Deutschen Privatanlegern droht der größte Reinfall seit der Pleite der isländischen Kaupthing Bank im Oktober 2008. Nachdem am Mittwoch die zum Noa-Bank-Konzern gehörende Factoring-Tochter beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenz angemeldet hatte, schloss die Finanzaufsicht BaFin am Abend die Schalter des Instituts. Für die etwa 15.000 Kunden bedeutet dieser drastische Schritt, dass sie nicht an ihre Einlagen über zuletzt 172,1 Mio. Euro herankommen.
Noa gehört zwar der gesetzlichen Entschädigungseinrichtung deutscher Banken an, nicht aber der Einlagensicherung der privaten Institute. Bei einer Pleite sind nur Einlagen bis 50.000 Euro pro Kunde abgesichert. Allerdings gilt nach wie vor die Garantie der Bundesregierung für die Sicherheit der Spareinlagen.
Die BaFin stellte klar, dass die Noa Bank mit einer Bilanzsumme von 179,2 Mio. Euro nicht systemrelevant sei. Nach der Insolvenz der Factoring-Gesellschaft habe dem Gesamtkonzern die Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit gedroht. Die erste Bankpleite in Deutschland seit Herbst 2008 ist somit kein Indiz für die akute Rückkehr der Finanzkrise.
Noa-Gründer François Jozic hatte die Bank im November 2009 als Alternative zu traditionellen Geldhäusern gestartet. Obwohl gewinnorientiert, stellte er moralische Grundsätze in den Vordergrund - insofern ist das Moratorium auch ein Rückschlag für das Modell der ethischen Bank. Vor allem aber wollte der 37-jährige Belgier Transparenz schaffen. Kunden sollten festlegen, in welche Projekte investiert wird. Dank attraktiver Konditionen für Tages- und Festgelder verzeichnete die Bank rasch Mittelzuflüsse, die Kreditvergabe hielt allerdings nicht Schritt. Die Folge: Die Noa Bank verdiente mit Krediten weniger, als sie ihren Sparern Zinsen zahlen musste.
Per 13. August betrugen die Spareinlagen 210,3 Mio. Euro, bei Krediten von nur 59,6 Mio. Euro. Der Rest der Einlagen musste im Bankenmarkt angelegt werden. Damit reichte das vorhandene Eigenmittel von 5,6 Mio. Euro bei Weitem nicht für die vorgeschriebene Unterlegung von Risiken mit acht Prozent Eigenkapital aus. Weiter soll die Noa Bank die Factoring-Firma mit 26 Mio. Euro refinanziert haben, was angesichts der Größenverhältnisse einem Klumpenrisiko gleichkäme.
"Ich höre auf zu kämpfen"
Mit Factoring hatte Jozic 2004 in Deutschland angefangen. Eine Factoring-Firma kauft Forderungen anderer Firmen an und entlastet diese so vom Risiko eines Zahlungsausfalls. Ihr Geld verdient sie mit der Verwertung der Forderung. Für die Refinanzierung braucht sie eine Bank. Als Jozic Quorum in die Bank einbrachte, begleiteten seine Kunden dies mit Argwohn. Sie warfen ihm vor, die Noa Bank nur gegründet zu haben, um an eine Refinanzierungsplattform für das Factoring-Geschäft heranzukommen.
Jozic selbst strich bereits vor dem Moratorium der BaFin die Segel: "Mit diesen Voraussetzungen habe ich mich entschlossen, die BaFin die Bank schließen zu lassen. Ich höre auf zu kämpfen", schrieb er in seinem Internetblog, in dem er zugleich heftige Angriffe gegen die Aufsicht richtete. Die BaFin habe seine Bemühungen, die Kapitalbasis der Bank zu stärken, ignoriert und versucht, ihn aus dem Unternehmen herauszudrängen, wetterte er.
Bereits Ende Juni hatte die BaFin der Noa Bank wegen mangelnder Kapitalausstattung das Kreditgeschäft und die Entgegennahme von Kundengeldern untersagt. Jozic behauptet, er habe Investoren aufgetrieben und der BaFin Gespräche angeboten. "Die BaFin hat mir nie geantwortet. Das Einzige, was die Bank bekam, war ein Brief, datiert auf den 30. Juli, in dem sie formal ihre Absicht erklärte, ihr zum 16. August die Lizenz zu entziehen und zu liquidieren", schreibt er im Internet.
Quelle: ftd.de
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