 Euro pro Monat fällig. Hinzu kommt für jede Order - auch bei Fonds - die herkömmliche Comdirect-Preisstaffel: Sie beträgt 4,90 Euro plus 0,25 Prozent des Ordervolumens, mindestens 9,90 Euro, maximal 59,90. Hinzukommen noch etwaige Fremdspesen. Wie bei Honorarmodellen üblich, bekommen Kunden sämtliche Vergütungen zurückerstattet, die die Bank von Produktanbietern erhält, etwa Bestandsprovisionen bei Fonds.
Verbraucherschützer Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbrauchezentrale Baden-Württemberg, begegnet dem zweigeteilten Preismodell allerdings mit Skepsis: "Ich sehe darin einen Interessenkonflikt: Comdirect verdient ja nicht nur an dem Honorar, sonder auch am Handelsumsatz. Aus Anlegersicht macht das Hin und Her aber nur die Taschen leer", befürchtet er. Olaf Jäger-Roschko, als Bereichsleiter zuständig für die "Anlageberatung Plus", teilt diese Sorge nicht. Das System sei nicht darauf programmiert, Tradeaktivität zu erzeugen. Außerdem wolle Comdirect mit diesem Preismodell erreichen, dass die Kunden eben nicht die Honorarberatung nur deshalb wählen, um Ordergebühren zu sparen.




















