23.07.2010
Was war nochmal Anfang November 2008 los? In der Finanzkrisen-Chronik der Commerzbank klafft dort eine Lücke
Was war nochmal Anfang November 2008 los? In der Finanzkrisen-Chronik der Commerzbank klafft dort eine Lücke
Foto: capital.de
Investor-Artikel

Verbale Nebelbomben

Commerzbank beweist Mut zur Lücke

von Mareike Scheffer

In einer Broschüre erklärt das Institut ihren Kunden die Finanzkrise. Die eigene Rolle spielt das Geldhaus dabei herunter.



Ganz schön akribisch, diese Commerzbanker. Sage und schreibe 51 Stichpunkte umfasst ihre „Chronik der Finanzkrise“ – von der Insolvenz des US-Hypothekenfinanzierers New Century am 2. April 2007 bis zur Verabschiedung des deutschen Bad-Bank-Gesetzes am 13. Mai 2009. Selbst sehr insiderisch anmutende Ereignisse wie die Verstaatlichung von Bradford & Bingley oder die Rettung von Dexia sind den Coba-Chronisten nicht entfallen. Nur Anfang November 2008 klafft eine auffällige Lücke. War da nix?

Doch, da war was: Die spektakuläre Teilverstaatlichung der Commerzbank selbst. Inklusive einer letztlich 18 Mrd. Euro teuren Kapitalspritze und einer 15 Mrd. Euro schweren Garantie, gesponsert vom deutschen Steuerzahler. Man habe die Broschüre nicht gleich überfrachten wollen, sagt eine Commerzbank-Sprecherin zur Begründung.

„Die Finanzmarktkrise – Wie es dazu kam und was nun zu tun ist“, so heißt das Infoheftchen, das das Geldhaus seinen Kunden und Mitarbeitern zum besseren Verständnis des globalen Finanzbebens an die Hand gibt. Blättert man ein wenig durch die insgesamt 36-seitige Schrift, dann merkt man schnell, dass die Lücke in der einleitenden Chronik keine Ausnahme ist. Vielmehr wird die Broschüre, die ansonsten ermüdend ausführlich ist, immer dann löchrig, wenn es um die Rolle der Commerzbank selbst geht.

Vor allem das Kapitel „Wie konnte das passieren?“ steckt voller verbaler Nebelbomben. Vom „Renditehunger institutioneller Investoren“ ist da die Rede, wobei verschwiegen wird, dass diese Investoren auch aus dem eigenen Haus kamen – von der Dresdner Bank nämlich, die später in der Commerzbank aufging. Stattdessen werden zunächst die Hedge-Fonds erwähnt, gefolgt von Versicherungen und Pensionsfonds, bis endlich auch den Banken eine verstärkte Nachfrage nach minderwertigen US-Papieren attestiert wird.

Im weiteren Verlauf lernt der Leser dann, dass es für den Steuerzahler gar nicht so schlimm sein muss, Pleiteinstituten beizuspringen. „Solange die Banken zahlungsfähig bleiben, fließt bei Garantien für Anleihen kein staatliches Geld.“ Außerdem würden „Eigenkapitalhilfen angemessen verzinst“, und nach der Krise sei „für den Staat sogar ein Gewinn aus dem Verkauf seiner Anteile denkbar“.

Auf sich selbst kommt das Institut erst auf Seite 28 zu sprechen. Unter Verweis auf die seinerzeit drohende Kreditklemme heißt es: „Die Commerzbank hat sich nicht zuletzt vor diesem Hintergrund im November 2008 dazu entschlossen, das von der deutschen Bundesregierung zur Stabilisierung des Finanzmarktes ins Leben gerufene Programm zu nutzen.“

Da möchte man sich als Kunde und Steuerzahler fast bedanken.


Quelle: ftd
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Quelle: FMH-Finanzberatung
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