Zunächst traf es nur Griechenland, aber auch Spanien, Portugal und Irland müssen zittern: Mitte Januar stufte Standard & Poor’s (S&P) die Kreditwürdigkeit des griechischen Staates herab – die Ratingagentur bewertet das südeuropäische Land jetzt nur noch mit der für Staaten eher mittelmäßigen Note "A–". Auch die Top-Noten für Spanien und Irland stehen auf dem Prüfstand.
Beide müssen fürchten, ihre bisherige Spitzenbewertung von "AAA" zu verlieren. Portugal droht ebenfalls die Abwertung: Die gute portugiesische Note von "AA-" nimmt S&P genauso unter die Lupe. Grund für das Vorgehen der Ratingagentur ist vor allem die angespannte Lage der Staatshaushalte in den betroffenen Ländern. Spanien, Portugal und Irland drückt eine hohe Schuldenlast, die angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise 2009 noch weiter zunehmen dürfte. In Griechenland fehlt es nach Ansicht von S&P der Regierung zudem am nötigen Rückhalt in der Bevölkerung, um die Wirtschaftskrise wirkungsvoll zu bekämpfen.
Die Ankündigungen von S&P haben den Markt für europäische Staatsanleihen so heftig durcheinandergewirbelt wie noch nie seit der Einführung des Euro. "Die Spreads haben historisch einmalige Höhen erreicht", sagt Birgit Figge, Rentenexpertin der DZ Bank. Unter Spread verstehen Börsianer den Risikoaufschlag, den Staaten zahlen müssen, um Investoren einen Ausgleich für die höhere Ausfallwahrscheinlichkeit der Bonds zu bieten. Über die beste Bonität im Euro-Raum verfügt Deutschland, deutsche Staatsanleihen gelten darum als wichtigstes Vergleichsmaß für die Papiere anderer europäischer Länder.
"Die Aussagen von S&P machen es für die betroffenen Länder schwieriger, über Bonds Kredite am Kapitalmarkt aufzunehmen", sagt Figge. Darum müssten sie Anlegern jetzt im Vergleich zu Bundesanleihen deutlich höhere Zinsen zahlen. Bei Papieren mit zehnjähriger Laufzeit beträgt der Renditeaufschlag spanischer Anleihen im Vergleich zu Bundesbonds derzeit 1,03 Prozentpunkte, in Portugal liegt er bei 1,17 Prozentpunkten und in Griechenland gar bei 2,45 Prozentpunkten. Üblicherweise notiert der Spread zwischen Bundespapieren und anderen Anleihen aus der Euro-Zone deutlich unter einem Prozentpunkt.
Anleger, die in der Vergangenheit in südeuropäische oder irische Staatspapiere investiert haben, kann Rentenexpertin Figge jedoch beruhigen: "Ein Ausfall der Papiere ist überhaupt nicht zu befürchten", sagt sie. Dazu werde es die Europäische Union nie kommen lassen. Trotz der attraktiven Risikoprämien hält sie aber auch ein Investment in die Staatsbonds noch für verfrüht. Figge rechnet damit, dass die Spreads im Verlauf des Jahres noch weiter auseinanderlaufen werden. "Die Haushaltslage der betroffenen Länder wird sich 2009 aufgrund des weltweiten Konjunktureinbruchs verschlechtern", schätzt die Rentenexpertin. "Dann werden sich voraussichtlich auch die Risikoprämien noch einmal erhöhen."
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