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31.08.2010
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Die Kurse zehnjähriger Bundesanleihen steigen immer höher, als Konsequenz sinkt die Rendite
Die Kurse zehnjähriger Bundesanleihen steigen immer höher, als Konsequenz sinkt die Rendite
Foto: Getty
Investor-Artikel

Staatspapiere

Nur wenige Alternativen zu Bundesanleihen

von Bernd Mikosch

Die unsichere Konjunktur spricht für sichere Bundesanleihen. Doch die werfen kaum noch etwas ab. Die Magerrendite zwingt Vermögensverwalter, sich nach Alternativen umzusehen. Wer auf Sicherheit setzt, wird nicht viele finden.

Sicherheit hat ihren Preis, auch an der Börse. Derzeit sind Anleger bereit, besonders viel dafür zu zahlen. Sie fürchten eine neue Rezession und flüchten sich vom Aktienmarkt in Bundesanleihen. Die Kurse zehnjähriger Papiere steigen immer höher, als Konsequenz sinkt ihre Rendite. Inzwischen bieten sie nur noch 2,1 Prozent, so wenig wie nie zuvor. "Sicherheit ist zu teuer geworden", sagt Stefan Klomfass, Leiter des institutionellen Wertpapiergeschäfts beim Fondsanbieter SEB Asset Management. "Dass die Rendite von Bundesanleihen steigt, ist nur eine Frage der Zeit." Andere Vermögensverwalter schließen sich dieser Meinung an: Woanders ist das Geld der Anleger besser aufgehoben - zumindest auf lange Sicht.

"Der Rentenmarkt ist völlig aus dem Ruder gelaufen", sagt Laurenz Czempiel, Vorstand der Privatbank Donner & Reuschel. "Die niedrige Staatsanleihenrendite ist nur gerechtfertigt, wenn es zu einer Deflation kommt. Dieses Szenario mag für die USA möglich erscheinen, für Deutschland aber nicht." Czempiel spricht von einer Spekulationsblase. "Für zehnjährige Bundesanleihen wäre eine Rendite von drei bis vier Prozent angemessen, nicht von zwei Prozent. Je länger die Spekulation in eine Richtung läuft, umso größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Blase platzt." In Total-Return-Mandaten, die auf eine bestimmte Rendite über dem Geldmarktsatz abzielen, haben die Strategen von Donner & Reuschel langjährige Staatsanleihen darum verkauft und eine Gegenposition bezogen: Inzwischen wetten sie sogar mit Terminkontrakten auf fallende Kurse der Bundesanleihen.

Viele Anleger dürften die niedrige Rendite der Staatspapiere indes gelassen sehen - schließlich haben sie an der Rally am Rentenmarkt in diesem Jahr viel Geld verdient. "Frisches Geld anzulegen lohnt sich aber nicht", sagt Thomas Steinemann, Chefstratege der Schweizer Privatbank Vontobel. "Dafür sind die Zinsen zu niedrig. Nach Abzug der Inflation bleibt praktisch kein Ertrag mehr übrig." Allenfalls Spekulanten könnten darauf wetten, dass die Rendite noch tiefer sinkt, so Steinemann.

Zumindest denkbar ist das, zeigt das Beispiel Japan, wo eine hartnäckige Deflation herrscht. Zehnjährige Staatsanleihen werfen dort nur noch rund ein Prozent ab. Würde die Rendite der Bundesanleihen auf dieses Niveau fallen, wäre noch ein Kursgewinn von rund zehn Prozent möglich, rechnet Steinemann vor. "Für Deutschland erwarte ich allerdings keinesfalls japanische Verhältnisse, darum ist das ein rein theoretisches Szenario."

Auch wenn jetzt ein guter Zeitpunkt zu sein scheint, Bundesanleihen aus dem Depot zu verbannen: Schnelles Handeln ist nicht nötig, meint Steinemann. Er rechnet damit, dass sich die Zinsen in den nächsten sechs Monaten kaum ändern werden. Außerdem fällt ihm die Suche nach Alternativen schwer. Chancen sieht er noch bei Unternehmensanleihen: "Viele Titel bieten nach wie vor eine attraktive Rendite." Aktien seien zwar attraktiver bewertet als Staatsanleihen, momentan ist ihm die Lage an der Börse aber zu unsicher. "Die Finanzmärkte preisen derzeit eine Konjunkturabschwächung für das Jahr 2011 ein", sagt Steinemann. Frühestens um den Jahreswechsel entscheide sich dann, ob eine Zinswende in Sicht sei oder nicht. "Dann ist vielleicht der Zeitpunkt gekommen, den Anteil der Staatsanleihen im Depot zu senken."


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 Quelle: vwd netsolutions GmbH
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