Es ist wie immer, wenn Prognosen für die Aktienmarktentwicklung angestellt werden, je nach persönlichem Wunschdenken gibt es Argumente für steigend und fallend. Aber wissen kann es natürlich keiner, von Tricks wie Insiderhandel abgesehen. Es bleibt einzig die Strategie der Trendfolge, d.h. wenn Märkte schlecht laufen, wie derzeit, die Aktienquote reduzieren. Die letzten 15 Jahre seit 1995 trotz den beiden Crashs 2000-2003 und 2008 brachten beim DAX jährlich 7,0% und mit Trendfolge 12,1 % pro Jahr. Also besser dem Trend folgen, als vermeintlichen Börsengurus zu glauben.
Sorgen um die globale Konjunktur treiben Anleger massenhaft in sichere Anlagen. Aktienmärkte verzeichnen Verluste: Der S&P 500 verlor in New York nach Handelsbeginn 1,1 Prozent auf 1055 Punkte. Am Vortag hatte er bereits auf dem tiefsten Stand seit Mitte Juli geschlossen, seit dem im April erreichten Jahreshöchststand hat er damit mehr als zwölf Prozent verloren.
Zuvor war bereits der Nikkei 225 unter die 9000-Punkte-Marke gefallen, womit er ein 15-Monats-Tief erreichte. Damit hat der Index seit seinem Hoch Anfang April mehr als 20 Prozent eingebüßt - einige Analysten sprechen in einem solchen Fall von einem Bärenmarkt, also einer hartnäckigen Schwächeperiode.
Auch europäische Indizes wie der Stoxx Europe 600 haben in diesem Zeitraum deutlich nachgegeben. Etwas besser stellt sich die Lage noch im DAX dar. Seit dem Jahreshoch am 6. August hat der deutsche Leitindex lediglich um sieben Prozent nachgegeben.
Die wachsende Skepsis der Investoren zeigt sich auch an den Devisen- und Anleihemärkten. Der Yen, der als sichere Anlage gilt, erreichte am Dienstag zum Dollar ein frisches 15-Jahres-Hoch. Er kletterte zeitweise auf 84,34 je Dollar. Zum Euro legte die japanische Währung auf den höchsten Stand seit neun Jahren zu. Auch der Dollar gewann zur Gemeinschaftswährung.
Die Renditen auf Bundesanleihen mit Laufzeiten von zehn und 30 Jahren fielen auf neue Tiefststände von 2,22 beziehungsweise 2,84 Prozent. Renditen bewegen sich bei Anleihen gegenläufig zu den Kursen. "Es gibt Anzeichen für ein sich abschwächendes Wachstum, und das verstärkt die generelle Risikoaversion am Markt", sagte Commerzbank-Devisenstrategin Antje Praefcke.
Konjunkturdaten der vergangenen Wochen deuten darauf hin, dass die Erholung in wichtigen Volkswirtschaften an Schwung verliert. Sorgen um ein Zurückrutschen der USA in die Rezession haben die Notenbank Fed dazu bewegt, über Käufe von Staatsanleihen erneut Geld in die Wirtschaft zu pumpen.
Schwache Daten besonders aus Ländern der Euro-Peripherie haben gleichzeitig Sorgen um die europäische Schuldenkrise wieder aufflammen lassen. Angesichts der strikten Sparkurse vieler Staaten warnen Experten vor einer erneuten Krise. Aufgrund der Kürzungen "läuft Europa Gefahr, in die Rezession zurückzufallen", sagte Nobelpreisträger Joseph Stiglitz im irischen Radiosender RTE.
Die Zweifel der Anleger überwiegen positive Anzeichen aus dem Unternehmenssektor. Viele Firmen haben im zweiten Quartal die Gewinnerwartungen übertroffen. Zahlreiche Konzerne streben zudem Zukäufe an, wie der australische Minenkonzern BHP Billiton , der 39 Mrd. Dollar für den Düngerproduzenten Potash bietet. Weltweit haben die bisher in diesem Jahr angekündigten Übernahmen laut dem Datendienstleister Bloomberg ein Volumen von 1290 Mrd. Dollar erreicht, das ist 23 Prozent mehr als zum selben Zeitpunkt im vergangenen Jahr. Solche Aktivität deutet normalerweise auf Optimismus hin.
"Es gibt immer noch sehr große Bedenken, was die Wirtschaft und die Unternehmensergebnisse angeht", sagte Hugh Johnson von Hugh Johnson Advisors der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Alle Daten deuten darauf, dass die Konjunktur schwach bleibt, und dass diese Schwäche anhalten wird."
Quelle: ftd.de
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