Sparer wollen Hochprozentiges. Doch die Leitzinssenkungen, zu denen sich die Notenbanken in der Finanzkrise genötigt sahen, haben das allgemeine Zinsniveau auf Talfahrt geschickt. Während Baudarlehen zurzeit so billig sind wie nie zuvor, bekommen Tagesgeldkunden im Schnitt nur ein Prozent im Jahr. Das ist ein Inflationsausgleich mit einem Quäntchen mehr. Trotzdem nutzen einige Banken die Niedrigzinsphase, um neue Kunden zu ködern und zwar mit Zinsen, teilweise doppelt so hoch die wie der Durchschnitt.
Jüngstes Beispiel: das Tagesgeld von GE Capital Direkt mit 2,25 Prozent, das ab dem 12 Juli zu haben ist. Vor rund zwei Jahren hat der amerikanische Mischkonzern seine deutsche GE Money Bank zwar an die spanische Santander verkauft, nun will das Unternehmen über seine Mittelstandsbank wieder die hiesige Privatkundschaft beglücken.
Die Voraussetzungen sind nicht schlecht: 2,25 Prozent klingen zwar nicht nach satten Gewinnen, aber im Vergleich zur Konkurrenz ist die Offerte der Deutsch-Amerikaner hochprozentig. 2,1 Prozent bietet derzeit Comdirect. Allerdings gibt es diesen Zins nur für Summen bis maximal 5000 Euro. Wer mehr anlegen will muss sich mit einem Prozent zufrieden geben.
Bei GE Capital Direkt entfällt eine solche Obergrenze. Ähnlich handhabt es auch die Bank of Scotland, die seit über einem Jahr bei Tagesgeldzinsen oben mitmischt. Aktuell bieten die Schotten zwei Prozent nebst 20 Euro Willkommensprämie. Sollte die Bank wider Erwarten Pleite gehen, gilt für die Kunden aber nur die britische Einlagensicherung, die Anlagesummen von umgerechnet 55.000 Euro ersetzt.
Spitzenreiter mit 3,2 Prozent
GE Capital Direkt, Comdirect und auch der Tagesgeld-Platzhirsch ING-Diba unterliegen der deutschen Einlagensicherung, die bis zu 50.000 Euro je Kunde schützt und dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken. Der garantiert Kundeneinlagen in Millionenhöhe. Ebenfalls ein wichtiger Punkt: die meisten Tagesgeldofferten sind meist zeitlich begrenzt. So wirbt die ING-Diba mit einer sechsmonatigen Zinsgarantie. Andere Anbieter haben zwar keine zeitliche Begrenzung, behalten sich aber vor den Zins anzupassen.
Den derzeit höchsten Zins gibt es bei Cortal Consors. Die Onlinebank, die zur französischen BNP Paribas gehört, zahlt aktuell 3,2 Prozent Zinsen und das für volle zwölf Monate - allerdings nur solchen Kunden, die gleich noch ein Depot eröffnen, dessen Wertpapier mindestens 6000 Euro wert sein sollten. Auch die SEB Bank will beim Tagesgeld mitmischen. Denn laut einer Studie des Instituts für Management und Wirtschaftsforschung wollen immerhin 29 Prozent der Deutschen Anleger ihr Geld auf Tagesgeldkonten tragen, Aktien sind hingegen nur für acht Prozent erste Wahl.
Die Schweden haben ihren Zins von zwei Prozent aber an ein Beratungsgespräch gekoppelt. Wer auf diesen Termin verzichtet, muss sich mit dem deutlich niedrigeren 1,5 Prozent aufs Tagesgeld zufrieden geben. Diese beiden Offerten sind nur zwei aus einer ganze Reihe von vermeintlichen Spitzenangeboten, bei denen der Teufel dann im Detail steckt. Mangels Alternativen müssen Kunden, die auch in einer Niedrigzinsphase mit sicheren Anlagen Geld verdienen wollen, wohl oder über flexibel sein.
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