Der Dissens in der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) über den geldpolitischen Kurs ist erheblich größer als gedacht. Sieben der aktuell 17 Notenbanker im obersten Fed-Entscheidungsgremium, dem Offenmarktausschuss FOMC, argumentierten auf der jüngsten Sitzung gegen den Beschluss, erneut Staatsanleihen zur Stützung der Wirtschaft zu kaufen, oder äußerten zumindest Vorbehalte, wie das "Wall Street Journal" am Dienstag berichtete. "Es gibt einen Riss im FOMC", sagte Rob Carnell, Chefvolkswirt der ING Bank.
Offiziell war die Entscheidung am 10. August mit neun zu eins Stimmen gefallen. Die Summe von zehn Stimmen erklärt sich damit, dass im FOMC nicht alle Mitglieder jederzeit stimmberechtigt sind. Dass einzig der Chef der regionalen Fed Kansas, Thomas Hoenig, gegen die Käufe gestimmt hatte, hatte den Eindruck erweckt, als stünde er allein da oder habe nur ein oder zwei weitere Hardliner an seiner Seite. Nun zeigt sich, dass die Skepsis weit ausgeprägter war - selbst bei einigen derer, die letztlich für die Anleihekäufe stimmten.
Der große Widerstand deutet an, dass die Fed womöglich weiter als gedacht davon entfernt ist, wieder in großem Stil Staatsanleihen zu kaufen, was die Zinsen drücken und die Wirtschaft ankurbeln soll.
Auf der Sitzung hatte sie beschlossen, auslaufende Hypothekenpapiere in ihrer Bilanz durch Staatsanleihen zu ersetzen, anstatt die Bilanz schrumpfen zu lassen. Sie investiert also frei werdendes Geld, anstatt es dem Kreislauf zu entziehen, und hält so ihre Bilanz bei rund 2045 Mrd. Dollar. Sie pumpt aber noch nicht zusätzliches Geld in die Wirtschaft. Einige Experten erwarten das aber fest als nächsten Schritt.
Der Riss im FOMC macht es auch für Investoren schwerer abzuschätzen, welchen Kurs die Fed in den kommenden Wochen und Monaten fährt. Das wiederum vergrößert die Gefahr von Turbulenzen an den Finanzmärkten - umso mehr, als auch der Konjunkturausblick selbst so unsicher ist wie selten zuvor.






















