Das Misstrauen der Investoren gegenüber Griechenland nimmt wieder zu. Der Risikoaufschlag, den Anleger dafür verlangen, dass sie zehnjährige griechische Staatsanleihen halten statt entsprechender Bundespapiere kletterte laut dem Datendienstleister Bloomberg auf 784 Basispunkte. Am Vortag hatte die Prämie bei 772 Basispunkten gelegen. Die Rendite zehnjähriger Anleihen stieg wieder über die Zehn-Prozent-Marke und lag zuletzt bei 10,45 Prozent.
Risikoprämie und Rendite sind damit wieder so hoch wie vor sieben Wochen - bevor die EU und der Internationale Währungsfonds ein bis zu 750 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für den Euro schnürten und die Europäische Zentralbank begann, besicherte Anleihen aufzukaufen. Griechenland wird zudem mit einem Rettungsprogramm von 110 Milliarden Euro gestützt.
Kreditderivate (Credit Default Swaps, CDS) auf hellenische Staatsanleihen schnellten laut dem Datendienstleister Markit zeitweise auf den Rekordstand von 960 Basispunkten hoch. Damit kostete es 960.000 Euro, Bonds im Wert von 10 Millionen Euro ein Jahr lang zu versichern.
Hintergrund ist die wachsende Risikoaversion der Anleger. Sie zweifeln an der Stärke der wirtschaftlichen Erholung. "Finanzielle Bedingungen sind weniger förderlich für Wachstum", warnte die US-Notenbank Fed am Mittwoch.
Hinzu kommen Zwänge vieler Investoren. "Griechische Anleihen werden von Zwangsverkäufen getroffen", sagte Peter Chatwell, Zinsstratege bei Crédit Agricole. "Da griechische Schulden nun ein Ramschrating haben, gibt es bestimmte Indizes, die nicht länger hellenische Bonds umfassen." Nach der Herabstufung durch die Ratingagentur Moody's auf Ramschstatus fallen griechische Papiere Ende dieses Monats aus Indizes der Banken Citigroup und Barclays heraus.
Ein weiterer Erklärungsversuch lautet, dass am 1. Juli ein Jahrestender der Europäischen Zentralbank ausläuft. Banken konnten sich vor einem Jahr zu einem festen Zinssatz günstig refinanzieren und mussten dafür bei der Zentralbank die üblichen Sicherheiten in Form von Staatsanleihen hinterlegen. Wenn Banken nun aus diesem Geschäft griechische Anleihen zurückerhalten, könnte sie das schon im Vorfeld bewegen, Griechen-Bonds zu verkaufen, um deren Anteil im Depot nicht anwachsen zu lassen.
Quelle: capital.de
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